ROM—Die Regierung von Premierminister Mario Monti hat am Freitag Pläne vorgestellt, um wieder mehr Touristen ins Land zu locken. Denn seit zwei Jahrzehnten fahren immer mehr Urlauber lieber nach Spanien und Frankreich anstatt nach Italien.

Unter anderem sollen Bauvorschriften für Hotels geändert, Tourismussteuern überarbeitet und öffentliche Gelder gezielter in diesen Sektor investiert werden, um zum Beispiel die Ausbildung von Hoteliers und Touristikstudenten zu verbessern.

„Der Tourismus ist womöglich der einzige Bereich, wo Italien einen deutlichen und dauerhaften Vorsprung hat, doch bisher hat ihn noch keine Regierung zum Kernthema gemacht", sagt Piero Gnudi, Minister für Tourismus.

Gondeln fahren auf dem Canale Grande in Venedig. Associated Press

Der Tourismus macht derzeit 8,6 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung aus und sichert jeden zehnten Arbeitsplatz, zeigen Daten des World Travel and Tourism Council. In Spanien macht dieser Sektor 14,9 Prozent des BIP aus, in Frankreich 9,3 Prozent. In beiden Ländern entstehen deshalb auch mehr Jobs als in Italien. Laut der italienischen Zentralbank ist Italiens Anteil an Europa-Besuchern aus anderen Kontinenten in den vergangenen 30 Jahren um die Hälfte gefallen.

Zu den wichtigsten Vorschlägen der Regierung Monti gehört ein Gesetz, das Bauvorschriften so lockert, dass familieneigene Hotels in Wohn- oder Büroflächen verwandelt werden können. So können die Besitzer besser mit nicht mehr profitablen Hotels umgehen. Italien hat doppelt so viele Hotelzimmer wie Spanien, aber nur eine halb so hohe Auslastung.

Rom, Venedig und Florenz ziehen die Hälfte aller Urlauber an

Die Regierung schlägt außerdem vor, einen öffentlichen Fonds zu schaffen, der sich aus existierenden Steuern speist und in den Tourismussektor investiert.

Die italienische Mehrwertsteuer auf Hotels und Bars beträgt zehn Prozent, verglichen mit sieben Prozent in den meisten europäischen Staaten. Die Differenz sollte in den Tourismusfonds geleitet werden, sagt Gnudi. Örtliche Steuern auf Hotelübernachtungen sollten standardisiert werden und Tourismusinitiativen finanzieren.

Da in Italien Ende Februar Parlamentswahlen anstehen, wird die nächste Regierung die am Freitag vorgeschlagenen Maßnahmen absegnen müssen.

Mallorca und anderen spanische Inseln ziehen elfmal mehr internationale Besucher an als Sizilien, obwohl die italienische Insel eine längere Küste hat, sagt Gnudi. Italien liegt außerdem beim religiösen Tourismus hinter Frankreich zurück, der insgesamt 7,5 Milliarden Euro ausmacht, sagt er.

Das Ziel ist daher, mehr internationale Touristen nach Italien zu locken, und das nicht nur in die „Kunststädte" wie Rom, Venedig und Florenz. Dorthin reisen genauso viele Touristen wie in alle italienischen Strand- und Bergstädte zusammen. Die Lösung dafür ist laut Gnudi, in Süditalien ein großes Projekt wie Disneyland zu bauen, das internationale Touristen anzieht. „Wir können es uns nicht mehr leisten, nur mit Campern zufrieden zu sein", sagt er.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de