Was den Markt angeht, haben die italienischen Wahlen das schlimmstmögliche Ergebnis hervorgebracht: uneindeutige Mehrheiten, aus denen sich eine stabile Regierung nur schwer ablesen lässt.

Ein unerwartet starkes Abschneiden des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi sowie des Ex-Komödianten und Außenseiters Beppe Grillo mit seiner Protestbewegung „Fünf Sterne" haben die Hoffnungen der Anleger zerstört, dass sich eine Koalition aus der Mitte-Links Partei von Pier Luigi Bersani und dem noch amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti und dessen Mitte-Rechts-Verbündeten bilden könnte. Eine solche Koalition, so hofften viele Anleger, hätte den Reformkurs der Technokratenregierung sicher fortgesetzt.

Profitierte wohl von einer Welle der Wut gegen die Immobiliensteuer von Mario Monti: Ex-Premier Silvio Berlusconi, der bei den Wahlen überraschend stark abschnitt. Andreas Solaro/Agence France-Presse/Getty Images

Am Ende aber waren sowohl Bersani, als auch Monti im Senat weit entfernt von einer absoluten Mehrheit. Eine Koalition mit anderen Gruppierungen ist höchst unwahrscheinlich. Und so müssen sich die Märkte auf weitere Monate der Ungewissheit gefasst machen, bevor es im Laufe des Jahres zu Neuwahlen kommen dürfte.

Beunruhigend ist, dass man das Wahlergebnis auch als entschiedene Ablehnung der Sparprogramme unter Monti und des europäischen Krisenlösungsansatzes verstehen kann. Sowohl Berlusconi, als auch Grillo boten eine starke Plattform für Euroskeptiker. Im Gegenzug hat sich Montis Entscheidung, doch noch einmal anzutreten, als Fehlschlag erwiesen. Nach dem schwachen Ergebnis seiner Gruppierung wird es schwer für ihn, künftig noch eine Rolle zu spielen.

Der starke Rückhalt für Grillos Fünf-Sterne-Bewegung spiegelt aber auch den Frust wider über eine politische Klasse, die sich als unfähig erwiesen hat, gegen Korruption, Partikularinteressen, bürokratische Ineffizienz und die schwache Justiz vorzugehen. Berlusconi hingegen scheint von einer Welle der Wut gegen Montis Immobiliensteuer zu profitieren, die vielen verhasst ist.

Am ehesten lässt sich jetzt noch hoffen, dass eine Neuwahl den Stillstand aufbricht – vielleicht sogar, nachdem die derzeitigen politischen Führer den Weg freigemacht hat für eine neue Generation von Reformern, die es ernst meinen. Zugleich aber besteht das Risiko, dass sich wirklicher Wandel mit einem derart dreigespaltenen Land nur schwer erzielen lässt und die politische Instabilität andauert. Das würde Italiens Staatsanleihen unausweichlich erneut unter Druck setzen und dem Land eine neue Konfrontation mit der Europäischen Zentralbank beschweren, mit der es sich auf Konditionen für eine etwaige Unterstützung einigen muss.

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