Heißt Whatsapp bald Faceapp? Berichten zufolge soll das soziale Netzwerk Facebook an einer Übername des beliebten Kurznachrichtendienstes interessiert sein.

War Instagram erst der Anfang? Wie die auf Technologiethemen spezialisierte Internetseite Techcrunch berichtet, soll Facebook FB -0,56% Facebook Inc. Cl A U.S.: Nasdaq $77,48 -0,44 -0,56% 12 Sept. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 25,88 Mio. NACHBÖRSLICH $77,37 -0,11 -0,14% 12 Sept. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 861.655 KGV 82,43 Marktkapitalisierung 201,45 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 1.580.090 $ Interesse daran haben, den Kurznachrichtendienst Whatsapp zu kaufen. Quellen zufolge sollen bereits Gespräche über eine Übernahme geführt werden – beide Unternehmen äußerten sich jedoch bisher nicht auf entsprechende Anfragen.

Whatsapp ist ein kostenpflichtiges Programm für Smartphones. Mit der App lassen sich Kurznachrichten mit Bildern und Videos von Telefon zu Telefon versenden – wie man es auch von SMS und MMS kennt. Der große Unterschied ist jedoch, dass neben den Kosten für die mobile Datennutzung – die heute bei den meisten Smartphone-Verträgen beinhaltet sind – keine weiteren Gebühren anfallen. Während die Mobilfunkanbieter für SMS und MMS vor allem in andere Netze gerne noch kassieren, können Whatsapp-Nutzer quasi kostenlos Nachrichten versenden.

Ständig in den Top-10-Listen vorne mit dabei

Weil Whatsapp sein Programm plattformübergreifend für Geräte mit verschiedenen Betriebssystemen wie iOS von Apple, Android von Google, Windows Phone von Microsoft aber auch für Smartphones von Nokia und Blackberry anbietet, erfreut sich der Dienst großer Beliebtheit. Seit das Programm erstmals im App-Store von Apple auftauchte, befindet es sich unter den am meisten heruntergeladenen bezahlten Programmen.

89 Cent kostet Whatsapp bei Apple – Android-Nutzer dürfen sie im ersten Jahr ohne Zahlung nutzen, anschließend werden 99 Cent pro Jahr fällig. Mit ihrer Strategie haben die Macher – zwei Unternehmer aus den USA, die zuvor lange bei Yahoo gearbeitet hatten – augenscheinlich den Nerv der Zeit getroffen. Zwar bietet Apple mit iMessages seit Oktober 2011 eine ähnliche Funktion an. Allerdings war man damit später dran als die Konkurrenz aus dem kalifornischen Santa Clara. Außerdem lassen sich iMessages nur von iOS-Gerät zu iOS-Gerät verschicken. Mit seinem Ansatz für diverse Plattformen spricht Whatsapp eine deutlich größere Zielgruppe an.

10 Milliarden Nachrichten am Tag

Wie BGR.com vor ein paar Monaten berichtete, werden mittlerweile über 10 Milliarden Nachrichten täglich per Whatsapp verschickt – Tendenz weiter steigend. Mobilfunkanbietern sind Programme wie Skype, iMessage und Whatsapp jedoch schon länger ein Dorn im Auge. Sie leiden unter sinkenden Umsätzen beim Versand von SMS und MMS, da die Alternativen häufig kostenlos sind. Immer wieder wurde darum in der Vergangenheit versucht, die Dienste zu blockieren oder sie erst bei zusätzlichen monatlichen Zahlungen freizuschalten. So ist es zum Beispiel bei bestimmten Verträgen auch weiterhin nicht möglich, Internettelefonie per Skype zu nutzen. Wer darauf angewiesen ist, muss draufzahlen.

In der Vergangenheit hat Whatsapp wiederholt für negative Schlagzeilen gesorgt. Immer wieder tauchten Sicherheitslücken auf, über die es möglich war, fremde Nutzeraccounts zu übernehmen. Innerhalb des Netzwerkes machen häufig Spam-Nachrichten die Runde. Auch an Ausfälle des gesamten Dienstes haben sich die Nutzer mittlerweile gewöhnt.

Für Facebook würde eine Übernahme von Whatsapp durchaus Sinn ergeben. Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg hatte in der Vergangenheit häufiger betont, dass er die Zukunft seines sozialen Netzwerkes auf mobilen Geräten sieht. Und dort fällt es dem Unternehmen bisher noch schwer, ausreichend Umsätze zu generieren – denn Werbung spielt dort kaum eine Rolle. Der eingebaute eigene Nachrichten-Dienst wird zwar von den Nutzern fleißig verwendet, auch er befindet sich regelmäßig in den Toplisten der App-Stores wieder. Allerdings wird er kostenlos und zumindest momentan noch ohne Werbung angeboten. Mit Whatsapp könnten sich Zuckerberg und Co. ein Programm ins Haus holen, bei dem die Nutzer bereits daran gewöhnt sind, etwas zu zahlen.

Nach der Übernahme des Fotodienstes Instagram – der im April für eine Milliarde US-Dollar geschluckt wurde – wäre Whatsapp der zweite große Zukauf des sozialen Netzwerkes innerhalb kurzer Zeit. Mit ihm wollte das US-Unternehmen vor allem sein Fotogeschäft ausweiten. Seit kurzem ist es unter anderem möglich, mit dem Smartphone aufgenommene Bilder automatisch auf Facebook hochzuladen.

Sollte Facebook nun auch noch Whatsapp kaufen, dürfte man eine tiefere Integration in die eigenen Dienste anstreben. Vermutlich würden der Facebook Messenger – der momentan noch lange nicht mit der Konkurrenz um Skype, ICQ und eben auch Whatsapp mithalten kann – und Whatsapp miteinander verschmelzen. Netter Nebeneffekt – Zuckerberg könnte sich mit einem Schlag riesige Mengen an Daten einverleiben: von den Mobilfunknummern der Nutzer bis zu Bildern und Texten, die über Whatsapp versendet werden. Und Daten sind ja bekanntlich nie schlecht.

Kontakt zum Autor: joergen.camrath@wsj.com