Die Ära der E-Reader hat gerade erst begonnen – und könnte schon bald wieder vorbei sein. Reine E-Book-Reader waren in den vergangenen Jahren angesagte Geräte. Doch die fallenden Preise und kleineren Größen bei vielseitig einsetzbaren Tablets werfen Fragen nach dem Schicksal reiner E-Reader wie dem Nook von Barnes & Noble BKS +0,80% Barnes & Noble Inc. U.S.: NYSE $23,86 +0,19 +0,80% 29 Aug. 2014 16:03 Volumen (​15 Min. verzögert) : 536.646 NACHBÖRSLICH $23,86 0,00 % 29 Aug. 2014 16:23 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2.363 KGV N/A Marktkapitalisierung 1,43 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 155.643 $ auf, das vor allem in den USA populär ist.

Die Marktforscher von IDC schätzten kürzlich, dass auf dem globalen E-Reader-Markt vergangenes Jahr 19,9 Millionen Geräte verkauft wurden – 28 Prozent weniger als die 27,7 Millionen verkauften Geräte im Vorjahr 2011. Für den globalen Tablet-Markt, auf dem sich Geräte wie das iPad tummeln, schätzt IDC den Absatz auf 122,3 Millionen Geräte.

Die Analysefirma IGH iSuppli kommt zwar auf andere Zahlen, sieht aber denselben Trend. Die Marktforscher schätzen, dass die Verkaufszahlen der reinen E-Book-Reader im Jahr 2011 ihren Höhepunkt erreichten. Sie gehen von 14,9 Millionen verkauften Geräten 2012 aus – 36 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Für 2015 prognostiziert das Unternehmen, dass weltweit nur noch 7,8 Millionen reine E-Reader verkauft werden.

E-Reader-Nutzer brauchen keine neuen Geräte

Ein Problem für die Hersteller: Diejenigen, die bereits einen E-Reader besitzen, sehen häufig keinen dringenden Grund dafür, einen neueren zu kaufen. Die E-Reader-Besitzerin Julie Curtis beispielsweise sagt, dass sie ihr zwei Jahre altes Kindle liebt. „Es funktioniert super, ich habe wirklich keinen Grund, ein neues zu kaufen", erklärt sie. „Wenn ich jemals updaten sollte, dann wahrscheinlich zu einem Tablet wie dem Kindle Fire."

E-Reader wirkten revolutionär, als sie 2007 auf den Markt kamen. Sie erlaubten den Nutzern erstmals, hunderte von Büchern auf einem Gerät zu speichern und zu lesen, das leichter war als die meisten Hardcover-Bücher und deutlich weniger Platz benötigte. Außerdem kosteten die digitalen Bücher etwas weniger – vor allem in den USA.

Der E-Book-Reader Kindle Paperwhite von Amazon. dapd

In der Zwischenzeit sind die E-Reader immer besser geworden. Die Geräte sehen schicker aus, sind einfacher zu lesen, sie wiegen weniger, die Seiten lassen sich schneller umblättern und sie können noch mehr Bücher speichern. Die WLAN-Fähigkeit der Geräte lässt die Nutzer Romane, Magazine und Zeitungen unabhängig von Zeit und Ort herunterladen. Außerdem erlauben es neuere Geräte, Bücher auch in der Dunkelheit zu lesen.

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„Die echte Innovation der E-Reader ist, dass sie den Kunden auf bequeme Weise erlauben, Bücher drahtlos zu kaufen – ohne den PC auch nur anschalten zu müssen", sagt Sarah Rotman Epps, Analystin bei Forrester Research. „Den Konsumenten ein digitales Schaufenster in die Hand zu geben, ist das, was das E-Reader-Phänomen wirklich ausmacht."

Verbesserte Technik

Doch die Geschmäcker haben sich ebenso weiterentwickelt wie die Technik. Die Nutzer lesen immer noch – doch es wird immer wahrscheinlicher, dass sie das auf einem Tablet und nicht mehr einem reinen E-Book-Reader tun, so eine aktuelle Studie des Pew Research Center. Dem US-Umfrageinstitut gaben 23 Prozent der befragten Amerikaner an, dass sie im vergangenen Jahr E-Books gelesen haben. 2011 waren es nur 16 Prozent.

