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Ein Schuldenrückkauf und eine Zinssenkung gelten in Brüssel als die erfolgversprechendsten Wege, um Griechenland einen Teil seiner riesigen Schuldenlast abzunehmen. Zwei Vertreter der Eurozone bestätigten dem Wall Street Journal, dass für den Rückkauf der Anleihen privater Investoren technische Vorbereitungen getroffen werden.

Griechenland würde davon profitieren, dass die Kurse für die eigenen Anleihen derzeit deutlich unter dem Nominalwert notieren, der zum Laufzeitende ausgezahlt werden müsste. Durch einen Rückkauf zu aktuellen Marktpreisen könnte das gebeutelte Euromitglied an der Differenz verdienen. Der Plan wird von der Europäischen Zentralbank und Deutschland unterstützt. Private Investoren wie Banken und Versicherungen halten derzeit Anleihen mit einem Nominalwert von 63 Milliarden Euro.

Als zweite machbare Strategie werden in Brüssel laut den beiden Insidern niedrigere Zinsen auf die gewährten Kredite aus den Rettungsprogrammen oder die Verlängerung der Fälligkeiten angesehen. Der vom Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Spiel gebrachte Schuldenerlass für die Griechen durch die Europartner sei aber "politisch wenig schmackhaft und vom Tisch".

Nach dem Vorbild der privaten Gläubiger sollten die Euro-Länder auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, um es Griechenland langfristig möglich zu machen, auf einen nachhaltigen Schuldenstand zu kommen. Dieser gilt als erreicht, wenn die Gesamtverschuldung des Mittelmeerlandes bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken würde. Aktuell liegt sie bei rund 160 Prozent. Für den IWF ist die 120-Prozent-Marke entscheidend, weil er Geld nur an Länder verleihen darf, deren Schulden stabilisiert werden können. An einem Schuldenschnitt darf sich der IWF laut eigenen Statuten nicht beteiligen.

Griechenland soll erst Reformen zustimmen

Offiziell wird der Druck seitens der Eurogruppe auf das Sorgenkind aber aufrecht erhalten. Die Diskussionen über die richtigen Sparmaßnahmen und Reformen sollen bis zur nächsten Sitzung der Finanzminister am 12. November weiterlaufen, wie die Eurogruppe nach einer Telefonkonferenz erklärte.

Über die Auszahlung der nächsten Rate aus dem Rettungsprogramm wird an diesem Tag nur entschieden, wenn Griechenland sich bis dahin mit der Troika der internationalen Geldgeber geeinigt hat. Für Griechenland geht es dabei um die hohe Summe von rund 31 Milliarden Euro. Diese wird dringend gebraucht, weil das überschuldete Euroland am 16. November eine milliardenschwere Anleihe auszahlen muss.

Die Eurogruppe widersprach auch Ministerpräsident Antonis Samaras, der eine prinzipielle Einigung zwischen Griechenland und den Inspektoren der Troika bereits verkündet hatte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kam Athen ebenfalls nicht weiter entgegen. Es gebe Fortschritte, sagte Schäuble am Nachmittag nach der Telefonkonferenz. Die Verhandlungen seien aber nicht an ihr Ende gelangt. Außerdem sei für die Auszahlung auch noch die Zustimmung des Bundestages gefragt.

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