Die Deutsche Bundesbank beugt sich politischem Druck und holt das Gold heim - jedenfalls teilweise. Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele bestätigte am Mittwoch in Frankfurt, was vorher schon durchgesickert war: Die Goldbestände in Paris, 374 Tonnen, werden aufgelöst und nach Frankfurt gebracht. Darüber hinaus werden aus New York 300 Tonnen überführt - doppelt so viel wie bisher kommuniziert. Außerdem sollen offenbar die Verträge geändert werden, die die Bundesbank mit der New Yorker Fed über die Goldlagerung abgeschlossen hat.

Deutschland verfügt derzeit über 3.391 Tonnen Gold, von denen derzeit 45 Prozent in New York liegen, 31 Prozent in Frankfurt, 13 Prozent in London und 11 Prozent in Paris. Sie sind das Ergebnis der in den 1950er bis 1960er Jahren erzielten Leistungsbilanzüberschüsse und der Mitgliedschaft Deutschlands in der Europäischen Zahlungsunion und dem Währungssystem von Bretton Woods. Diese bewirkten eine Abgeltung von Leistungsbilanzüberschüssen in Gold.

Ziel ist es, bis 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven in Deutschland zu verwahren. "Wir werden in diesem Jahr beginnen und spätestens 2020 enden - das ist unser Ziel", sagte Thiele, der den Eindruck nicht verwischen konnte, dass die Bundesbank damit auch auf öffentlichen Druck reagiert.

Schon in Frankfurt: Goldbarren der Bundesbank. Associated Press

Der Bundesrechnungshof hat die Bundesbank im vergangenen Jahr zu einer "körperlichen Aufnahme" der teilweise noch nie erfassten Goldbarren aufgefordert - ein Ansinnen, auf das die Bundesbank nun offenbar einzugehen versucht, das aber eigentlich den "Usancen zwischen Notenbanken" widerspricht. Außerdem gibt es die Bürgerinitiative "Holt unser Gold heim", die Druck macht.

Bundesbankvorstand Thiele sagte, dass die New Yorker Fed Verständnis für die Diskussion in Deutschland habe und dass "Gespräche über weitergehende Kontrollen" stattfänden. Offenbar müssen dafür aber die bestehenden Verträge geändert werden, die eine kostenfreie Einlagerung vorsehen. Thiele sagte: "Wenn man Verträge ändern will, dann müssen beide Seiten zustimmen." Auch Kosten werde der Transport verursachen, wenngleich Thiele nicht bereit war, diese zu beziffern.

Dass die Pariser Bestände aufgelöst werden, scheint noch am leichtesten verständlich: Die Goldreserven sind vor allem dazu da, um sie im Krisenfall in andere Währungen umzutauschen. Seit 1999 wird in Paris aber ebenso wie in Frankfurt mit Euro gezahlt. Außerdem muss das Gold nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation nicht mehr möglichst weit im Westen gelagert werden.

Die 20 größten Goldreserven der Welt

Schwerer tat Thiele sich damit, die Verlagerung aus New York zu begründen: Hatte die Bundesbank im Herbst 2012 noch von der Verlagerung von 150 Tonnen gesprochen und dabei offen gelassen, ob das nur vorübergehend zu Prüfzwecken geschehen solle, geht es nun um das Doppelte. Und es ist auch klar, dass dieses Gold in Frankfurt bleiben soll.

Warum die Verlagerung aus New York? Zunächst geschieht das nach Aussage von Thiele deshalb, weil in Frankfurt Lagerkapazitäten frei geworden sind, die dafür genutzt werden können. Zum anderen "verhalten wir uns so, wie sich andere Notenbanken in der Vergangenheit verhalten haben und immer noch verhalten."

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