STOCKHOLM – Der Pferdefleischskandal mach auch vor Ikea nicht halt. Das schwedische Möbelhaus erklärte am Montag, man habe eine Charge mit Fleischklopsen zurückgerufen, die in 13 europäischen Ländern ausgeliefert worden sei. Deutschland ist nicht betroffen.

Tschechische Lebensmittelinspektoren hatten Spuren von Pferdefleisch in Hackfleischbällchen entdeckt, die in den eigenen Restaurants als Köttbullar angeboten werden. In Schweden zieht der Konzern zunächst alle Gerichte von der Speisekarte zurück, in denen Hackfleischbällchen verarbeitet werden.

Ikea-Sprecherin Ylva Magnusson sagte, die komplette Charge der betroffenen tiefgefrorenen Fleischklopse sei zurückgerufen worden. Neben Tschechien ist die Ware in die Slowakei, nach Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Portugal, Italien, die Niederlande, Belgien, Spanien, Griechenland, Zypern und Irland geliefert worden.

„Als wir die Information von den tschechischen Behörden bekommen haben, haben wird sofort den Verkauf von Fleischbällchen der kompletten Charge eingestellt", sagte sie. Betroffen sind den Angaben zufolge keine Fleischbällchen, die in Restaurants angeboten werden.

Die Werbung ist noch nicht eingestellt, verkauft werden Köttbullar aber on Schweden nicht mehr: Möbelhaus in Malmö. Associated Press

Weil der Pferdefleischskandal in Schweden besonders hohe Wellen geschlagen hat, ging Ikea auf dem Heimatmarkt noch einen Schritt weiter und hat nach Angaben von Sara Paulsson den Verkauf jeglicher Hackfleischbällchen eingestellt – gefroren und zubereitet in den eigenen Restaurants.

Neben dem Verkauf von günstigen Möbeln und Einrichtungsgegenständen verdient der schwedische Konzern auch Geld mit Lebensmitteln. Im vergangenen setzte Ikea so 1,3 Milliarden Euro um, das sind 5 Prozent der Gesamteinnahmen. Zu jedem Warenhaus gehört üblicherweise in großes Schnellrestaurant und eine Abteilung mit einem begrenzten Lebensmittelsortiment.

Inspektoren der tschechischen Lebensmittelaufsicht SVS entdeckten die Spuren des Pferdefleisches in Brünn, 200 Kilometer östlich von Prag. In Tschechien betreibt der schwedische Konzern insgesamt vier Warenhäuser, zwei davon in der Hauptstadt. SVS hatte die Fleischprodukte im Rahmen des Fleischskandals untersucht. Im Zuge dessen hatte sich gezeigt, dass vor allem in vielen Rindfleisch-Fertigprodukten Pferd als Fleischzutat enthalten war.

Ikea prüft gegenwärtig, wie viel Pferd in den Fleischbällchen drinsteckt. Sind es weniger als 1 Prozent, kann davon ausgegangen werden, dass es sich lediglich um eine Verunreinigung handelt, die im Rahmen des Herstellungsprozesses aufgetreten ist. Im Laufe der Woche soll das Testergebnis feststehen.

Schon vor zwei Wochen, als der Pferdefleischskandal seinen Lauf nahm, leitete Ikea Tests der eigenen Hackfleischbällchen ein. Nach Angaben von Konzernsprecherin Magnusson, zeigten sich in zwölf verschiedenen Chargen mit Hackfleischbällchen keine Spuren von Pferdefleisch.

Der Skandal um Pferdefleisch, das getarnt als teureres Rindfleisch vertrieben wurde, nahm seinen Ausgang im Januar in Irland. Dort entdeckten die Behörden in Rindfleischburgern Pferd. Mittlerweile hat der Skandal sich auf ganz Europa verbreitet. Supermarktketten in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz haben verschiedene Produkte aus den Kühlregalen genommen, darunter tiefgefrorene Fertig-Lasagne, Hamburger und Spaghetti Bolognese.

In verschiedenen Ländern untersuchen die Behörden zusammen mit Schlachthöfen und Fleischverarbeitern, wie das Pferdefleisch unter falscher Bezeichnung in die Supermarktregale gelangen konnte. Dabei hat sich gezeigt, wie komplex die Struktur zwischen Fleischlieferanten, Schlachthöfen, Zulieferern und Lieferanten inzwischen geworden ist. Die Kontrollen der grenzüberschreitenden Lebensmittelverkehre kommen dabei oft nicht hinterher.

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