SEOUL—Bekannt ist Südkorea vor allem für winzige Chips, mittelgroße Autos und riesige Schiffe. 2012 war das wichtigste Exportgut des Landes jedoch Treibstoff. Südkorea exportierte 56,2 Milliarden Dollar an Mineralölerzeugnissen, zeigen vorläufige Regierungsdaten. Grund dafür sind steigende Energiepreise sowie die wachsende Produktion der Raffinerien des Landes, zu denen drei der zehn größten Raffinerien der Welt zählen.

Kaum jemand würde je vom „Energieland Südkorea" sprechen: Das Land hat kaum eigene Quellen für fossile Brennstoffe, und in den vergangenen Jahren hat die Regierung wiederholt für den Ernstfall geprobt, dass das Stromnetz ausfällt. Während extrem heißer und kalter Wetterperioden fällt es dem Land oft schwer, genug Energie zu beschaffen.

Doch während des vergangenen Jahrzehnts ist Südkorea zum sechstgrößten Ölverarbeiter der Welt geworden. Südkoreanische Energiekonzerne haben riesige, hochmoderne Raffinerien gebaut, die die strengen Vorschriften von Abnehmern in Europa und Kalifornien erfüllen. Die geographische Nähe zu China hilft dabei, an Rohöl zu kommen.

10 Prozent der Exporte sind Mineralölprodukte

Mineralölprodukte machten 2012 zehn Prozent der Exporte aus Südkorea aus, die insgesamt 548 Milliarden Dollar betrugen. An zweiter Stelle lagen Halbleiter mit 50,4 Milliarden Dollar und Maschinenprodukte wie Industriewerkzeuge mit 48 Milliarden Dollar.

Die exportierten Mineralölprodukte waren 2012 78 Prozent mehr Wert als 2010, als lediglich Produkte im Wert von 31,5 Milliarden Dollar exportiert wurden. Das hilft Südkorea darüber hinweg, dass zwei andere Produkte, die die Wirtschaft lange Zeit gestützt hatten, an Bedeutung verlieren: Schiffe und Handys.

Schiffsexporte schrumpften vergangenes Jahr um 29 Prozent auf 39,7 Milliarden Dollar, als die Hersteller endlich die Folgen der Wirtschaftskrise von 2008 zu spüren bekamen. Während der Krise wurden weniger Güter verschifft, wodurch auch weniger neue Schiffe bestellt wurden. Bis 2011 arbeiteten die südkoreanischen Hersteller noch aufgestaute Bestellungen ab.

Handyproduktion wird nach China und Vietnam verlagert

Handyexporte schrumpften um 17 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar, da viele Hersteller ihre Produktion nach China und Vietnam verlagert haben.

Insgesamt sind die Exporte aus Südkorea 2012 um ein Prozent geschrumpft. Der Erfolg mit Mineralölprodukten und Petrochemikalien konnte die Probleme der Schiff- und Elektronikexporteure größtenteils aufwiegen. Die Exporte von Halbleitern stagnierten, die von LCD-Bildschirmen und Computern schrumpften ebenfalls.

„Es deutet auf eine heranreifende Volkswirtschaft hin, wenn verschiedene Wirtschaftsbereiche zur Wettbewerbsfähigkeit beitragen können", sagt Huh Chan-guk, Ökonom an der Chungnam University in Daejeon.

Heimische Industrie wurde durch Zölle geschützt

Die Geschichte der südkoreanischen Raffinerien ähnelt der Entwicklung anderer Exportindustrien des Landes. Jedes Mal schützte die Regierung die heimischen Unternehmen vor der Konkurrenz aus dem Ausland und forderte koreanische Firmen dann dazu auf, mithilfe ihrer Gewinne zu expandieren und mehr zu produzieren, als der Heimatmarkt abnehmen konnte. Der Überschuss sollte dann im Ausland verkauft werden.

Für Raffinerien setzte diese Entwicklung erst Ende der Neunzigerjahre ein, deutlich später als bei Elektronik-, Automobil- und Stahlherstellern. Heute betreibt SK Innovation, 096770.SE +2,43% SK Innovation Co. Ltd. S. Korea: KRX KRW92.900 +2.200 +2,43% 17 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 381.282 KGV 33,99 Marktkapitalisierung 8.423,61 Milliarden KRW Dividendenrendite 3,44% Umsatz/Mitarbeiter 29.131.800.000 KRW der größte Energiekonzern des Landes, die drittgrößte Raffinerie der Welt. GS Caltex und S-Oil Corp. 010950.SE +1,75% S-Oil Corp. S. Korea: KRX KRW46.500 +800 +1,75% 17 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 371.673 KGV 20,96 Marktkapitalisierung 5.178,81 Milliarden KRW Dividendenrendite 0,65% Umsatz/Mitarbeiter 11.937.200.000 KRW betreiben ebenfalls Raffinerien, die zu den zehn größten der Welt gehören.

„Es gibt in Südkorea einen stabilen heimischen Markt, wodurch diese Firmen mit stabilen Gewinnen rechnen können. Daher investieren sie ihre Gewinne wieder und konnten so größere und bessere Anlagen bauen als andere Länder", sagt Kim Hyun-gun, ein Ökonom an der Daegu University, der früher als Energieforscher für die Regierung arbeitete.

—Mitarbeit: Min Sun Lee

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