Als ein Samsung 005930.SE -2,61% Samsung Electronics Co. Ltd. S. Korea: KRX KRW1.194.000 -32.000 -2,61% 02 Sept. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 317.992 KGV 6,22 Marktkapitalisierung 203.605,09 Milliarden KRW Dividendenrendite 0,08% Umsatz/Mitarbeiter N/A -Manager vergangene Woche auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas einen neuen Chip vorstellte, löste er damit eine Welle an Nachrichten aus, die sich mit einem völlig anderen Produkt beschäftigten: Dem nächsten High-End-Smartphone der Südkoreaner.

Seit vier Monaten spekulieren Tech-Blogger und Journalisten über Details der kommenden Version des beliebten Galaxy-Smartphones von Samsung, das vermutlich den Zusatz S IV tragen wird. Bisher haben die Südkoreaner nämlich jedes Jahr ein neues Gerät der Serie nach dem gleichen Namensmuster vorgestellt.

Eine Verkäuferin poliert den Bildschirm des aktuellen Samsung-Smartphones Galaxy S III. Reuters

Spekuliert wird über einen größeren Bildschirm, eine flachere Hülle, einen zusätzlichen Stift, den Verzicht auf Tasten und – natürlich – einem leistungsfähigeren Chip und verbesserte Akku-Laufzeit. Im November hieß es sogar, dass der Bildschirm unzerbrechlich und das ganze Gerät wasserfest sei. Selbst Bilder von einer Einladung zu einem Presseevent im März in Südkorea tauchten auf einigen Internetseiten auf.

All das ähnelt schon sehr dem regelmäßigen Hype um neue iPhones von Apple. Im vergangenen Jahr hatte Samsung den US-Konkurrenten erstmals beim weltweiten Absatz von Smartphones überholen können. Auch wenn die Produktvorstellungen von Samsung noch längst nicht so einen Aufruhr erzeugen wie bei Apple, so hat sich doch gezeigt, dass sich die Südkoreaner zu einem ebenbürtigen Konkurrenten entwickelt haben. Das Galaxy S III, das im Mai erschien und mit Googles Android-System läuft, wird von vielen potenziellen Käufern als das erste Produkt angesehen, das an Apples iPhone heranreichen und es sogar übertreffen kann.

Neues Modell im April oder Mai fällig

Unterstützt von einem verbesserten Betriebssystem hat Samsung den Bildschirm größer als den des iPhone gemacht, die Auflösung verbessert und eine Plastikhülle verbaut, wodurch das Gerät leichter als seine Vorgänger ist. Trotzdem ist das S III immer noch ein bisschen schwerer als das iPhone 5 und auch dicker.

Bei Samsung hält man sich bislang bedeckt. Kaum etwas ist bekannt über die nächste Galaxy-Generation. Nicht einmal ein Veröffentlichungsdatum steht. Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass das Unternehmen seinem bisherigen Rhythmus treubleiben wird. Ein neues Modell dürfte demnach im April oder Mai in den Handel kommen. In einer Stellungnahme teilte Samsung lediglich mit: „Sobald das Gerät tatsächlich fertig und bestätigt ist, werden wir Details zum Produktstart nennen."

Anfang der Woche hatte das Unternehmen erklärt, man habe seit 2010 über 100 Millionen Galaxy-S-Smartphones verkaufen können – darunter je 40 Millionen vom S II und S III. Die Galaxy-Modelle stehen jedoch nur für die hochwertige Kategorie an Smartphones bei Samsung. Billigere und weniger leistungsstarke Modelle machen nach wie vor 50 Prozent der Verkaufszahlen beim Unternehmen aus.

Vor einem Jahr häuften sich im Januar die Spekulationen, Samsung könne das S III anlässlich einer Technik-Messe in Europa im Februar präsentieren. Stattdessen wurde das Gerät bei einer Pressekonferenz im Mai in London vorgestellt. Im gleichen Monat kam das Smartphone in Europa auf den Markt, im Juli dann auch in anderen Ländern wie den USA.

Spekulationen um neuen Chip

„Dieses Mal gibt es auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit", sagt Brian Klug, bei der amerikanischen Tech-Seite Anandtech.com für die Berichterstattung über Smartphones zuständig ist. „Mit jedem neuen Galaxy S wird es mehr." Anandtech hatte Anfang der Woche berichtet, dass das neue Gerät einen etwas größeren Bildschirm haben werde. Statt 4,8 Zoll soll der Durchmesser nun 4,99 Zoll, etwa 12,67cm, betragen. Außerdem soll es in der Lage sein, Videos in Full-HD-Auflösung wiederzugeben. Samsung bat die Webseite darum, ein Bild von einem größeren Bildschirm des Unternehmens zu löschen, das während der CES aufgenommen worden war, sagte Klug. Samsung selbst wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern.

Auf der CES hatte Stephen Woo, bei Samsung für mobile Prozessoren zuständig, ein neues Design für einen Prozessor vorgestellt, der mit acht Kernen läuft – vier leistungsfähige und vier etwas schwächere. Wenn das Gerät dann nur rudimentäre Aufgaben erfüllen muss, sollen die einfacheren Kerne die Arbeit übernehmen und damit die Akku-Laufzeit steigen.

Die Präsentation des neuen Prozessors veranlasste viele Tech-Journalisten zu Spekulationen, der neue Chip mit Namen Octa könnte bereits im Galaxy S IV zum Einsatz kommen. „Samsung stellt seine eigenen Bausteine her. Wann immer sie sich zu einem neuen Produkt äußern, kommt natürlich die Frage auf, ob das vielleicht im neuen Galaxy Einzug hält", sagt Gareth Beavis, Redakteur bei der britischen Website Techradar.com. „Dieser Schritt ist ja nun nicht wirklich schwierig."

Doch all dieser Hype erweist sich für Samsung als zweischneidiges Schwert. Einerseits zeigt er, dass es den Verantwortlichen gelungen ist, den ersehnten Apple-ähnlichen Status zu erreichen. Andererseits sorgt er auch für die Gefahr, dass Kunden mit einer Anschaffung des aktuellen Galaxy-Smartphones warten, um erst später bei der neuen Version zuzugreifen.

„Immer noch der Außenseiter"

Bei Apple hatte man in der Vergangenheit bereits erklärt, dass sich dieses Phänomen bei seinen Produkten durchaus bemerkbar mache. „Unsere wöchentlichen iPhone-Verkäufe werden nach wie vor von Spekulationen und Gerüchten über neue Produkte beeinflusst", sagte Finanzchef Peter Oppenheimer im vergangenen Juli während einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen und kurz vor der Veröffentlichung des iPhone 5. Apple verkaufte im damals gemeldeten Quartal 26 Millionen iPhones. In den drei Monaten zuvor waren es noch 35,1 Millionen Geräte gewesen.

Apple-Chef Tim Cook äußerte sich später ähnlich. Im vierten Quartal hatte es einen Rückgang bei den iPad-Verkaufszahlen gegeben. „Es zeigt sich deutlich, dass sich die Kunden bei Gerüchten über neue Produkte mit dem Kauf zurückhalten", sagte er im Oktober.

Gerüchte könnten auch dafür sorgen, dass die Erwartungen bezüglich neuer Innovationen von Samsung immer größer werden. Die Südkoreaner sind einer von vielen Herstellern von Android-Geräten. So loyale Kunden wie Apple hat das Unternehmen nicht. „Sie müssen auch weiterhin innovativ bleiben", sagt Beavis. „Ich würde behaupten, dass sie immer noch der Außenseiter sind."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de