Der US-Autokonzern General Motors ist auf der Suche nach einem neuen Chef für seine schwächelnde Tochter Opel offenbar fündig geworden. Nachfolger des Interims-Chef Thomas Sedran soll gut informierten Kreisen zufolge der Volkswagen-Manager Karl-Thomas Neumann werden. Die Ernennung stehe kurz bevor. Wann Neumann an die Spitze des kriselnden deutschen Autobauers rückt, ist aber noch unklar. Der Opel-Aufsichtsrat kommt Ende des Monats zusammen. Ein General Motors-Sprecher wollte die Vorgänge nicht kommentieren. Karl-Thomas Neumann war kurzfristig für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Automanager Neumann blickt bereits auf eine lange Karriere in der Automobilindustrie zurück. Nachdem er beim Wolfsburger VW-Konzern eine steile Karriere hingelegt hatte, unter anderem war er Leiter der Konzernforschung und der Abteilung Elektronikstrategie, wechselte der Familienvater 2004 in den Vorstand des deutschen Automobilzulieferer Continental und stieg dort vier Jahre später zum Vorstandsvorsitzenden auf.

Karl-Thomas Neumann soll den angeschlagenen Autobauer Opel wieder auf Kurs bringen. Jörg Sarbach/dapd

Wegen Streitigkeiten mit dem Mehrheitseigner Schaeffler hielt er es an der Conti-Spitze nur ein gutes Jahr aus und wechselte danach zurück zum VW-Konzern, wo er ab 2010 das China-Geschäft verantwortete und sogar als möglicher Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn gehandelt wurde.

Trotz guter Absatzzahlen in China musste Neumann aber im Sommer seinen Posten in China räumen, nachdem er bei Winterkorn in Ungnade gefallen war. Er habe sich zu sehr auf seine Selbstvermarktung konzentriert und zudem Qualitätsprobleme bei Direktschaltgetrieben in China zu verantworten gehabt, hieß es in Medienberichten.

Bei Opel warten auf Neumann große Probleme. GM wird seit Jahren durch seine europäische Autosparte belastet. Nach einem Verlust von 747 Millionen US-Dollar im vergangenen Jahr rechnen die Amerikaner im Gesamtjahr sogar mit einer Verdoppelung der Miesen in Europa.

Gebeutelt von sinkenden Absatzzahlen in Europa dürfte der Autobauer an einer Schließung von Werken nicht mehr lange vorbeikommen. Seit geraumer Zeit wird über das Aus der Fabrik in Bochum spekuliert. Zudem halten sich hartnäckig Gerüchte über eine Fusion mit dem französischen Autobauer Peugeot, an dem die Opel-Mutter bereits beteiligt ist. Ihre Partnerschaft haben Opel und die Franzosen jüngst ausgebaut.

—Mitarbeit: Vanessa Fuhrmans

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