Um Schiefergas und -öl zu fördern, werden mit einem Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien Risse im Gestein erzeugt - Fracking nennt sich die Methode. dapd

Die Förderung von Öl und Gas aus Schiefergestein in den USA boomt. Die Wirtschaft profitiert dadurch von sinkenden Energiepreisen. Auch in anderen Ländern lagern riesige Vorkommen. Doch sie anzuzapfen, stellt Energiekonzerne vor Probleme.

Das hat verschiedene Gründe: Oftmals liegen die Abbaurechte bei den Staaten. Vielerorts spielen Umweltschutzgründe sowie ein Mangel an Infrastruktur bei Förderung und Transport eine Rolle. Außerdem ist in den meisten Ländern viel weniger über die geologischen Beschaffenheit der Gesteinsschichten bekannt als in den USA, wo bereits seit mehr als 100 Jahren gefördert wird.

So könnten die USA und Kanada erst einmal die wichtigsten Länder, die von Schieferöl und -gas profitieren, bleiben. Die Vorkommen in beiden Ländern sind riesig. Das treibt Energieunternehmen dazu an, neue Anlagen zu bauen – nachdem sie jahrelang die Produktion ins Ausland verlagert hatten. Das kommt auch US-Bundesstaaten wie Texas und North Dakota, in denen die Vorkommen lagern, zugute. Sie können durch die Förderaktivität ihre Wirtschaft ankurbeln.

Vielversprechend sah es auch in Polen aus. Dort war man bisher von großen Vorkommen ausgegangen. Doch bei ersten Bohrungen wurde weniger Gas gefunden als erwartet. So stellte der amerikanische Ölriese Exxon Mobil XOM +1,03% Exxon Mobil Corp. U.S.: NYSE $96,81 +0,99 +1,03% 21 Nov. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 11,89 Mio. NACHBÖRSLICH $96,84 +0,03 +0,03% 21 Nov. 2014 19:48 Volumen (​15 Min. verzögert) : 482.671 KGV 12,19 Marktkapitalisierung 409,94 Milliarden $ Dividendenrendite 2,85% Umsatz/Mitarbeiter 5.338.160 $ die Bohrungen schnell wieder ein. Der Enthusiasmus der Branche wurde auch durch veränderte Steuerregelungen gedämpft.

Auch in China gibt es Probleme. Experten gehen zwar davon aus, dass dort noch mehr Vorkommen lagern als in den USA. Doch der größte Teil davon befindet sich in wasserarmen oder dicht besiedelten Gegenden. Energieunternehmen fürchten, dass das Wasser nicht ausreicht, um die Vorkommen zu fördern. Beim sogenannten Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in das Gestein gepresst, um es aufzubrechen.

Argentinien verstaatlichte gerade die Vermögenswerte des spanischen Unternehmens Repsol, das ein riesiges Vorkommen entdeckt hatte. Eine Milliarde Barrel Öl werden dort vermutet. Doch seit der kontroversen Aktion der argentinischen Regierung nehmen Investitionen aus dem Ausland ab. Ausländische Firmen leiden auch unter Vorschriften, die es ihnen schwer machen, Technologien zu importieren und Gewinne zu exportieren. Die Förderung in Argentinien sei mitunter doppelt so teuer wie in den USA, heißt beim amerikanischen Energieunternehmen Apache, das in dem südamerikanischen Land aktiv ist.

In anderen Ländern wie Frankreich und Bulgarien wurde das Fracking aus Umweltschutzgründen komplett verboten. „Es gab eine irrationale Begeisterung für die globale Förderung", sagt Joseph Stanislaw, ein unabhängiger Energieberater für Deloitte. „Dann kam die Branche in der Realität an. Es wird auch in den anderen Ländern bald so sein wie jetzt in den USA. Aber es wird länger dauern, als viele denken."

In den USA haben Landbesitzer die Abbaurechte

Die Förderung von Schiefergas und -öl begann in den 1990er Jahren in Texas. Die Technik wurde von kleinen unabhängigen Unternehmen vorangetrieben, die bereit waren, große finanzielle Risiken einzugehen. Es half ihnen, dass Landbesitzer, die die Abbaurechte besaßen, ihr Land verkauften, um von den Gewinnen zu profitieren. Die Branche profitierte auch von einem großen Pipeline-Netz und von bereits existierenden Bohrtürmen.

Ein Schlüssel zum Erfolg ist, dass das Gas in den USA oftmals Privatleuten gehört. So werden Umweltschutzbedenken bei der Aussicht auf Profite oftmals in den Hintergrund gedrängt. „Es ist ein sehr gutes System, das sicherstellt, dass alle Vorkommen gefördert werden", sagt Rex Tillerson, Chef des größten Gasproduzenten in Nordamerika, Exxon Mobil. In anderen Ländern liegen die Abbaurechte meist bei den Staaten. Damit gibt es wenig Anreize für die Menschen, sich mit der Förderung abzufinden.

Ein weiteres Problem ist, dass über die weltweiten Vorkommen nur wenig bekannt ist. In den USA ist das anders, dort werden geologische Daten von den Regulierungsbehörden veröffentlicht. Auch wenn Geologen wissen, in welchen Ländern Schiefergas und -öl zu finden ist, können sie nicht sagen, ob das Gestein sich fürs Fracking eignet.

Die weltweiten Vorkommen könnten enorm sein

Die Vorkommen könnten enorm sein. Laut einer Studie, die die US-Regierung im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte, reichen die Schiefergas-Vorkommen in 32 Ländern 50 Jahre lang für den weltweiten Verbrauch. Nur 13 Prozent davon befinden sich in den USA.

Unternehmen, die in Öl und Gas aus Schiefer investieren, zeigen sich vorsichtig. Er rechne damit, dass erst im kommenden Jahrzehnt in Europa bedeutende Mengen gefördert werden, sagte George Kirkland, Verwaltungsratsmitglied von Chevron, CVX +1,08% Chevron Corp. U.S.: NYSE $118,58 +1,27 +1,08% 21 Nov. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 7,14 Mio. NACHBÖRSLICH $118,58 0,00 % 21 Nov. 2014 19:58 Volumen (​15 Min. verzögert) : 220.054 KGV 10,84 Marktkapitalisierung 224,17 Milliarden $ Dividendenrendite 3,61% Umsatz/Mitarbeiter 3.157.450 $ in diesem Sommer.

Chevron und andere Unternehmen setzen immer noch auf Polen. Der Konzern hat dort Förderrechte erworben und hofft, dass die Gasvorkommen groß genug sind, damit das Geschäft profitabel wird. Aber die Regierung trifft bei der Bevölkerung auf Widerstand und vergibt nur zögerlich Genehmigungen. Helfen soll nun ein neues Gesetz, das den lokalen Behörden eine großzügige Entschädigung anbietet.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de