Der Apple-Mitbegründer Steve Jobs war zu seinen Lebzeiten immer für ein griffiges Zitat gut. Einige seiner besten Sprüche sind aber immer noch viel zu unbekannt. "Aus der Wall Street bin ich noch nie schlau geworden", lautete einer seiner Kommentare im Juni 2008. Jobs fasste damit kopfschüttelnd das wilde Auf und Ab der Apple-Papiere zusammen. Die Aktien waren um 40 Prozent gegenüber ihren historischen Höchstständen abgestürzt, nur um danach wieder um sechzig Prozent nach oben zu schnellen.

Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation des neuen iPhone 5. Für die Aktie gibt es noch Luft nach oben. dapd

Laut Jim Cramer vom US-Sender CNBC handelte es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Verkäufer von Apple-Aktien um Investoren mit umfangreichen Kapitalerträgen. Sie versuchten, sozusagen in einem "umgekehrten Januar-Effekt", im neuen Jahr höhere Steuersätze zu vermeiden. Ob das stimmt oder nicht, sei dahingestellt - und Jack merkt an, dass es keine eindeutigen Beweise dafür gibt, dass die Beobachtung richtig ist. Auf jeden Fall sehen die Apple-Aktien nach Jacks Überzeugung bei 509,59 Dollar, und damit um 30 Prozent unter ihrem historischen Hoch, attraktiv aus. Recht hat er: Die Aktien des Unternehmens dürften sich erholen. Denn Apple konzentriert sich wieder auf das, was die Firma am besten kann: Die Herstellung großartiger Geräte, mit denen sich jede Menge Geld verdienen lässt.

Vor dem Verfall hatten viele zugekauft, die auf das schnelle Geld aus waren. "Ich muss jetzt schon einige Seiten nach unten gehen, um an all dem neuen Geld vorbeizukommen, das 2012 in großem Stil in die Aktie investiert wurde", sagt David Rolfe von Wedgewood Partners, dessen Firma mehr als neun Prozent ihres verwalteten Vermögens auf Apple gesetzt hat. Er bezieht sich damit auf die Liste von Anteilseignern, die, geordnet nach der ausgewiesenen Portfolio-Gewichtung, in Edgar erscheint. Edgar ist die die elektronische Datenbank der Eingaben bei der US-Wertpapieraufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission.

Apple-Produkte im Wandel der Zeit

Früher war seine Firma in jedem Quartal ganz weit oben erschienen, wann immer er die Liste aufgerufen hatte. Damit ist es jetzt vorbei, nachdem sich die Gelddisponenten 2012 auf die Aktie gestürzt hatten. Tatsächlich erreichte Wedgewood im September-Quartal nur noch Platz 67, was den prozentualen Anteil der in Apple investierten Fondsbestände angeht.

Auf Platz eins der Edgar-Liste präsentierte sich die in Chicago ansässige Gladius Capital Management. Im September hatte sie 94 Prozent ihres Portfolios in Apple angelegt. Die gesamte, dort ausgewiesene Beteiligung über 17 416 Aktien hatte die Firma im Berichtsquartal erworben. Gladius reagierte nicht auf Kommentaranfragen. Aber nicht nur kleine, unbekannte Geldmanager gieren nach Apple. Auch die global agierende Susquehanna International Group hat in demselben Quartal ihre Bestände um die Hälfte auf 21,4 Prozent der Vermögenswerte der Firma erhöht.

Diese umfangreichen Neuanschaffungen oder die Verdopplung oder Verdreifachung vorheriger Positionen wurden nicht nur von starken Unternehmensergebnissen am Anfang des vergangenen Jahres angetrieben, sondern auch von dem überschäumenden Enthusiasmus, den diese Resultate bei einigen Apple-Optimisten weckten.

Ob Apple denn die erste Firma werden könnte, die eine Billion Dollar erreicht, wurde Hedgefonds-Star David Einhorn Mitte Juli in der CNBC-Sendung "Squawk Box" gefragt. "Das würde ich schon erwarten", gab er zur Antwort. "Das ist das beste große Wachstumsunternehmen, das wir haben, und es wird unter dem Vielfachen des S&P-500-Index gehandelt. Ich denke, das ist außergewöhnlich", sagte Einhorn.

Rolfe von Wedgewood Partners ist der Ansicht, dass viele Fonds Apple übergewichtet hatten und zwar im Besonderen Hedge Fonds, die geringeren Einschränkungen dabei unterliegen, wie stark sie eine Aktie gewichten können. Und dabei hätten sie sich derart den Bauch vollgeschlagen, dass sie beim geringsten Anzeichen von Schwierigkeiten mit wehenden Fahnen den Abgang machten.

