QUITO – Der Präsident von Ecuador, Rafael Correa, hat kräftig gegen internationale Medien ausgeteilt. Beobachter werten das als Zeichen der Unterstützung für Edward Snowden. Der frühere Geheimdienstmitarbeiter, der Details zu US-Abhörprogrammen öffentlich gemacht hatte, hat in dem Andenstaat um Asyl gebeten.

Über seinen offiziellen Twitter-Account erklärte Correa am Mittwoch, die Medien versuchten, von den Enthüllungen Snowdens über die Tätigkeit der US-Geheimdienste abzulenken und würden sich stattdessen auf die Länder, die Snowden ihre Unterstützung angeboten hätten, konzentrieren.

Liebt die große Bühne: Rafael Correa, Präsident von Ecuador. Associated Press

„Seht ihr die Macht der internationalen Medien?" schrieb Correa. „Sie haben es geschafft, die Aufmerksamkeit auf Snowden und die ‚bösen' Länder zu richten, die ihn ‚unterstützen'. Damit lassen sie uns die furchtbaren Dinge vergessen, die er dem amerikanischen Volk und der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Die Weltordnung ist nicht nur unfair, sondern auch unmoralisch." Der sozialistische Staatschef ist schon öfter mit scharfer Kritik an heimischen und ausländischen Nachrichtenorganisationen via Twitter aufgefallen.

Das Büro des Präsidenten bestätigte, dass Correa die Nachrichten selbst verfasst hat. Die Washington Post und andere Medien hatten zuvor Leitartikel veröffentlicht, in denen Correas Rolle als selbsternannter Verteidiger der Meinungsfreiheit und seine Motive für den Schutz Snowdens kritisiert wurden. Der 30-Jährige Snowden wird in den USA wegen Geheimnisverrat gesucht.

Derzeit hält sich Snowden offenbar im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo in Moskau auf, nachdem er am Wochenende aus Hongkong geflohen war. Am Mittwoch hatte der Außenminister von Ecuador, Ricardo Patiño, erklärt, seine Regierung erwäge Snowden Asyl zu gewähren, wenn dieser eine der Botschaften des Landes erreicht.

Die Regierung vbestritt am Mittwoch jedoch, dem Snowden Reisepapiere für seinen Flug von Hongkong nach Moskau ausgestellt zu haben. Es gebe „keinen Pass" und „kein Dokument, das von einem ecuadorianischen Konsulat ausgefertigt wurde", teilte das Außenministerium imit. Snowden habe von Ecuador auch keinen Nachweis bekommen, dass er ein Flüchtling sei.

Mit dem Asylantrag von Snowden erlebt Ecuador wieder einmal einen seltenen Moment im globalen Rampenlicht. Correa genießt das sichtlich. Zuletzt hatte der Andenstaat im Juni 2012 so viel Aufmerksamkeit erfahren. Wikileaks-Gründer Julian Assange war damals in die Botschaft des Landes in London geflohen, um sich der Auslieferung nach Schweden zu entziehen.

In seiner Heimat wird Correa aber für seine Versuche kritisiert, die örtlichen Medien mundtot zu machen. Erst in dieser Woche trat ein neues Kommunikationsgesetz in Kraft, dass nach Ansicht von Kritikern ein Schritt in Richtung Zensur ist. Correa streitet das ab.

Das Gesetz sieht die Einrichtung einer Aufsicht vor, die Reporter und Medien beaufsichtigt und auch Strafen aussprechen kann. Zudem wird die Verbreitung von Informationen verboten, die den öffentlichen Ruf einer Person gefährden.

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