Aktualisiert Montag, 28. Januar 2013, 15:04 Uhr

Die Wirren der Energiewende

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Deutschland braucht neue Stromnetze. Denn der grüne Strom muss vom Norden - wo viele Wind- und Solarparks stehen - in den Süden gebracht werden, wo die meisten Industriebetriebe sitzen. Und die Deutschen wollen die Energiewende. Doch sobald es den eigenen Vorgarten betrifft, werden sie erstaunlich konservativ. Energieminister Peter Altmaier will eine Anleihe auf Stromnetze herausgeben, um die Bürger ins Boot zu holen. Die Deutschen schauen zu, ob es klappt - zumindest solange der Fernseher noch Strom hat. dapd

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Trotz Subventionskürzungen ist die Menge an teuer bezuschusster Solarenergie im vergangenen Jahr kräftig gestiegen - 28 Milliarden Kilowattstunden wurden 2012 erzeugt, das sind 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinter den Kulissen wird unterdessen über weitere Änderungen am Fördersystem diskutiert. dapd

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Denn die Deutschen reagieren allergisch auf den Strompreisanstieg: Drei von vier Bundesbürgern sagen, dass sie ein Problem mit höheren Kosten durch die Förderung erneuerbarer Energien haben. Dabei ist der Anstieg der EEG-Umlage nicht allzu hoch - er liegt bei weniger als sechs Euro pro Monat und vierköpfiger Familie. dapd

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Ein weiteres Problem: Die Interessen von Bund und Ländern zu verkabeln. Kanzlerin Angela Merkel passt es nicht, dass die Regierungen vor Ort kräftig ausbauen. Sie will nur dort Solar- und Windanlagen, wo sie tatsächlich nötig sind. dapd

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Die Kernkraftwerke sollen bis 2022 vom Netz genommen sein. Doch wo der strahlende Müll landet, ist noch alles andere als klar. Fest steht, dass der Rückbau teuer wird - 30 Milliarden Euro sind dafür geplant. dapd

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Im weiteren Sinne auch ein Teil der Energiewende: Der Ausbau der Elektroautos auf Deutschlands Straßen. Eigentlich sollten im Jahr 2020 eine Million der abgasfreien Fahrzeuge unterwegs sein. Jetzt sind es knapp 5.000. Das Ziel gilt mittlerweile als utopisch, aber die Kanzlerin sträubt sich, es zu revidieren. dapd

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Die Energie von sechs Atomkraftwerken sollen deutsche Offshore-Windparks bis 2020 erzeugen. Zur Zeit ist genau einer am Netz - Alpha Ventus in der Nordsee erzeugt 60 Megawatt. Bisher vergraulten unklare Haftungsregeln die Investoren. Nun soll ein neues Gesetz es richten. dapd

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Auch beim Thema Energieeffizienz ist die Regierung noch nicht weit gekommen. Ein Gesetz sollte Hausbauer dazu animieren, die Wände zu dämmen, damit die Wärme nicht verschwendet wird. Doch der Bundesrat blockiert den Vorschlag bisher. dapd

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Ein großes Problem: Der grüne Strom macht Gaskraftwerke in Deutschland unrentabel. Darum überlegen die Stromkonzerne, sie abzuschalten - so wie es Eon jüngst beim Gasblock Irsching 5 in Bayern erwog. Dadurch, dass die konventionellen Anlagen vom Netz gehen, könnte die Energie fehlen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Die Deutschen wird das spätestens interessieren, wenn sie die Sportschau nicht mehr gucken können. dapd

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