Und genau ein solches Signal für möglichen Ärger lieferte Apple dem Markt im Oktober. Die Bruttogewinnmarge könnte im laufenden Quartal zurückgehen, teilte die Firma damals mit. Analysten verwiesen in diesem Zusammenhang auf höhere Anlaufkosten für das iPhone 5 und niedrigere Gewinnspannen für das neu eingeführte iPad mini.

Hatte Einhorn für die Apple-Aktie den Sommer der Liebe eingeläutet, zeigte Bond-König Jeff ihr Gundlach Anfang November die kalte Schulter. Gerade noch einen Wert von 425 Dollar maß er den Titeln zu. Apple-Befürworter unter den Anlegern setzte er mit den Anhängern eines religiösen Kults gleich. Alle seien von der Aktie „besessen", sagte Gundlach damals dem Sender CNBC. "Und jeder hat die Aktie scheinbar, egal auf welche Besprechung ich auch komme."

Rückblick auf fünf Jahre iPhone

Ein "ganz anderes Bild" werde sich wahrscheinlich Mitte Februar abzeichnen, wenn die Fonds die Veränderungen ihrer Beteiligungen für das Dezember-Quartal veröffentlichen, prognostiziert Rolfe. Er geht davon aus, dass viele Manager ihre überdimensionierten Investitionen in Apple zusammengestrichen haben. Dabei spiele es keine Rolle, ob sie aus steuerlichen Gründen verkaufen oder nicht. Mit einigen Verkäufen dürften sich auch flüchtige Investitionen aus dem Wert verabschiedet haben. Und damit könnte das Wesentliche wieder in den Blickpunkt rücken.

Die Bewertung der Aktie ist wenig anspruchsvoll. Apple wird bei gerade einmal mit dem Siebeneinhalbfachen der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr gehandelt, das im September zu Ende geht. Sie liegen bei 49 Dollar je Aktie, wenn man 128 Dollar je Aktie für Barmittel und Anlagen herausrechnet.

Apple dürfte nicht enttäuschen

Und auch die Einschätzungen erscheinen anspruchslos. Im Mittel der Prognosen gehen die Analysten im laufenden Quartal jetzt von Einnahmen über 54,7 Milliarden Dollar aus. Das ist nicht allzu weit von der Marke von 52 Milliarden Dollar entfernt, die Apple am 25. Oktober in Aussicht gestellt hatte. Die Analysten haben damit ihre Vorhersage von 55 Milliarden Dollar zwar leicht nach unten korrigiert, nachdem Apple seine Ergebnisse vorgelegt hatte. Dennoch liegen sie weit über der Schätzung von 44 Milliarden Dollar, die sie vor genau einem Jahr abgegeben hatten.

Apple, Google, Samsung: Wer ist der Tech-König der Börse?

In den Augen von Rolfe wird die Aktie so gehandelt, als ob das Unternehmen seine Einnahmen auf ewig nur um drei oder vier Prozent im Jahr erhöhen würde. Und nicht um die 22 Prozent, die für dieses Jahr veranschlagt werden. Seiner Meinung nach ist die Wahrscheinlichkeit daher gering, dass Apple die Anleger enttäuscht, wenn die Firma im kommenden Monat ihre Ergebnisse präsentiert, sagt Rolfe.

Die Zahlen sind bisher erstklassig. Apple verkaufte fünf Millionen iPhone5-Geräte am ersten Wochenende, an dem das Telefon in den Handel gelangte. Damit brach das Smartphone alle bisherigen iPhone-Rekorde. Am ersten Wochenende, an dem der neue Apparat in China erhältlich war, schlug Apple zwei Millionen los und übertraf auch dort alle Rekorde - selbst ohne einen Deal mit dem größten Mobilfunkanbieter der Welt, China Mobile, abgeschlossen zu haben.

Der Markt scheint langsam zu dem richtigen Schluss zu kommen, dass Apple trotz unglaublicher Konkurrenz letztendlich doch immer Gewinne einfährt. Die Firma verkauft zwar nicht die meisten Mobiltelefone der Welt. Diese Ehre gebührt Samsung Electronics. 005930.SE +0,50% Samsung Electronics Co. Ltd. S. Korea: KRX KRW1.206.000 +6.000 +0,50% 16 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 141.848 KGV 6,28 Marktkapitalisierung 198.793,47 Milliarden KRW Dividendenrendite 0,08% Umsatz/Mitarbeiter N/A Und der Anteil von Apple am Tablet-Markt wird ebenfalls schon von billigeren Alternativen in Mitleidenschaft gezogen. Aber solange Apple Abermillionen von Smartphones und Tablets zu weiterhin vernünftigen Preisen verkauft, kann das Unternehmen den Umsatz und den Gewinn weiter in einem Grad steigern, der sich bisher nicht in seinem Aktienkurs widerspiegelt.

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