Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die US-Spezialeinheiten in der Provinz Wardak zum Abzug binnen zwei Wochen aufgefordert. Sie seien für die Belästigung, Folterung und den Mord Unschuldiger verantwortlich, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Präsidentenbüros. Karsai beauftragte das afghanische Verteidigungsministerium damit, den Abzug der US-Truppen sicherzustellen.

US-Soldat in Afghanistan. Präsident Hamid Karsai hat die US-Spezialeinheiten in der besonders gefährlichen Provinz Wardak zum unverzüglichen Rückzug binnen zwei Wochen aufgefordert. dapd

Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen Afghanen, die in der Region für die US-Truppen im Einsatz sind, sagte Präsidentensprecher Aimal Faisi auf einer Pressekonferenz. Auch sie seien - obwohl afghanische Staatsbürger - Teil der US-Spezialeinheiten, sagte er nach Angaben des britischen Senders BBC. Die US-Streitkräfte wollten das Ultimatum Karsais zunächst nicht kommentieren. Zuerst müsse man mit ranghohen afghanischen Regierungsvertretern über die Vorwürfe sprechen, teilte ein Sprecher der US-Spezialeinheiten mit. In der strategisch wichtigen Provinz Wardak nahe der Hauptstadt Kabul hatte es zuletzt verstärkt Einsätze gegen Aufständische gegeben.

Die Beschuldigten in Reihen der US-Spezialeinheiten sollen für das Verschwinden und die Folter von Menschen in der Unruheprovinz verantwortlich sein. Zuletzt seien dort neun Menschen während einer Operation der Spezialeinheit verschwunden, ein Student sei zudem verschleppt worden und anschließend mit aufgeschlitzter Kehle gefunden worden, hieß es in der Erklärung des Präsidentenbüros.

Die Entscheidung, die US-Spezialeinheiten aus Wardak zu verbannen, fiel bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates am Sonntag. Bei dem Treffen sei darauf hingewiesen worden, dass die Taten in der Region zu öffentlichem Ärger und Hass geführt hätten, hieß es in der Erklärung weiter. Auch die Spezialeinheiten anderer Staaten der ISAF-Mission wurden zudem aufgefordert, ihre Operationen in der Provinz mit sofortiger Wirkung einzustellen.

Erst vor einer Woche hatte Präsident Karsai afghanischen Sicherheitskräften untersagt, Luftunterstützung durch die Nato anzufordern. Er reagierte damit auf die jüngste versehentliche Tötung von Zivilisten bei einem Luftangriff in der Provinz Kunar.

Karsais Schritt ist auch ein Schlag gegen die Aufstellung lokaler afghanischer Polizeikräfte. Dabei handelt es sich um nichtmilitärische Kampfgruppen, die von US-Spezialeinheiten ausgebildet und beraten werden. Die mittlerweile 19.000 Mann starken Polizeieinheiten kämpfen oft in den abgelegensten und gefährlichsten Dörfern Afghanistans. Karsai und andere Kritiker fürchten jedoch, dass sie sich zu einer Miliz entwickelt, die sich der Kontrolle durch die Regierung entzieht. Die USA wollen sie auf 45.000 Mann verstärken.

Karsai bringe sich bereits für die Zeit nach dem Abzug der Amerikaner in Stellung, sagte der Experte der Denkfabrik New American Foundation, Douglas Ollivant.

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