Liebe Leser,

nach der Eskalation im Ukraine-Konflikt am Donnerstag ringt der Westen – wieder einmal – um eine Antwort. Ob Invasion oder „Einfall", wie es die Nato offiziell nennt: Die Beteiligung russischer Soldaten an den Kämpfen im Osten der Ukraine ist nun offenkundig. Und wieder einmal stellt sich die Frage, wie weit Russlands Präsident Wladimir Putin zu gehen bereit ist. In Osteuropa wächst die Angst, und Prognosen wagt kaum noch jemand. Denn dass russische Soldaten auf ukrainischem Boden kämpfen, wäre vor ein paar Monaten auch noch undenkbar gewesen.

Aus seiner Genugtuung über die Erfolge der Separatisten in der Ostukraine macht Putin jedenfalls keinen Hehl. In einem offiziellen Schreiben auf der Internetseite des Kreml gratuliert er den Milizen „Neurusslands" zum militärischen Erfolg und ruft ganz staatsmännisch zur Bildung eines „humanitären Korridors" auf, über den ukrainische Soldaten aus der Region fliehen sollen, wenn sie diese – so die Botschaft zwischen den Zeilen – nun gefälligst verloren geben.

USA und Europäer hat Putin einmal mehr in die Defensive gedrängt. Sie müssen eine Antwort geben, die nur in neuen, noch einmal verschärften Wirtschaftssanktionen bestehen kann. An den Märkten werden diese bereits eingepreist, der russische Rubel fällt am Freitag auf ein Allzeittief. Dass die Sanktionen neben der Börse auch Moskau beeindrucken werden, ist aber mehr als fraglich.

Neben dem Ukraine-Konflikt wird es auf dem EU-Gipfel am Wochenende auch einmal mehr um Personalfragen geben. Nach wie vor sind die meisten Top-Jobs in Brüssel zu vergeben, unter anderem die Nachfolge von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy oder die der EU-Außenbeauftragen Catherine Ashton. Gerade bei letzterem Job wäre schnelle Klarheit angesichts der Vielzahl außenpolitischer Konflikte wünschenswert. Die Aussagen der vergangenen Tage deuten aber nicht auf einen schnellen Kompromiss hin.

Personelle Klarheit gibt es hingegen beim britischen Supermarktriesen Tesco. TSCO.LN -6,64% Tesco PLC U.K.: London GBp229,95 -16,35 -6,64% 29 Aug. 2014 16:36 Volumen (​15 Min. verzögert) : 130,45 Mio. KGV 0,19 Marktkapitalisierung 18,68 Milliarden GBp Dividendenrendite 8,81% Umsatz/Mitarbeiter 124.513 GBp Bereits im Juli kündigte der glück- und strategielose Vorstandschef Philipp Clarke seinen Rücktritt an. Im Oktober sollte er von Ex-Unilever-Manager Dave Lewis abgelöst werden. Weil bei Tesco ansonsten aber überhaupt nichts klar ist, kommt Lewis nun schon am kommenden Montag. Heute hat der Konzern, der von den deutschen Discountern Aldi und Lidl bedrängt wird, ein weiteres Mal seine Gewinnprognose zurückgenommen. Außerdem wird die Dividende radikal gekürzt. An der Börse bricht die Tesco-Aktie erneut ein und fällt auf den tiefsten Stand seit elf Jahren.

Verglichen damit hält sich die Aktie von Manchester United ziemlich gut. Dabei steckt der Verein nach der miserablen Vorsaison auch unter dem neuen Trainer Louis van Gaal schon wieder tief in der Krise. An der Börse hat das die Hedgefonds auf den Plan gerufen. Prominente Fondsmanager glauben, dass sich der sportliche Misserfolg bald auch finanziell niederschlagen wird, und wetten auf einen Kursverfall der Aktie. Andere Hegefonds halten dagegen.

Wer richtig liegt, könnte sich schon morgen zeigen. Dann spielt Manchester United beim FC Burnley. Der ist aktuell Vorletzter der Premier League. Heißen muss das aber nichts: Am Dienstag unterlag die van-Gaal-Truppe im Ligapokal beim Drittligisten Milton Keynes Dons mit 0:4.

Ihnen allen wünsche ich ein erfolgreiches Wochenende!

Beste Grüße
Ihr Ralf Drescher.