suggestions
Aktualisiert Dienstag, 4. Dezember 2012, 12:06 Uhr

Der Papst und die Technik: Acht Meilensteine von Radio bis Twitter

image

2012: Papst Benedikt XVI. twittert

Päpste zählten bei neuen Technologien noch nie zu den sogenannten Early Adopters, also denen, die von Anfang an dabei waren. Doch mit den Jahren sind auch die Kirchenoberhäupter dazu übergegangen, die von Menschen geschaffenen Erfindungen zu nutzen. Jüngster Höhepunkt war am Montag die Einrichtung eines Twitter-Accounts von Papst Benedikt XVI. Ab sofort kann man ihm unter dem Konto @Pontifex folgen. (Pontifex ist das lateinische Wort für Papst.) Auch in weiteren Sprachen wurden entsprechende Konten angelegt, auf deutsch etwa @Pontifex_de.

Bisher hat der Papst fast 350.000 Follower, also Leser, die seine Nachrichten abonniert haben. Ob er jemals an Popsternchen Justin Bieber herankommen wird, ist unklar. Der liegt fast uneinholbar bei über 31 Millionen Followern. Getty Images

image

1896: Papst Leo XIII lässt sich filmen

Es ist vermutlich die älteste bekannte Aufnahme von einem Papst: Leo XIII – der die Kirche von 1878 bis 1903 leitete – ließ sich zu Beginn des Kinozeitalters auf einem Schwarz-Weiß-Film ablichten. Das Werk „Sua Santitá papa Leone XIII." wurde von William Kennedy Dickson gedreht, einem schottischen Erfinder, der für Thomas Edison arbeitete und eine der ersten Filmkameras der Geschichte baute. 1903 wurde dann noch eine Audiospur hinzugefügt – ein Ave Maria auf lateinisch ist die vermutlich älteste Tonaufzeichnung eines Papstes. Im Film ist Leo XIII. zu sehen, wie er einen Raum betritt, sich hinsetzt und die Kamera segnet. Getty Images

image

1931: Papst Pius XI hält eine Radioansprache

Papst Pius XI leitete die katholische Kirche zu einer Zeit, in der das Radio populär wurde. Er war darum auch der erste Papst, der sich über das neue Medium an die Gläubigen wandte. Wegen seiner Fähigkeit, neue Sprachen zu lernen, soll es ihm leichtgefallen sein, sich auf das neue Format einzulassen. Es wird berichtet, dass Pius Latein, Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Niederländisch, Slowakisch und Ungarisch gesprochen hat. Die neuen Technologien halfen dabei, die Stimme des Papstes bis in die Wohnungen seiner Gefolgschaft zu bringen, sagt Marketing-Berater Rob Frankel. „Jahrhunderte alte Grundsätze werden plötzlich wieder relevant, und es wird der Eindruck erweckt, dass die Kirche auf der Höhe ihrer Zeit ist." Wikimedia Commons

image

1961: Papst Johannes XXIII. und das Reality-TV

Schon vor Big Brother und Dschungelcamp versuchte sich Papst Johannes XXIII am Reality-TV. Er gilt als einer der Vorreiter dieses Formats. 1961 gewährte er erstmals Kamerateams den Zugang zum Vatikan, um ihn während seines Alltags für eine Dokumentation zu begleiten. „Er war seiner Zeit voraus", sagt Clement Van Pelt, Theologe an der Universität Yale. „Er hat den Weg für die katholische Kirche vorgegeben. Die Auswirkungen sehen wir noch heute." Getty Images

image

1964: Papst Paul VI hebt ab

Bekannt als „Konzilpapst" war Paul VI. das erste katholische Kirchenoberhaupt, das sowohl in einem Flugzeug als auch in einem Hubschrauber flog. Er war auch der erste Papst, der alle sechs Kontinente besuchte. Sein Jungfernflug führte ihn 1964 nach Jordanien und Israel. Wenige Monate später reiste er dann in den Libanon und nach Indien. Und auch sonst war er seiner Zeit – zumindest im Vatikan – technologisch voraus. Er belebte das Zweite Vatikanische Konzil wieder, das sich mit der Beziehung zwischen katholischer Kirche und moderner Welt auseinandersetzen sollte. Nach seinem Tod im Jahre 1978 wurde es jedoch eingestellt. Getty Images

image

1965: Papst Paul VI setzt aufs Papamobil

Ford baute das erste nur für den Papst entwickelte Auto für die Reise von Paul VI nach New York im Jahre 1965. Doch der Name Papamobil setzte sich erst später durch, als Papst Johannes Paul II die Katholische Kirche führte. 1979 nutzte dieser einen Truck von Ford für seine Reise nach Irland. Das berühmte Papamobil wurde später von einem irischen Geschäftsmann gekauft, der es restaurierte und seit November für Abschlussfeiern vermietet.

Auch wenn die Papamobile sogar in der Serie „South Park" parodiert wurden, dienten sie vor allem der Sicherheit des Kirchenoberhaupts. Nach dem versuchten Mordanschlag auf Papst Johannes Paul II im Jahr 1981 wurden alle offiziellen Papst-Autos mit kugelsicherem Glas ausgestattet. Getty Images

image

2011: Papst Benedikt XVI telefoniert ins Weltall

Im vergangenen Jahr segnete Papst Benedikt XVI zwölf Astronauten in ihrer Raumstation im All. Es war der erste päpstliche Anruf, der bis in den Weltraum reichte. „Sie stehen an der Spitze der menschlichen Bemühungen, den Weltraum zu erforschen und Möglichkeiten für unsere Zukunft zu finden", sagte er den Besatzungsmitgliedern.

Das Telefonat wurde von der europäischen und der italienischen Raumfahrtagentur möglich gemacht, die Nasa leistete technische Unterstützung. „Wenn man bedenkt, wie schwer sich der Vatikan in der Vergangenheit mit der Astronomie getan hat, dann war das ein riesiger Schritt", sagt Rob Frankel. Wir erinnern uns: Als Galileo in einem Buch die Behauptung aufstellte, dass die Erde in Wirklichkeit um die Sonne kreist, sah man das als direkten Angriff auf Papst Urban VII. Der italienische Wissenschaftler wurde 1632 vor die Inquisition gezerrt und schuldig gesprochen. Er verbrachte den Rest seines Lebens unter Hausarrest. Getty Images

image

2011: Papst Benedikt XVI und das iPad

Zwar ist @Pontifex der erste Twitter-Account des Papstes. Doch es ist nicht das erste Mal, dass das katholische Kirchenoberhaupt einen Tweet absetzen wird. Bereits im vergangenen Jahr schrieb der Papst ein paar Zeilen für den offiziellen Account des Vatikans, um eine neue Nachrichtenseite zu bewerben. Und er machte dies mit einem iPad. „Liebe Freunde, ich habe gerade News.va gestartet. Gesegnet sei Jesus Christus! Meine Gebete und meine Segen begleiten Euch, Benedikt XVI", schrieb er. Getty Images