Aktualisiert Freitag, 4. Januar 2013, 11:54 Uhr

Der CEO des Monats im Dezember

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Dieter Zetsche
So sehr sich Daimler als globaler Premiumanbieter fühlen mag, so sehr schmerzte der Blick auf die Zulassungszahlen der Konkurrenz in China. Wachstum offenbar ohne Ende – für Audi, BMW, Porsche und Volkswagen. Daimler dagegen nur unter ferner liefen, das passte nicht zum Weltbild des Erfinders des Automobils und zum Ziel von Vorstandschef Dieter Zetsche, bis 2020 wieder die Nr. 1 unter den deutschen Nobelmarken zu werden. Ein eigener Vorstand fürs China-Geschäft soll es jetzt richten. Dazu ein einheitlicher Vertrieb, denn warum importierte und vor Ort montierte Mercedes getrennt im Reich der Mitte vermarktet wurden, war wohl nur Untertürkheimer Insidern verständlich. Der Vertriebsoffensive in China folgt eine Produktoffensive mit neuer S-Klasse und aufgehübschter E-Klasse, die Daimler wieder auf die alte Gewinnspur zurückführen soll. Für Zetsche wäre das ein gutes Argument bei der noch immer offenen Vertragsverlängerung.
Auch Rennsporterfolge würde Zetsche gerne feiern, denn ein Platz 5 bei der Formel-1-Teamwertung passt ebenfalls nicht zum Daimler-Weltbild.  Ändern soll dies ein neuer Mercedes-Sportchef, nachdem Norbert Haug – wie es gerne heißt – einvernehmlich gegangen ist. Die Pole Position im Vatikan bleibt Daimler indes erhalten. Auch das neue Papamobil trägt den Stern. Da ist die Übergabe an den Papst natürlich Chefsache und für Dieter Zetsche ein werbewirksamer Pflichttermin, um den Premiumanspruch zu leben.
dapd

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Martin Winterkorn
In der Zweiklassengesellschaft der Automobilbranche steht der Volkswagen-Konzern und mit ihm Vorstandschef Martin Winterkorn eindeutig auf der Sonnenseite. Existenzängste wie bei Peugeot oder Opel sind hier Fremdworte. 2012 wird es wieder einen neuen Absatzrekord geben, das Unternehmen hat gerade ein Investitionsprogramm von gut 50.000.000.000, sprich 50 Milliarden Euro alleine für die kommenden drei Jahre angeschoben. Das zeigt Winterkorns Vertrauen in die Zukunft der Marke(n). Und den Willen, aber auch die Kraft, in einem schwächelnden Automarkt die Konkurrenz zu überholen und Marktanteile zu gewinnen. Doch bei aller Zuversicht, die warnenden Untertöne werden auch bei Winterkorn lauter. Ein hartes Autojahr 2013 stehe bevor, für die Branche als Ganzes, aber eben auch für Volkswagen, warnte er seine Belegschaft.
Allen harten Marktbedingungen zum Trotz, mit der starken Position in den Megamärkten China und den USA und dem Engagement auf dem Wachstumsmarkt Russland scheint VW gut gerüstet. Gerade in China sind die Türen weiter geöffnet worden. Winterkorn höchstselbst hat die Spannungen mit dem Partner FAW um Patente und Produktion geklärt.  Jetzt soll die Auto-Ehe vorzeitig um 25 Jahre verlängert werden. Denn nur mit dem chinesischen Massenmarkt und wohlgesinnten Partnern vor Ort können die Wolfsburger, wie von Winterkorn als Ziel apostrophiert, 2018 die globale Nummer 1 beim Absatz werden.
dapd

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Heinrich Hiesinger
Der 10. Dezember könnte als der Tag des Neuanfangs bei ThyssenKrupp in die Wirtschaftsgeschichte eingehen – zumindest wird sich Vorstandschef Heinrich Hiesinger eine solche Bewertung wünschen. Und tatsächlich, ein solcher Einschnitt in der Führung eines DAX-Konzerns sucht seinesgleichen. Die Hälfte des Vorstands vor die Tür gesetzt. Dazu eine Schreckensbilanz im wörtlichen Sinne, 5 Milliarden Euro Verlust, noch einmal mehrere Milliarden Abschreibung auf überseeische Stahlwerke, die einst als Neuanfang für das Auslandsgeschäft des Ruhrkonzerns glorifiziert wurden. Außerdem Korruption und Kartellverfahren. Und so massive Kritik am langjährigen Aufsichtsratschef Cromme als Mitverantwortlichem der Krise, dass ihm sein Untergebener Hiesinger mit Vertrauensbekundungen zur Seite stehen musste.
Da braucht es viel Mut, um Licht am Ende des Thyssen-Tunnels zu erkennen. Hiesinger hat diesen Mut, zumal er selbst für Wandel steht. Als Externer ist er von Siemens an die Thyssen-Spitze gekommen. Er ist kein altgedienter Ruhrbaron, was für einen starken Kontrast zu seinem Vorgänger Ekkehard Schulz sorgt. Allerdings, dass ein Kulturwandel in einem Großunternehmen nicht per Akklamation durch den Vorstandschef sofort, vollständig und vor allem rückwirkend Realität wird, wird Hiesinger bewusst sein. Wenn nicht, kann die Deutsche Bank sicher gerne helfen.
Tim Schulz/dapd

