In den USA wird wieder eingestellt. Aber die Arbeitslosigkeit ist noch zu hoch, als dass die US-Wirtschaft auf eigenen Füßen stehen kann - meint die Notenbank. Associated Press

Weder Schnee noch Regen, keine Hitze und auch nicht die Dunkelheit der Nacht werden verhindern, dass das amerikanische Bureau of Labor Statistics heute Futter für den Präsidentschaftswahlkampf liefern wird.

Sorgen, dass Wirbelsturm Sandy den letzten monatlichen Arbeistmarktreport der Regierung vor der Wahl am Dienstag verzögern würde, haben Verschwörungstheorien über die Objektivität der Behörde wiederaufleben lassen. Jetzt bleibt es bei dem üblichen Termin am ersten Freitag im Monat. Und auch das politische Gemurmel bleibt.

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In den vergangenen beiden Monaten war die Arbeitslosenquote, die zentrale Kennziffer für die Öffentlichkeit – und damit für die noch unentschiedenen Wähler - um unwahrscheinliche 0,5 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent gefallen. Und auf der anderen Seite, bei Stellenzuwachs, stand im vergangenen Monat ein Plus von 114.000 neuen Jobs netto.

Im aktuellen Bericht, der heute veröffentlicht wird, könnte es durchaus einen Rückschlag geben. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten erwarten im Schnitt einen leichten Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,9 Prozent, während die Zahl der Stellen um 125.000 gewachsen dürfte. Die informellen Erwartungen für letztere Kennziffer zogen am Donnerstag nach unerwartet guten Zahlen zur Beschäftigung im Privatsektor noch einmal an.

In der Gesamtschau wäre eine Abweichung von 15.000 Stellen in die eine oder andere Richtung ungefähr so bedeutend, als wenn in einem großen Wald ein einzelner Baum umfällt. Und ob eine Veränderung der Arbeitslosenquote um 0,1 Prozent wirklich den Ausschlag für viele Wähler geben würde, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist es wie bei den 99-Cent-Preisen: Eine Quote von 7,9 Prozent sieht immer noch besser aus, als wenn eine acht vorne stünde. Insofern könnte Obama womöglich auch bei einem kleinen Anstieg der Arbeitslosigkeit profitieren.

Fed sieht 7 Prozent als kritische Grenze

Allerdings wird nicht nur der Otto-Normalwähler auf die Zahlen schauen. Auch die zwölf Frauen und Männer im Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed werden die Arbeitsmarktstatistik sezieren. Schließlich hat die Fed ihre jüngste Runde der Anleihekäufe unbefristet aufgelegt – und der Arbeitsmarkt wurde zum Gradmesser dafür bestimmt, wann die US-Wirtschaft wieder stark genug ist, um ohne Stimuli der Notenbank auszukommen. Vor dem Hintergrund ist es entscheidend, wie verlässlich die Statistiken sind.

Für Charles Evans, nicht stimmberechtigtes Mitglied des Offenmarktausschusses, ist eine Arbeitslosenquote von sieben Prozent die magische Marke, an der die Fed ihr Programm stoppen sollte. Nach den Projektionen der Fed würden die Anleihekäufe damit bis mindestens 2014 weiterlaufen. Das wäre ein leichter zu erreichendes Ziel als das immer noch schleppende Jobwachstum zu steigern, denn schon eine wachsende Erwerbsbevölkerung führt dazu, dass die Arbeitslosenquote tendenziell sinkt.

Regierungs- und Notenbankvertreter werden auch in Zukunft die Arbeitslosenquote heranziehen, wenn sie ihre Politik begründen müssen. Der normale Wähler sollte sich aber bewusst sein, dass dort, wo Statistiken zum Einsatz kommen, immer auch gelogen wird.

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