Angela Merkel empfing US-Außenminister John Kerry im Kanzleramt in Berlin. Reuters

BERLIN – Acht Länder in neun Tagen: Das Besuchsprogramm von US-Außenminister John Kerry durch Europa und den Nahen Osten ist eng getaktet. Knapp 24 Stunden machte der Demokrat auch in Berlin Station und bekannte sich dort zu einem starken transatlantischen Verhältnis. Bei seinen Auftritten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle sprach sich Kerry für eine schnelle Verhandlungsaufnahme für ein transatlantisches Freihandelsabkommen aus.

„Wir wollen den Handel und die Partnerschaft mit Europa verstärken", versprach der US-Außenminister und lobte die stabilen deutsch-amerikanischen Beziehungen. Die Bundesregierung wird dies mit größtem Wohlwollen aufgenommen haben. Denn der Europa-Besuch von Kerry kommt gerade im richtigen Moment und wird dort als Signal für eine Vertiefung der beiderseitigen Beziehungen verstanden.

Was macht Kerry anders als seine Vorgängerin Hillary Clinton, die sich außenpolitisch zunehmend nach Asien orientiert, war eine der Kernfragen. Noch ist es zu früh, eine außenpolitische Linie im Amt des überzeugten Transatlantikers auszumachen. Für Kerry ist es eine Antrittsreise, bei der in seinen bilateralen Gesprächen vor allem der Syrien-Konflikt und der Atomstreit mit dem Iran im Vordergrund stehen. Erste Station seiner Reise war London, wo Kerry mit dem britischen Premierminister David Cameron zusammentraf. Am Montagabend landete der US-Außenminister dann in Berlin. Weiter geht es nach Frankreich, Italien, in die Türkei, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar.

Er hoffe, Iran werde selbst die Entscheidung für eine diplomatische Lösung treffen, sagte Kerry nach einem Gespräch mit Westerwelle, fügte aber gleich hinzu: Es wäre aber ein Fehler, während der jetzt laufenden Gespräche die Dynamik zu kommentieren.

Zu den am Dienstag begonnenen heiklen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm der sogenannten 5+1-Gruppe im kasachischen Almaty wollte sich der US-Spitzendiplomat nicht äußern. Die Gespräche umfassten Vorschläge und konkrete Schritte auf beiden Seiten, ließ sich Kerry nur entlocken. Am Dienstagnachmittag wollte Kerry noch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in Berlin zusammentreffen. Man darf vermuten, dass die unterschiedlichen Positionen beider Länder zu Syrien Hauptgesprächsthema sein werden. Russland gilt als eines der wenigen verbliebenen Unterstützer des syrischen Regimes und blockierte im UN-Sicherheitsrat eine Resolution, die das blutige Vorgehen der Assad-Regierung verurteilte. In Rom trifft sich diese Woche die internationale Syrien-Konferenz, an der auch Vertreter der bewaffneten Opposition teilnehmen wollen. Diesen Gesprächen wollte Kerry nicht vorgreifen.

Für Kerry war Berlin auch eine Reise in die Vergangenheit. Mit seinen Eltern – sein Vater war Diplomat – verbrachte er einige Jahre seiner Kindheit in der damals noch getrennten Stadt. Gern erzählt er, wie er als Kind in den 1950er Jahren über den Kurfürstendamm radelte oder am damals noch zerstörten Reichstag vorbeigefahren war. „Berlin ist eine der tollsten Städte der Welt", schwärmte er auch diesmal im Kanzleramt. „Es ist für mich ein großes Privileg, wieder zurück zu sein."

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