Barack Obama oder Mitt Romney? Nicht nur der Ausgang der Wahl ist spannend, sondern auch der Endspurt dorthin. Unsere Korrespondentin verfolgt ihn. Mahdi Ehsaei/Deanna Raso/Wall Street Journal

Wähler, Zeitungsleser, Präsidentschaftskandidaten – nach vielen Monaten des Wahlkampfs dürften alle der Sache so langsam müde werden. Unzählige Male wurde die Sonntagsfrage gestellt, täglich beschuldigen sich Republikaner und Demokraten aufs Neue der Regierungsunfähigkeit, und nachdem die Fact-Checker den rivalisierenden Politikern einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit genommen haben, hört man ihnen auch nicht mehr so gerne zu.

Abigael Evans hat genug von "Bronco Bamma und Mitt Romney". Youtube Screenshot

Ein vierjähriges Mädchen aus dem US-Bundesstaat Colorado hat gestern vielen aus der Seele gesprochen – Kinder drücken die Dinge eben oft am treffendsten aus. Auf dem Weg zum Supermarkt sei auf dem öffentlichen Radiosender NPR ein Bericht über den Wahlkampf gelaufen, als die kleine Abigael Evans in Tränen ausbrach, berichtet die Mutter.

Was danach kam, nahm sie auf Video auf. Tränen fließen in Strömen, das Gesicht mit roten Flecken übersät, Verzweiflung steht ihr im Gesicht. „Ich habe genug von Bronco Bama und Mitt Romney", heult das Kind.

NPR hat sich im Internet bei dem Mädchen entschuldigt. „Wir gestehen, uns reicht es auch mit dem Wahlkampf", gibt der Sender zu.

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Kein Wunder, dass selbst bei Kindern die Wahlmüdigkeit eintritt. Von allen Seiten prasselt es auf einen ein: Über Radio, Twitter und das Fernsehen werden ständig die neuesten Umfrageergebnisse vermeldet, in den Vorgärten stehen die Wahlkampfschilder, viele Stoßstangen zieren Autoaufkleber mit Slogans pro oder contra Obama oder wahlweise Romney. Auch beim täglichen Gang zum Briefkasten wird man nicht verschont, sie quellen über mit Werbung von Lokalverbänden der Parteien. Manche engagierte Bürger haben sogar in ihren Halloween-Kürbis das Wahlkampflogo ihres bevorzugten Kandidaten geschnitzt und prominent vor der Haustür platziert.

Das Magazin Time pflichtet der Vierjährigen bei. „Wir sind alle Abigael Evans" titelt Time auf seiner Internetseite. Abigael kann beruhigt sein: Bis zur Wahl sind es nur noch fünf Tage.

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