Für Microsoft lief es nicht besonders gut in letzter Zeit. Nun startet der Chef nicht nur auf dem Smartphone-Markt die Aufholjagd: Mit dem neuen Handy-Betriebssystem Windows Phone 8, das am Montag vorgestellt wurde, will er den Konzern wieder in die richtige Spur bringen.

Die Software ist eng an das neueste Betriebssystem gebunden, das in der vergangenen Woche herauskam, hat aber spezielle auf Touchscreen-Funktionen. In Arbeit oder bereits auf dem Markt sind auch die neue Server-Software, ein Tablet und eine neue Office-Version.

Der Softwareriese war Führer auf dem Technologiemarkt. Aber seitdem die mobilen Geräte ihren Siegeszug angetreten haben, hat der amerikanische Konzern den Anschluss an die Marktführer Apple und Google verloren. Microsofts Anteil am weltweiten Smartphone-Markt ist auf unter drei Prozent gesunken, wie Daten der IT-Marktforschungsfirma Gartner zeigen. Der Aktienpreis konnte in den vergangenen Jahren nicht mit der Entwicklung an der Börse mithalten - Konkurrenten wie Apple sind dort inzwischen mehr wert.

Wie der Konzern nun mit mobilen Geräten aufholen will, darüber sprach Microsoft-Chef in einem Interview mit dem Wall Street Journal.

Microsoft-Chef Steve Ballmer will mit den Konzern mit dem neuen Betriebssystem für Smartphones - Windows Phone 8 - nach vorn bringen. Agence France-Presse/Getty Images

WSJ: Auf dem Smartphone-Markt liegen Sie weit hinter den Marktführern Android und Apple. Wie wollen Sie es schaffen, Ihren Anteil auszubauen?

Ballmer: Erstens: Es ist wichtig, ein großartiges Gerät zu haben. Windows-Telefone besitzen Funktionen, die das iPhone oder Android-Geräte nicht haben. Zweitens: Die Leute müssen sie sehen und anfassen können und ein Gefühl dafür bekommen. In den USA können Sie in ein AT&T-Geschäft oder eine Verizon-Filiale gehen, dort werden die Windows-Telefone gut präsentiert und die Verkäufer wissen, wovon sie reden. Drittens: Wir müssen unsere eigene Geschichte erzählen. Wir haben schon länger keine Werbung mehr für Windows-Smartphones gemacht. Das wird sich jetzt ändern.

Ist Microsoft daran interessiert, ein eigenes Smartphone herzustellen, so wie Sie mit dem Surface auch ein Tablet auf den Markt gebracht haben?

Wir sind ganz zufrieden damit, mit Nokia, Samsung und HTC zusammenzuarbeiten. Ob wir entsprechende Pläne haben, möchte ich nicht kommentieren.

Microsoft spricht immer mehr darüber, wie die verschiedenen Produkte – Windows-PCs und Smartphones, die Xbox und Office – zusammenspielen. Warum ist das wichtig?

Das ist offensichtlich: Wenn Sie zu den Millionen von Menschen gehören, die einen Windows-PC kaufen, werden Sie es mit einem Windows-Telefon viel leichter haben. Sie können die gleichen Passwörter benutzen, Dateien speichern, die gleichen Playlists und Spiele benutzen. Wir haben auf den Windows-PCs auch ein besseres Soundsystem, das Sie nutzen können.

Wie ist der Start von Windows 8 und dem Surface-Tablet gelaufen?

In Bezug auf Zahlen gibt es nicht viel zu sagen. Wenn Sie die Händler anriefen, würden Sie sagen: Es sieht nach einem sehr guten Start aus. Unsere Touchscreen-Geräte sind vielerorts bereits ausverkauft. Ich war in der letzten Woche bei einem Abendessen in San Francisco und habe einen wunderschönen, sehr dünnen Touchscreen-Laptop herausgeholt. Die anderen haben gesagt: „Wow, ich hätte nie gedacht, dass ein Touchscreen bei einem Laptop so gut funktioniert."

Hätten Sie lieber ein Geschäftsmodell wie Apple, bei dem sowohl die Hardware als auch die Software kontrolliert wird?

Wir mögen unser Modell und entwickeln es weiter. Apple hat in jedem Bereich das Nachsehen, außer bei Tablets. Auf dem PC-Markt sieht man, dass wir im Vorteil sind – über 90 Prozent der Computer, die verkauft werden, sind Windows-PCs. Wir werden sehen, was bei den Tablets passiert.

Microsoft-Mitbegründer Bill Gates hatte eine berühmte Mission für das Unternehmen: „ein Computer auf jedem Schreibtisch und in jedem Haus". Was ist Ihre Mission für Microsoft heute und die nächste Generation?

Wir sprechen intern darüber, dass wir es Menschen und Unternehmen weltweit ermöglichen wollen, ihr Potenzial zu entfalten. Ob das nun sexy ist oder nicht, wir möchten, dass sie ihre Welt kontrollieren können und Dinge tun können, die ihnen vorher nicht möglich waren.

Wie wird sich Microsoft verändern, um dieses Ziel zu erreichen?

Alle Microsoft-Funktionen sind gut in Window 8 und Windows Phone integriert. Das ist bemerkenswert. Man kauft einen Surface-Tablet und alles ist da: Office, Skype. Wir konzentrieren uns auf die Geräte und ihre integrierten Funktionen. Die wichtigsten sind: Windows Phone, Xbox und Windows. In die sollten wir unsere Kraft stecken.

Sie haben mal gesagt, Sie möchten CEO bleiben, bis Ihr jüngstes Kind in ein paar Jahren die Schule abschließt. Ist das immer noch Ihr Plan?

Das habe ich vor vielen Jahren gesagt. Ich freue mich, dass ich Microsoft in dieser tollen Zeit führen darf. Ich liebe meine Arbeit. Ich bin glücklich mit dem, was ich tue und voller Energie. Ich werde so lange weitermachen, wie der Verwaltungsrat mich will und ich das Gefühl habe, dass ich das Unternehmen voranbringe.

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