Nokia-Chef Stephen Elop musste sich auf der Hauptversammlung des Unternehmens harte Fragen gefallen lassen. Reuters

HELSINKI – Nokia -Chef Stephen Elop hat am Dienstag vehement die Strategie des finnischen Handyherstellers gegen Kritik der Aktionäre verteidigt. Diese bezweifeln, ob das Unternehmen in der Lage ist, mit globalen Schwergewichten wie Apple oder Samsung Electronics mitzuhalten.

Auf der Hauptversammlung von Nokia sagte Elop, er wolle Marktanteile in den USA zurückerobern und weiterhin auf die Windows-Software von Microsoft für die Lumia-Smartphones setzen. Am Rande der Veranstaltung erklärte Chairman Risto Siilasmaa, man wolle „wieder ein profitables Wachstumsunternehmen werden".

Elop kam 2010 als erster Nicht-Finne auf den Chefsessel bei Nokia. Unter seiner Führung hat Nokia insgesamt einen Verlust von 3,8 Milliarden Euro verbuchen müssen. Der Aktienkurs ist um 60 Prozent gefallen. Der einst weltweit führende Handyhersteller ist hinter Konkurrenten wie Apple, Samsung und andere zurückgefallen.

"Ist Apple noch cool?"

Die Aktionäre stimmten zwar dem Plan zu, die Dividende auszusetzen. Aber ihre Fragen bei dem Treffen zeigten, dass viele von ihnen die Geduld verlieren. Ein Teilnehmer fragte Elop, warum Samsung zehn Mal bessere Ergebnisse als Nokia erzielen können. Ein anderer erklärte, die Finnen würden nicht „Begeisterung und Charisma" versprühen wie Apple.

Elop ging nicht direkt auf den Vergleich zur Unternehmenskultur von Apple ein, lobte aber die Stärke und den Erfolg des Konkurrenten. Er wies jedoch auch auf den deutlichen Verfall des Aktienkurses bei Apple hin und erklärte, das neue iPhone 5 verfüge nur über Verbesserungen im Detail. "Ist Apple noch cool?", fragte Elop rhetorisch.

Bei den nackten Zahlen liegt Apple jedoch deutlich vor Nokia. Im ersten Quartal des Jahres wurden 37,4 Millionen iPhones verkauft, aber nur 5,6 Millionen Lumias.

Einige der Aktionäre, darunter viele Kleinanleger und Rentner, kritisierten die Entscheidung des früheren Microsoft-Managers Elop, sich an das Betriebssystem Windows zu binden, während das Konkurrenzprodukt Android von Google den Markt beherrscht. Das Wachstum von Android könne Nokias Plan untergraben, ein drittes „Ökosystem" für Apps und andere mobile Programme zu schaffen.

Zum Thema Samsung gestand Elop ein, dass die Südkoreaner über mehr Marketingbudget verfügen. Nokia müsse sich daher schlauer anstellen. Aber, so sagte er, die Samsung-Dominanz bei Android „sorgt in diesem Ökosystem für Spannung und möglicherweise eine turbulente Zukunft".

Dividenden-Entscheid trübt die Stimmung

Analysten und Branchenkenner haben Nokia wiederholt für die enge Bindung an Microsoft kritisiert. Diese Vorwürfe wies Elop aber zurück. „Wir haben eine klare Entscheidung getroffen, uns mit unserer Lumia-Linie auf Windows Phone zu konzentrieren. Damit werden wir gegen Konkurrenten wie Samsung und Android antreten.

In China bereitet sich Nokia auf einen Führungswechsel vor. Wegen der unattraktiven Produktpalette sanken dort 2012 die Absätze deutlich. Am Dienstag wurde Russland-Chef Erik Bertman als neuer Verkaufs- und Marketingchef eingesetzt. Er löst Gustavo Eichelmann ab, der aus persönlichen Gründen abtritt.

Zur Lage in China sagte Elop, man verzeichne in den ersten drei Monaten des Jahres bereits ein leichtes Plus gegenüber dem Vorquartal. Es gebe neue Partnerschaften mit Mobilfunkanbietern, und auch die aggressive Kampagne für das Lumia biete Anlass für Optimismus.

Die Entscheidung, 2013 keine Dividende zu zahlen, trübte die Stimmung auf der Hauptversammlung deutlich. Elop versuchte, mit Erfolgsgeschichten zu kontern. Die Umstrukturierung habe die Kosten drastisch gesenkt und sei „wichtig für unsere Zukunft". Das Unternehmen sei aber noch nicht über den Berg.

Die Wende ist den Finnen bereits bei Nokia Siemens Networks gelungen, einem Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens. „Im ersten Quartal 2012 haben wir uns das Ziel gesetzt, NSN in allen Bereichen unabhängig zu machen", sagte Elop- „Im ersten Quartal diesen Jahres haben wir das erreicht".

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