Die chinesische Regierung nimmt die boomende Kasinobranche in Macao stärker unter die Lupe. Das ist ein erstes Anzeichen dafür, dass die neue chinesische Führung ihre Ankündigung, künftig entschiedener gegen Korruption vorzugehen, in die Tat umsetzt. Unter Beobachtung stehen auch Veranstalter von Glücksspielreisen, sogenannten Junkets, die Spielern Zugang zu großen Summen bieten.

Die chinesische Regierung nimmt die boomende Kasinobranche in Macao stärker unter die Lupe. Agence France-Presse/Getty Images

In den vergangenen Wochen haben Polizisten aus China und Macao Mitarbeiter von mindestens drei Junket-Veranstaltern festgenommen, sagen Insider. Es handelt sich dabei um Mittelsmänner. Die haben Zockern, die um große Summen spielen, Kredite gegeben und ihre Schulden in China wieder eingetrieben. Einige seien in China festgenommen worden, andere habe man dorthin gebracht.

Für Kasinobetreiber in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao gelten inzwischen strengere Regeln, was grenzüberschreitende Transaktionen angeht. Die Polizei aus Macao habe kürzlich Informationen über die Gäste in ihren Hotels eingefordert, heißt es bei den Kasinos. Das sei nicht ungewöhnlich, habe aber angesichts der Festnahmen für Unruhe gesorgt. Die Behörden überprüfen auch die Regelungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und haben die Kasinobetreiber zu ihrer Meinung zu geplanten Änderungen befragt.

Details zu den Festnahmen gab die chinesische Polizei, die solche Vorgänge selten öffentlich macht, nicht bekannt. Sie seien „ein Versuch der chinesischen Regierung, den Leuten in diesem Geschäft zu sagen, dass sie sich benehmen sollen" – gerade was illegale Bankgeschäfte angehe, sagt Hoffman Ma, Manager beim Kasino Ponte 16 in Macao.

Macao macht mehr Umsatz als Las Vegas

Die ehemalige portugiesische Kolonie Macao erlebt einen Boom. Seit einigen Jahren strömen so viele chinesische Zocker dorthin, dass Macao mit dem Glücksspiel inzwischen fünf Mal so viel Umsatz macht wie Las Vegas. Internationale Behörden, darunter solche aus den USA, befürchten, dass wohlhabende Chinesen die Kasinos dazu benutzen, illegal Geld aus dem Land zu schleusen.

China verbietet es seinen Einwohnern, mehr als 50.000 Dollar Bargeld pro Jahr mit ins Ausland zu nehmen. Das gilt auch für Macao, das wie Hongkong zu China gehört, aber ein eigenes Finanzsystem und eigene Gesetze hat. Wenn sie in ausländischen Kasinos also mit höheren Beträgen spielen wollen, verlassen sich Chinesen oft auf die Junkets, die Zugang zu weit größeren Summen bieten.

Nach einer Analyse des Wall Street Journal von chinesischen Wirtschaftsdaten flossen in den zwölf Monaten bis vergangenen September etwa 225 Milliarden US-Dollar ins Ausland – darin sind auch die illegalen Transfers enthalten.

Macao oder Las Vegas – Wer ist die Kasino-Hauptstadt?

Dass immer mehr Chinesen ihren Reichtum zur Schau stellen und nach Macao reisen, um dort in den Kasinos zu spielen, beunruhigt die chinesische Regierung zunehmend. Die Empörung über Funktionäre, die in Korruptionsfälle verwickelt sind, war groß nach dem Fall des ehemaligen Politstars Bo Xilai. Er war im Frühling seiner Posten enthoben worden, seine Frau wurde des Mordes an einem britischen Geschäftsmann schuldig gesprochen.

Xi Jinping, der im vergangenen Monat die Führung der Kommunistischen Partei übernahm, machte in seiner ersten Rede als Parteichef die Korruption zum Thema. Sein Vorgänger Hu Jintao hatte in seiner letzten Rede davor gewarnt, dass Korruption unter Amtsträgern ein so großes Problem sei, dass es den Zusammenbruch der Partei und des gesamten Staates verursachen könnte.

