Der französische Schauspieler Gérard Depardieu ist seit heute auch ein Russe. Präsident Wladimir Putin verlieht seinem "Freund" am Donnerstag offiziell die Staatsbürgerschaft. dapd

MOSKAU—Gérard Depardieu darf sich nun offiziell als Russe bezeichnen. Wie der Kreml am Donnerstag mitteilte, hat Präsident Wladimir Putin dem Franzosen die russische Staatsbürgerschaft verliehen. Der bekannte Schauspieler streitet seit Monaten mit der französischen Regierung über Steuerzahlungen.

In einer Mitteilung, die auf der Internetseite der russischen Regierung veröffentlicht wurde, heißt es, Putin habe einen entsprechenden Erlass unterzeichnet, nachdem „ein Antrag auf Staatsangehörigkeit in der Russischen Föderation" durch „Depardieu Gérard Xavier, geboren in Frankreich in 1948" eingegangen sei.

Ein Sprecher des Schauspielers wollte sich kurzfristig nicht zu den Vorgängen äußern. Putins Sprecher Dmitry Peskov erklärte, Depardieu habe einen Antrag auf Staatsangehörigkeit gestellt, und man habe diesen wegen der „kulturellen Einflüsse" des Darstellers und „seiner bedeutenden Rolle in Filmen über die russische Geschichte und über historische Figuren" bewilligt. 2011 hatte der Franzose in einem Film für das französische Fernsehen die Figur des kontrovers diskutierten aber sehr einflussreichen russischen Wahrsagers Grigori Rasputin gespielt.

Keine Steuerwillkür

Bereits im Dezember hatte Putin dem 64-jährigen Schauspieler – den er als „Freund" bezeichnete – öffentlich die Staatsbürgerschaft angeboten, wenn er sich darum bewerben sollte. Vorausgegangen war ein Bericht in der französischen Tageszeitung Le Monte, wonach der Darsteller Freunden erzählt haben sollte, er würde darüber nachdenken, nach Belgien, Montenegro oder Russland auszuwandern. Der Grund: Er wolle sich nicht länger der Steuerwillkür der französischen Regierung unterwerfen.

„Sollte Gérard tatsächlich eine Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass haben wollen, werden wir dafür sorgen, dass er dies auch bekommt", sagte Putin während seiner jährlichen Pressekonferenz am 20. Dezember, die im Fernsehen übertragen wurde.

Depardieu ist unter anderem bekannt für Filme wie „Green Card" und „1492: Conquest of Paradise". Auch in Asterix-Filmen hatte er als Obelix ein Millionen-Publikum begeistert. Der Darsteller hatte im vergangenen Monat erklärt, er würde seinen französischen Pass abgeben und auf seine Sozialversicherung verzichten. Zuvor hatte die Regierung in Paris angekündigt, im Rahmen des Sparpaketes den Spitzensteuersatz auf 75 Prozent zu erhöhen. In Russland liegt die pauschale Einkommenssteuer bei 13 Prozent.

145 Millionen Euro an Steuern gezahlt

Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault bezeichnete Depardieus Entscheidung als „pathetisch". Daraufhin verteidigte der Darsteller seine Schritte in einem offenen Brief, der in einer französischen Wochenzeitung abgedruckt wurde. Er erklärte, er habe in 45 Jahren 145 Millionen Euro an Steuern gezahlt. „Ich habe keinen Grund, mich zu beschweren. Aber ich verdiene es nicht, als pathetisch bezeichnet zu werden", schrieb Depardieu.

Ende Dezember entschied das französische Verfassungsgericht, dass der Gesetzentwurf zur Reichensteuer illegal sei, da nur Individuen, die mehr als eine Million Euro verdienen, betroffen seien, Haushalte jedoch außen vor blieben. Die Richter erklärten, die Maßnahmen würden nur 1.500 Personen betreffen. Haushalte, in denen beide Partner knapp unter einer Millionen verdienten, seien nicht abgedeckt und müssten die Steuer nicht zahlen.

Im Anschluss an die Gerichtsentscheidung am 29. Dezember sagte Depardieu der französischen Tageszeitung Le Parisien: „Das ändert gar nichts."

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