Die immer günstigeren Tablet-Computer wie iPad und Co. können nicht nur als E-Book-Reader, sondern auch als Webbrowser, Spielekonsole und Kamera verwendet werden. „Für die meisten Verbraucher ist ein vielseitig verwendbares Tablet besser geeignet, insbesondere angesichts des inzwischen günstigen Einstiegspreises", sagt Tom Mainelli, der bei IDC für die Tablet-Marktforschung zuständig ist. „Möglicherweise werden E-Reader zu einem Nischenprodukt."

Video auf WSJ.com

Der Trend weg von den E-Readern ist teilweise durch die geringen Fähigkeiten der Geräte bedingt. Auf den langsamen Schwarzweiß-Bildschirmen macht das Surfen im Internet keinen großen Spaß. Tablets wie Apples iPad, Amazons Kindle Fire und andere Geräte, die Googles Android-Betriebssystem nutzen, besitzen Farbbildschirme und ermöglichen vollen Zugriff auf das Web.

Preisunterschiede geringer

Bei vielen Tablets ist der Preisunterschied zu einem E-Reader geringer geworden, was sie für Kunden attraktiver macht. Google GOOG +0,42% Google Inc. Cl C U.S.: Nasdaq $571,60 +2,40 +0,42% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,02 Mio. NACHBÖRSLICH $572,97 +1,37 +0,24% 29 Aug. 2014 19:54 Volumen (​15 Min. verzögert) : 60.905 KGV N/A Marktkapitalisierung 390,26 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 1.321.030 $ zum Beispiel verkauft die Basisversion seines Nexus 7 in Deutschland für 200 Euro, Amazons Kindle Fire gibt es hierzulande schon ab 159 Euro. Das ist günstiger als der teuerste reine E-Reader aus der Kindle-Reihe. Seit das iPad mini auf den Markt gekommen ist, liegt der Einstiegspreis für ein Apple-Tablet bei 329 Euro statt zuvor bei 399 Euro für das zwei Jahre alte iPad 2.

Nicht alle Tablets werden von den Kunden angenommen. Daten weisen darauf hin, dass die Tablets mit Microsofts Windows 8 keinen guten Start erlebt haben. Vom 21. Oktober bis zum 8. Dezember wurden 13 Prozent weniger Notebooks und Tablets mit Windows verkauft als 2011, so die NPD Group. Den Marktforschern zufolge waren die verzeichneten Tablet-Verkäufe mit Windows 8 marginal. Allerdings flossen die Verkäufe von Microsofts eigenem Surface-Tablet nicht in die Beobachtung ein.

Am Donnerstag sagte Barnes & Noble, dass die Verkäufe der Nook-Sparte – die sowohl Tablets und E-Reader als auch digitale Inhalte und Zubehör beinhaltet – im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gefallen sind. Das Unternehmen enthüllte keine Absatzzahlen der einzelnen Geräte. Barnes & Nobles reagierte nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme, Amazon wollte sich nicht äußern.

Wo E-Book-Reader noch Vorteile haben

Trotz des Trends zu Tablets können sie E-Readern noch nicht in jeder Hinsicht das Wasser reichen. E-Reader sind meist leichter als Tablets, und ihr andersartiger Bildschirm lässt den Akku deutlich länger durchhalten. Laut Barnes & Noble hält der einfache E-Reader Simple Touch aus der Nook-Serie bis zu zwei Monate mit einer Akkuladung durch, während der Nutzer auf dem Nook HD-Tablet rund zehn Stunden lesen kann.

Außerdem gab es einige große Verbesserungen bei E-Readern wie eine Touchscreen-Steuerung und aktiv beleuchtete Bildschirme. „E-Reader sind heute deutlich besser als noch vor zwei Jahren", sagt Avi Greengart, Analyst bei Current Analysis.

Außerdem sind die Preise für die Geräte stark gefallen. Das günstigste Kindle von Amazon gibt es in Deutschland mit eingeblendeter Werbung ab 79 Euro, in den USA kostet es sogar nur 69 Dollar (52 Euro).

Mitarbeit: Shira Ovide

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