Die vom Volkswagen VOW3.XE +0,28% Volkswagen AG Non-Vtg Pfd. Germany: Xetra 176,30 +0,50 +0,28% 19 Sept. 2014 17:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 2,29 Mio. KGV 8,83 Marktkapitalisierung 83,24 Milliarden € Dividendenrendite 2,30% Umsatz/Mitarbeiter 344.146 € -Betriebsrat durchgesetzte E-Mail-Richtlinie, derzufolge Tarifvertragsmitarbeiter nach 18 Uhr keine E-Mails mehr auf ihren Smartphones empfangen dürfen, wird bei der Tochter Audi nicht angewendet – obwohl die Konzernrichtlinie eigentlich auch für die Ingolstädter Tochter gilt.

"Choose your own device": Audi erlaubt den Einsatz von iPhone (Foto), iPad und Blackberrys für den Business-Einsatz. dapd

„Die Konzernrichtlinie gibt es, sie wird bei uns aber nicht umgesetzt", sagte Florian Weisenberger, der bei Audi für im Unternehmen verwendete mobile Geräte zuständig ist, dem Wall Street Journal Deutschland. Weisenberger verwies auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung: „Ich weiß nicht, wann ein Mitarbeiter in Mexiko ist und dann keinen Zugriff auf seine E-Mails hat." Bei der Konzernmutter Volkswagen hatte der Betriebsrat das E-Mail-Verbot nach Feierabend für die tarifvertraglich angestellten Mitarbeiter durchgesetzt. Die Mehrheit der Deutschen hält nichts von einem solchen Verbot.

Audi setzt derzeit insgesamt 3.800 iPhones, 1.800 iPads und 2.800 Blackberrys in der Verwaltung ein. Laut Audi-Manager Weisenberger verzeichnet Audi hier ein explosionsartiges Wachstum – rund 150 iPhones und Blackberrys sowie 100 iPads kämen derzeit monatlich hinzu. 2011 seien erst insgesamt 800 Geräte im Einsatz gewesen, im Januar 2013 waren es 8.500. „Das ist eine Steigerung von 600 Prozent innerhalb von zwei Jahren", sagt Weisenberger. Insgesamt arbeiten nach Angaben des Audi-Managers rund 12.000 bis 15.000 Mitarbeiter in der Verwaltung.

Audi setzt auf "Choose your own Device"

Aus Sicherheitsgründen setzt der Automobilkonzern dabei nicht auf den Trend „Bring your own Device". Die Mitarbeiter sollen sich ihr Gerät allerdings aussuchen dürfen. „Bei uns heißt das Motto ‚Choose you own Device'", sagte Weisenberger. Wählen können die Mitarbeiter dabei allerdings nur unter iPhone, iPad und Blackberry. Windows Phone 7 und 8 würde einige Sicherheitsanforderungen von Audi, etwa die Möglichkeit die Kameranutzung zu sperren, nicht ermöglichen, bei Android-Smartphones sei vor allem die Gerätevielfalt ein Problem.

Die mobile Revolution bei Audi verläuft nicht ohne Reibereien: Die Vorgabe der Werksicherheit, bei den Business-Smartphones die Kamera zu sperren, hält der IT-Manager für nicht sinnvoll – immerhin müssten Geräte in hochsensiblen Bereichen ohnehin versiegelt oder ganz abgegeben werden und bei privaten Smartphones, die bei Audi erlaubt sind, sei die Kamera auch nicht deaktiviert. „Wir glauben, dass die Mitarbeiter es mit privaten Geräten hinkriegen, bei Business-Geräten bevormunden wir sie", kritisierte der Manager die strikten Sicherheitsvorgaben bei Audi.

Für den Konzern ist die mobile Revolution allerdings auch eine große Herausforderung. So sei Audi vor einigen Jahren nur „knapp an einer Produktionskatastrophe" vorbeigeschrammt, weil Smartphones durch Bluetooth-Funk in der Fertigungshalle die Roboter gestört hätten.

Audi setzt mobile Geräte inzwischen auch bei der Auslieferung von Fahrzeugen und zunehmend auch beim Verkauf ein. So lässt sich nach Angaben von Weisenberger Papierkram vermeiden, der das emotionale Kauferlebnis stört. Künftig sei noch deutlich mehr denkbar, beispielsweise ein erstes Bild der Rohkarosserie, das ein Kunde per App auf das Smartphone bekomme, führte der Manager aus.

Im Management würden mobile Applikationen, bei denen Manager zum Beispiel unterwegs auf wichtige Unternehmenskennzahlen zugreifen können, noch „zu wenig" eingesetzt, sagte Weisenberger. Apples Umschwenken auf den neuen Lightning-Anschluss habe Audi hier einen Strich durch die Rechnung gemacht – nun funktionieren vorhandene Zubehörgeräte sowie Identifikationssysteme nicht mehr.

Zum Management der Geräte setzt Audi auf eine Software vom Silicon-Valley-Konzern MobileIron. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Mobile Enterprise Management. Nach Angaben von Cristof Baumgärtner, Chef von MobileIron für Deutschland, Österreich und Schweiz, können Unternehmen erhebliche Kosten sparen, wenn sie vorhandene Systeme wie Laptops durch Tablets und Smartphones ersetzen. So habe ein großes Pharmaunternehmen aus der Schweiz 8.000 Laptops von Pharmareferenten durch iPads ersetzt und würde diese nun zu einem Achtel der Kosten betreiben – unter anderem wegen großer Einsparungen bei der Software.

Für Audi ist ein solch radikaler Schritt allerdings kein Thema: „Smartphones und iPad sind bei Audi klar eine Ergänzung zu Laptop und Desktop-PC, kein Ersatz" sagte Weisenberger.

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