Das Jahr hat für die Börsen gut angefangen. Mit einem Kursfeuerwerk haben die Anleger die späte Einigung im Haushaltsstreit in den USA begrüßt. Ob dies der Auftakt zu einem goldenen Börsenjanuar war, bleibt abzuwarten. Zwar hat Washington die Fiskalklippe zunächst erfolgreich umschifft. Mit den zu erwartenden schwierigen Verhandlungen zur Anhebung der Schuldenobergrenze im Februar zeichnet sich aber bereits die nächste Klippe ab. Die Unsicherheit an den Märkten bleibt erhalten.

Historisch betrachtet ist der Januar ein guter Monat für die Börsen. Wie Daten der Deutschen Bank zeigen, hat der S&P-500 seit 1928 im Januar im Schnitt um 1,73 Prozent zulegt und ist damit der beste Börsenmonat des gesamten Jahres. Kein Wunder, dass in Fachkreisen vom sogenannten "Januareffekt" die Rede ist. Dieses Jahr könnte es etwas schwieriger werden.

Nicht nur müssen sich die Kongress-Abgeordneten auf Ausgabenkürzungen einigen. Die Entscheidung hierüber wurde um zwei Monate hinausgeschoben - sonst hätte es überhaupt keine Einigung im Fiskalstreit zwischen Demokraten und Republikanern gegeben. Auch muss die zum Jahresbeginn erreichte Schuldenobergenze von 16,4 Billionen Dollar angehoben werden. Sonst können die USA schon bald keine neuen Schulden mehr aufnehmen und ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Nach der Demütigung der Republikaner im Haushaltsstreit - erstmalig seit mehr als zwei Dekaden stimmten sie widerwillig Steuererhöhungen zu - werden sie den Demokraten die anstehenden Verhandlungen nicht leicht machen. Die Börsianer wird das nicht größer beunruhigen; sie stellen sich auch dieses Mal auf eine Einigung in letzter Sekunde ein. Mit großem Druck auf die Finanzmärkte ist also zunächst nicht zu rechnen, aber auch nach oben dürfte das Potenzial begrenzt sein.

Gute Aussichten für den US-Dollar

Kurzfristig hat da die US-Notenbank eher das Zeug, das Gemüt der Investoren zu bewegen. In ihrem jüngsten Protokoll haben sich die Währungshüter überraschend "hawkish", also geldpolitisch straffer, gezeigt. Gleich mehrere Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen, den Kauf von Staatsanleihen noch in diesem Jahr einzustellen. Eine mögliche Eindämmung der Liquiditätsschwemme wäre für die Aktienmärkte grundsätzlich keine gute Nachricht. Die Commerzbank spricht von einem "bitteren Signal" für die Börsen.

Gewinner eines Richtungswechsels der US-Notenbank wäre der Dollar. Die massive Ausweitung der Geldmenge und die damit verbundene Verwässerung stellte in den vergangenen Jahren eine schwere Hypothek für den Greenback dar. Insbesondere zum Euro hätte der Dollar Aufwärtspotenzial - ein Fall des Euro unter die psychologisch wichtige Marke von 1,30 zeichnet sich bereits jetzt ab. Auslöser hierfür könnte die EZB-Sitzung am kommenden Donnerstag sein.

Wenn auch die meisten Beobachter nicht davon ausgehen, so ist doch nicht auszuschließen, dass die Währungshüter in Frankfurt den Leitzins von derzeit 0,75 Prozent absenken werden. Vermutlich werden sie das aber nicht tun. EZB-Präsident Mario Draghi ist weniger über das aktuelle Zinsniveau besorgt, als vielmehr darüber, dass dieses bislang nicht in der Peripherie der Eurozone ankommt. So notieren spanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit noch immer rund 350 Basispunkte über den entsprechenden deutschen Titeln.

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