PARIS—Frankreichs konservative Oppositionspartei UMP ist mit der Wahl eines neuen Vorsitzenden am Sonntag bisher nicht weitergekommen. Die beiden Kandidaten, die um das Amt des Parteichefs ringen, erklärten sich am späten Sonntagabend beide zum Sieger; ihre Anhänger beschuldigten sich gegenseitig des Wahlbetrugs. Jetzt müssen möglicherweise noch einmal alle Stimmen neu ausgezählt werden.

Der frühere französische Premierminister François Fillon erklärte sich am Sonntagabend zum Wahlsieger. Sein Kontrahent tat es ihm wenig später nach. Das offizielle Ergebnis steht noch aus. dapd

Der frühere Premierminister François Fillon sagte am Sonntagabend, er habe die Wahl mit einer Mehrheit von 224 Stimmen gewonnen und warte nun „gelassen" auf das offizielle Ergebnis. Wenige Minuten später verkündete aber auch sein Kontrahent, UMP-Generalsekretär Jean-François Copé, er sei mit „einer Mehrheit der Stimmen" zum neuen Präsidenten der Partei gewählt worden.

Nach Auskunft der Verantwortlichen ist es zu früh, um einen Wahlsieger zu ernennen. Sie sagten, dass eine Neuzählung aller Wahlzettel erforderlich sein könnte. Rund 60 Prozent aller 300.000 stimmberechtigten UMP-Mitglieder waren am Sonntag nach Parteiangaben zur Urne gegangen.

Sie versuchen, das Führungsloch zu füllen, das der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy nach der verlorenen Präsidentschaftswahl und seinem Rückzug aus der Politik im Mai hinterlassen hatte. Es sind die ersten Wahlen an der Spitze der Partei seit ihrer Gründung vor zehn Jahren.

Der künftige Parteichef gilt politischen Analysten zufolge als heißer Anwärter bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich. Das unentschiedene Rennen vom Sonntag aber macht deutlich, wie gespalten die Konservativen intern sind und wie schwer es ihnen offensichtlich fällt, einen klaren Rivalen zum amtierenden sozialistischen Präsidenten François Hollande aufzustellen. Sollte sich kein starker Parteichef herauskristallisieren, könnte die UMP versuchen, Sarkozy an ihre Spitze zurückzuholen. Sarkozy hat vor kurzem eine neue Karriere als hochdotierter Redner eingeschlagen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de