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Rene Obermann
Es ist ein gewaltiger Anlauf, den Rene Obermann für seinen Absprung als Telekom-Chef nimmt. Ein ganzes Jahr will er noch an der Spitze eines der größten DAX-Konzerne stehen, bevor er geht. Wohlmeinende nennen dies die frühzeitige Weichenstellung eines Strategen, damit die Überraschung seines Abgangs nicht zu Verwerfungen im Unternehmen und beim Aktienkurs führt. Zumal mit Timotheus Höttges ein langjähriger Wegbegleiter ihm nachfolgt. Doch die Kehrseite ist, dass Obermann zur „lame duck" geworden ist, wie es bei scheidenden US-Präsidenten gerne heißt. Und er hat aus eigenem Entschluss einen Vertrag beendet (oder gebrochen), der gerade erst ein Jahr gilt und noch vier weitere Jahre laufen sollte. Das sind Sitten, wie wir sie eher aus dem Profifußball kennen.
Der 49-jährige Manager hat in seinen sechs CEO-Jahren die Telekom durchaus vorangebracht. Die Kundennähe, die er seit seiner Zeit als Gründer eines kleinen Telekomunternehmens intus hatte, hat er der Telekom zumindest nähergebracht. Auch bei seinen beiden anderen Lieblingsthemen Produktentwicklung und Technik hat er die Telekom geprägt – zuletzt mit massiven Investitionsplänen für die neue, noch mobilere Netzwelt. Er wird aber auch als der Mann in Erinnerung bleiben, der in seiner Amtszeit per Saldo null Kursgewinn für die Aktionäre herausgeholt hat. Und der die Dividende kappte, die für viele Altaktionäre die letzte kleine Entschädigung für ihre massiven Verluste seit den goldenen T-Aktien-Zeiten mit Kursen jenseits der 100 Euro war.
Angesichts eines zwölfmonatigen Haltbarkeitsdatums wird der (Ober)Mann auf dem Absprung ab sofort mit der Frage leben müssen, ob er nicht doch schon früher geht. Wenn die Weichen tatsächlich gestellt sind, wird er dann noch gebraucht?
dapd

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Jürgen Fitschen
Als Queen Elisabeth II einst vom Annus horribilis sprach, wird Jürgen Fitschen nicht im Traum daran gedacht haben, dass er einmal eine ähnliche Schreckenszeit erleben wird. Allerdings noch geballter. Denn der Dezember 2012 wird als Mensis horribilis in die Geschichte der Deutschen Bank eingehen. In nicht einmal zwei Wochen wurde der Aufbruch und Wandel, den sich die größte deutsche Bank verordnet hatte, ad adsurdum geführt. Durch Skandale, Durchsuchungen, Peinlichkeiten, Niederlagen. Und im Zentrum steht Jürgen Fitschen, auf den die öffentliche Kritik niederprasselt. Er, der eigentlich das Symbol der – deutschen – Bodenständigkeit in der seit Juni amtierenden Doppelspitze mit Anshu Jain sein sollte. Nun ist er zum Sinnbild des ungeliebten Bankers mutiert. Und des uneinsichtigen Machtmenschen, dessen fehlende Feinfühligkeit beim Telefonieren (mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier) ihn auf eine Stufe mit Ex-Bundespräsident Christian Wulff gehoben hat.
Dass sich bei ihm die vielen Probleme der Deutschen Bank vereinen, inklusive der Altlasten aus den Zeiten von Josef Ackermann und Rolf Breuer, muss Jürgen Fitschen, der mit 64 Jahren eigentlich auf dem Höhepunkt, aber auch der Zielgerade seiner Karriere steht, besonders schmerzen.
Immerhin, in Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Fitschen noch einen Fürsprecher, der ihm weiter das volle Vertrauen entgegenbringt. Und der der Bank den notwendigen Aufklärungswillen bescheinigt. Diese Botschaft tat Fitschen (und sicher auch Jain) gut. Und ihre Botschaft an die Mitarbeiter zu Weihnachten haben die Beiden genutzt, auch diese (noch einmal) auf die „neue" Deutsche Bank einzuschwören. Verbunden mit der Erkenntnis, dass der angestrebte Wandel „nicht leicht ist und Zeit benötigen wird". Daraus spricht die leidvolle Erfahrung der unheilvollen Dezember-Wochen.
Associated Press