Italien kämpft mit einer der höchsten Steuerhinterziehungsquote aller Industrieländer. Zudem ächzt das südeuropäische Land unter einer 2 Billionen Euro schweren Schuldenlast. Jetzt hat die italienische Regierung fragwürdigen Offshore-Investments den Kampf angesagt. Die Aktion ist Teil einer beispiellosen Offensive, um mit neuen Steuerquellen Geld in die klamme Staatskasse zu spülen.

Schönes Italien - für die Steuersünder des Landes ist das Dolce Vita vielleicht bald vorbei. Die Finanzpolizei jagt nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Unternehmen. dapd

Die italienische Regierung hat bereits eine neue Grundsteuer eingeführt und die Umsatzsteuer angehoben, um die klaffenden Haushaltslöcher zu stopfen. Eine weitere Einkommensquelle steht dem Staat eigentlich sowieso zu: Pro Jahr gehen Rom geschätzt 120 Milliarden Euro an Steuergeldern verloren. Erste Maßnahmen zur Bekämpfung der Hinterziehung hat die Regierung bereits eingeführt. So können Barzahlungen nur noch in Höhe von bis zu 1.000 Euro vorgenommen werden, damit unversteuertes Geld nicht im Wirtschaftskreislauf herumgeistert, ohne eine Spur zu hinterlassen. Außerdem im Visier: Käufer von Luxusjachten, die bei ihrer Steuererklärung nur ein geringes Einkommen angeben.

Doch nicht nur Einzelpersonen werden gejagt. Im Fokus der italienischen Steuerfahnder stehen auch Unternehmen. Solche, die im Verdacht stehen, entweder ihren Gewinn im Ausland anzugeben oder Gelder dorthin zu verlagern, um Steuerzahlungen in Italien zu vermeiden. Im vergangenen Jahr konnte der italienische Staat 600 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen verbuchen, nachdem die Strafverfolger zwei Steuerhinterziehungsfälle aufgedeckt hatten. Das Schwarzgeld war in der Schweiz gelagert worden.

Google, GOOG -0,32% Google Inc. Cl C U.S.: Nasdaq $569,20 -1,80 -0,32% 28 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,28 Mio. NACHBÖRSLICH $570,40 +1,20 +0,21% 28 Aug. 2014 18:46 Volumen (​15 Min. verzögert) : 13.309 KGV N/A Marktkapitalisierung 390,28 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 1.321.030 $ Luxottica, LUX.MI +0,10% Luxottica Group S.p.A. Italy: Milan 40,05 +0,04 +0,10% 28 Aug. 2014 17:38 Volumen (​15 Min. verzögert) : 797.622 KGV 33,94 Marktkapitalisierung 19,23 Milliarden € Dividendenrendite 1,62% Umsatz/Mitarbeiter 99.887 € Dolce & Gabbana: Rom will die großen Fische

In jüngster Zeit fallen immer wieder illustre und große Namen, wenn es um Steuernachzahlungen geht. Die Steuerfahnder haben unter anderem die Bücher bei Google, beim weltgrößten Brillenhersteller Luxottica sowie bei Domenico Dolce und Stefano Gabbana, Gründer des Modekonzerns Dole & Gabbana, überprüft. Die beiden Modemacher werden angeklagt, sie hätten ihre zwei Hauptlabel an eine Holding mit Sitz in Luxemburg verkauft, um die Zahlung von Steuern in Italien zu vermeiden. Beide Männer weisen die Anschuldigung von sich.

Für landesweites Aufsehen sorgen auch die Untersuchungen gegen vier Manager sowie neun Mitglieder des Marzotto-Clans, eine Textilfertigungs-Dynastie aus Norditalien. Sie haben das Modehaus Valentino im Jahr 2007 über eine Luxemburger Holding verkauft. Damit sollen sie die Zahlung von 65 Millionen Euro Einkommensteuer in Italien umgangen haben.

Im sogenannten Valentino-Fall sagen die Strafverfolger, die Steuern seien in Italien fällig gewesen, da der Verkauf dort geplant und besiegelt wurde.

Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft konfiszierten die Steuerfahnder im November ein historisches Anwesen aus dem 18. Jahrhundert, eine luxuriöses Chalet in den Alpen, Wohnungen und Grundstücke im Wert von 65 Millionen Euro. Alle Immobilien gehörten den 13 von der Untersuchung betroffenen Personen.

