Im Skandal um angebliche Insider-Aktiengeschäfte eines früheren Spitzenmitarbeiters des Promi-Investors Warren Buffett hat die amerikanische Marktaufsicht SEC alle Ermittlungen eingestellt. Weitere Schritte gegen David Sokol, einen Ex-Manager in Buffetts Anlagekonzern Berkshire Hathaway, BRKB +0,84% Berkshire Hathaway Inc. Cl B U.S.: NYSE $137,25 +1,14 +0,84% 29 Aug. 2014 16:04 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,73 Mio. NACHBÖRSLICH $137,28 +0,03 +0,02% 29 Aug. 2014 18:18 Volumen (​15 Min. verzögert) : 170.303 KGV 16,01 Marktkapitalisierung 338,21 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 625.182 $ würden nicht erfolgen, teilte sein Anwalt am Donnerstag mit.

David Sokol, geschmähter Ex-Mitarbeiter von Starinvestor Warren Buffett, entgeht einer Strafe für mutmaßlichen Insider-Aktienhandel. dapd

Sokol galt als möglicher Nachfolger von Großinvestor Warren Buffett im Konzern. Doch dann kam Anfang 2011 ans Licht, dass er Buffett ein Chemieunternehmen zum Kauf empohlen hatte, in das er selbst zuvor Millionen von Dollar investiert hatte. Wegen des Skandals hatte Sokol abrupt gekündigt und Buffetts Ruf erheblich angekratzt. Fragen wurden laut nach den internen Kontrollen bei Berkshire Hathaway und nach Buffetts Nachfolgeplänen.

Der Beschluss der US-Marktaufsicht, das Verfahren fallen zu lassen, wischt nun einige Zweifel an Sokols Verhalten vom Tisch. „Es gab eine gründliche Rechtsuntersuchung und Faktenprüfung und die SEC ist zu dem Schluss gekommen, an dem wir auch stets festgehalten haben, nämlich, dass David Sokol niemals etwas falsch gemacht hat", sagte Sokols Anwalt Barry Levine. Ein Sprecher der SEC lehnte einen Kommentar ab.

In dem Verfahren ging es um Sokols Kauf von Aktien des Konzerns Lubrizol. Der Buffett-Manager hatte rund zehn Millionen Dollar in die Papiere gesteckt. Später kaufte Berkshire das Unternehmen auf, was den Wert des Aktienpakets um drei Millionen Dollar erhöhte.

Sokol hatte erstmals im Dezember 2010 und dann erneut im Januar 2011 Lubrizol-Aktien gekauft. Zuvor hatte er mit Investmentbankern über das Unternehmen gesprochen. Später empfahl er Buffett die Firma zum Kauf, und der kündigte zwei Monate später – im März – tatsächlich an, er werde Lubrizol für 9 Milliarden Dollar übernehmen.

Die Einzelheiten der Übernahme, die später ans Licht kamen, gerieten für Buffett zu einer Riesenpeinlichkeit. Nicht nur, weil dem Großinvestor eigentlich ein gutes Händchen bei der Auswahl charakterstarker Mitarbeiter nachgesagt wird, sondern auch, weil ihm selbst die Hintergründe augenscheinlich völlig unbekannt waren.

Star-Investor Warren Buffett: der Mann, der aus der Reihe tanzt

Buffett und Sokol hatten zehn Jahre lang eng zusammengearbeitet. Als Sokol im März 2011 kündigte, lobte ihn Buffett noch für seinen „außergewöhnlichen" Beitrag zum Erfolg des Konzerns und sagte, die Aktiengeschäfte seien sicher in keiner Weise unrechtmäßig erfolgt.

Schon wenige Wochen später, nachdem die Anleger die Affäre zunehmend hinterfragten, schlug Buffett einen anderen Ton an. Bei der Jahreshauptversammlung sagte er, dass die Aktienkäufe seines Mitarbeiters „nicht zu erklären" und „nicht zu entschuldigen" gewesen seien und dass Sokol die konzerneigenen Richtlinien gegen Insiderhandel sowie den Ethikkodex verletzt habe. Sokol habe ihm den Eindruck vermittelt, dass er die Lubrizol-Aktien schon lange besitze und nicht erst gerade bei dem Unternehmen eingestiegen sei, sagte Buffett.

"Sehr belastendes Beweismaterial"

Der Prüfungsausschuss des Berkshire-Aufsichtsrates kam im Jahr 2011 zu dem Schluss, dass Sokol seinen Chef über Lubrizol in die Irre geführt habe. Kurz nach dessen Kündigung nahm die Marktaufsicht SEC die Ermittlungen auf. Damals hatte Buffett erklärt, sein Unternehmen habe den Fahndern „sehr belastendes Beweismaterial" ausgehändigt.

Sokol selbst hat stets behauptet, er habe sich nicht falsch verhalten. Sein Anwalt betonte am Donnerstag erneut, dass Sokol die internen Richtlinien des Konzerns nie gebrochen habe. Warren Buffett meldete sich auf die Bitte nach einem Kommentar am Donnerstag nicht zurück.

Sokol ließ durch seinen Anwalt mitteilen, er lehne eine Stellungnahme ab. Seit dem Skandal hält er sich weitgehend aus dem Rampenlicht zurück und kümmert sich vornehmlich um sein Privatvermögen.

Milliardär Buffett, inzwischen 82 Jahre alt, der seit fast einem halben Jahrhundert den Konzern Berkshire Hathaway lenkt, hat nach eigenem Bekunden inzwischen einen möglichen Nachfolger für sich selbst ausgemacht. Dieser sei aber nur einer von mehreren Kandidaten. Sokol sei übrigens ohnehin nie sein Top-Favorit gewesen.

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