Deutschlands Energieversorger stöhnen schon länger über teure Gaslieferverträge. Doch die darin vereinbarte Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis könnte nach Einschätzung von Eon Ruhrgas bald der Vergangenheit angehören. "Für mich ist die Ölpreisbindung ein Auslaufmodell", sagte der Vorstandschef des größten deutschen Energieimporteurs, Klaus Schäfer, dem Magazin Bizz Energy Today.

Der Gasmarkt sei inzwischen ausreichend transparent und liquide. Zudem wachse die Nachfrage weltweit stark und Gas dürfte in den USA in der nächsten Dekade das Öl als wichtigsten Energieträger verdrängen. "Warum soll sich dann noch der größere Energieträger am kleineren orientieren?", fragt Schäfer. Zwar seien Gaslieferanten wie die russische Gazprom anderer Meinung. Doch es gebe "nahezu keinen Kunden mehr, der noch Wert auf die Ölpreisbindung legt", so der Manager.

Die seit den 60er Jahren in langfristigen Lieferverträgen vereinbarte Preiskoppelung sollte gewährleisten, dass sich Gas- und Ölpreise in die gleiche Richtung entwickeln. Zum einen wusste man damals nicht, ob sich Erdgas wegen der enormen Investitionen durchsetzen würde, zum anderen wollten sich die Energiekonzerne, die meist beides förderten, nicht selbst Konkurrenz machen. Wegen des großen Angebots im Gasmarkt mussten aber deutsche Versorger ihr Gas aber zuletzt deutlich billiger abgeben, als sie es einkauften - ein massives Verlustgeschäft. Sie brachten ihre Verträge mit der darin vereinbarten Ölpreisbindung deshalb vor internationale Schiedsgerichte.

Sein eigenes Unternehmen sieht Schäfer bei der Nachverhandlung von Altverträgen oder der Aushandlung neuer Verträgen in einer guten Verhandlungsposition. Deutschlands größter Gasimporteur habe ein breit aufgestelltes Bezugsportfolio mit verschiedenen Lieferanten, die die Entwicklung hin zu einer marktbestimmten Preisfindung bereits akzeptiert hätten. "Ich glaube nicht, dass heute in den Kernmärkten Europas ein neuer langfristiger Gasvertrag noch auf Ölpreisindexierung abgeschlossen wird", sagte Schäfer.

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