Die Familienmitglieder und die Manager sind bislang noch nicht angeklagt worden. Die Steuern seien legitim in Luxemburg bezahlt worden, sagen ihre Anwälte. Dort habe die Holding, unter deren Dach die Beteiligung angesiedelt gewesen sei, ihren Sitz.

„Ich und die anderen Beteiligten haben immer im legalen Rahmen gehandelt", sagt Matteo Marzotto, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Der Verkauf der Valentino Fashion Group an die Private-Equity-Firma Permira sei der italienischen Börsenaufsicht und den Medien gemeldet worden, ohne irgendwelche Details verschleiern zu wollen.

Italien ist nicht das einzige Land in Europa, in der die Regierung ein genaues Auge auf Tochtergesellschaften im Ausland hat. Oftmals gründen Unternehmen diese Niederlassungen, um Steuern zu sparen. Das britische Parlament ließ im vergangenen Jahr zum Beispiel die Nutzung ausländischer Gesellschaften von Nissan Motor, 7201.TO -0,54% Nissan Motor Co. Ltd. Japan: Tokyo ¥1.009 -6 -0,54% 28 Aug. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 6,73 Mio. KGV 10,09 Marktkapitalisierung 4.586,27 Milliarden ¥ Dividendenrendite 3,27% Umsatz/Mitarbeiter 72.430.000 ¥ Starbucks, SBUX -0,14% Starbucks Corp. U.S.: Nasdaq $77,81 -0,11 -0,14% 28 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,97 Mio. NACHBÖRSLICH $77,73 -0,08 -0,10% 28 Aug. 2014 18:11 Volumen (​15 Min. verzögert) : 6.078 KGV 238,83 Marktkapitalisierung 58,53 Milliarden $ Dividendenrendite 1,34% Umsatz/Mitarbeiter 88.236 $ Google und Amazon überprüfen. Manche dieser Zweigstellen haben ihren Sitz in Luxemburg. Die britischen Steuerbehörden haben laut eigener Auskunft jedoch noch keine Untersuchung der Unternehmen eingeleitet. Die Firmen bekunden einhellig, sie hätten ordnungsgemäß gehandelt.

Italiens Steuerprüfer haben Google hingegen bereits im Visier. Im vergangenen Monat gaben die Fahnder bekannt, dass sie die Buchungspraxis des Suchmaschinenriesen untersuche. Google verbucht die auf italienischer Werbung basierenden Anzeigenverkäufe in Irland, dort zahlt das Unternehmen eine geringere Steuer als in Italien anfallen würde. Google wiederum sagt, es versuche nicht, der Besteuerung in Italien zu entgehen. Das Unternehmen halte sich an das Gesetz.

In der vergangenen Woche durchforsteten die Fahnder die Bücher des Brillenmoguls Luxottica. Die Überprüfung sollte ans Licht bringen, ob das Unternehmen bestimmte Verrechnungspreisregelungen befolgt hat. Diese Regeln legen fest, wie Transaktionen zwischen verschiedenen Firmeneinheiten in unterschiedlichen Ländern besteuert werden. Die Steuerplanung von Luxottica entspreche vollständig dem vom Gesetz festgelegten Rahmen, sagt das Unternehmen.

Oberstleutnant Gianluca Campana ist für die Abteilung Einkommensteuer bei der italienischen Finanzpolizei verantwortlich. Seit einigen Jahren verfolgen seine Teams die internationale Steuerflucht aggressiver als zuvor, sagt er. Zum Teil, weil "wer auch immer Geld ins Ausland schafft, Italien um einen Teil seines Vermögens bringt, und weil es wichtig ist, die Kapitalflucht ins Ausland einzuschränken."

Italien hat im vergangenen Jahr 17 Milliarden Euro dadurch eingebüßt, dass Einkommen aus ausländischen Quellen nicht oder zu niedrig deklariert wurden. 2011 waren es laut Finanzpolizei noch 11 Milliarden Euro.

Am häufigsten nutzen italienische Einzelpersonen und Unternehmen laut der Polizei dabei Luxemburg als Versteck für ihr Geld, dann Irland und am dritthäufigsten die Schweiz. Doch nicht nur die im Ausland versteuerte Geldmenge nimmt zu. Die Steuerfahnder haben ihre Untersuchungen ebenfalls erhöht. 2011 haben sie mehr als 2.700 Unternehmen mit einem Mindestumsatz von 100 Millionen Euro überprüft. Das sind fünf Mal so viele Revisionen als 2007.

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