Amerikanische Gesetzeshüter und Diplomaten vermuten schon lange, dass die Junket-Veranstalter Geld waschen und Verbindungen zu Gruppen des organisierten Verbrechens namens Triads haben. Erst am Wochenende wurde ein ehemaliger Anführer einer dieser Gruppen, die in Macao aktiv sind, nach einer Haftstrafe von 14 Jahren aus einem Hochsicherheitsgefängnis entlassen. Er war unter anderem wegen Geldwäsche und seiner Triad-Mitgliedschaft verurteilt worden. Seitdem Macao 1999 wieder chinesischer Kontrolle untersteht, ist die Gewalt, die von diesen Gruppen ausgeht, zurückgegangen.

Im vergangenen Monat habe die Polizei Pang Yufeng, Partner eines großen Junket-Veranstalters festgenommen, sagen Insider. Er soll Verbindungen zu dem in Ungnade gefallenen Bo Xilai haben. Zusammen mit seinen Verbündeten sei er auf Aufforderung der chinesischen Behörden nach China gebracht worden, heißt es.

Pang ist einer von vier Partnern bei dem Veranstalter von Glücksreisen David Star, der bei allen sechs Kasinobetreibern ein Büro hat. Dazu gehörten auch die amerikanischen Betreiber Wynn Resorts und Las Vegas Sands, LVS -0,46% Las Vegas Sands Corp. U.S.: NYSE $67,54 -0,31 -0,46% 27 Aug. 2014 16:01 Volumen (​15 Min. verzögert) : 4,02 Mio. NACHBÖRSLICH $67,54 0,00 % 27 Aug. 2014 18:44 Volumen (​15 Min. verzögert) : 16.879 KGV 20,78 Marktkapitalisierung 54,64 Milliarden $ Dividendenrendite 2,96% Umsatz/Mitarbeiter 306.370 $ sagen mit der Sache vertraute Leute.

Die chinesische Polizei hat auch auf dem chinesischen Festland Mitarbeiter von mindestens vier Junket-Veranstaltern festgenommen, die in Macao aktiv sind und illegaler Bankgeschäfte beschuldigt werden, sagen Insider. Einer von ihnen sei Qi Si Xin, ein weiterer Partner von David Star. Qin sei auf einem Konto von Las Vegas Sands aufgeführt, auf dem unternehmensinterne Transaktionen zwischen Macao und Las Vegas verbucht sind. Im September 2009 erhielt er demnach 1,65 Millionen Dollar von einem Junket-Veranstalter in Macao. Wofür das Geld sein soll, ist nicht klar, aber es gibt keinen Beweis dafür, dass es sich um eine illegale Transaktion handelt.

Solche Überweisungen, bei denen grenzüberschreitend Gelder fließen, sorgen bei Kasinobetreibern und US-Behörden für Besorgnis. Sie befürchten, dass Kunden sich der Unternehmenskonten bedienen könnten, um Geld zu waschen.

Regierung hat Einreiseregeln verschärft

Dass die Behörden derzeit so hart durchgreifen, ist wohl kein Zufall. Gerade untersucht die Regierung in Macao die Regeln zur Bekämpfung von Geldwäsche. Hongkong hat die Regeln bereits im Frühjahr verschärft. Viele seien deshalb mit ihren Bankgeschäften nach Macao ausgewichen, heißt es aus Kreisen.

Es gibt aber einige Hinweise darauf, dass die Zocker, die über die Junkets mit hohen Einsätzen spielen, sich etwas zurücknehmen. Im dritten Quartal sanken die Glücksspieleinahmen in Macao um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das war der erste Rückgang seit 2009. Der Umsatz, der an Automaten und für alle zugänglichen Spieltischen gemacht wurde, nahm nach Regierungsstatistiken währenddessen um 27 Prozent zu.

Die chinesische Regierung hat 2008 die Einreiseregeln für Ausländer, die nach Macao kommen, verschärft. Das habe dem Glücksspielgeschäft geschadet, sagt Hoffman Ma, der Manager aus dem chinesischen Kasino. „Die Visa-Beschränkungen zeigen, dass die Regierung die Macht hat, die Glücksspiel-Einnahmen in Macao zu kontrollieren, wenn sie will."

—Mitarbeit: Deborah Kan