Unter Goldminen-Experten ist es verpönt, sich mit „Hedging"-Geschäften gegen Kursverluste abzusichern. Das geht so weit, dass neulich ein Analyst bei einem Telefonat nach Bekanntgabe der Quartalszahlen des Bergbaukonzerns Newcrest Mining zwar erst zugab, einen Bericht zum Hedging geschrieben zu haben, dann aber schnell hinzufügte, ihm sei „noch keine Todesdrohung zu Ohren gekommen".

Hedging hat einen schlechten Ruf, und dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen beschränkt es mögliche Kursgewinne, wenn man einen Festpreis für Gold vereinbart, um sich gegen Kursverluste abzusichern. Zum anderen hat die Goldbranche insgesamt schlechte Erfahrungen mit dem Hedging gemacht. Als der Goldmarkt im Jahr 1999 zum Bullenmarkt wurde, wurden viele zuvor geschlossene Deckungsgeschäfte zum Bremsklotz für Gewinne. Entsprechend jubelten Anleger im Jahr 2009, als Barrick Gold, der weltgrößte Gold-Bergbaukonzern nach Produktionsmenge und einer der letzten Hedging-Anhänger, ein Ende seiner Absicherungsstrategien verkündete.

Goldmine im US-Bundesstaat Nevada: Es gibt Anzeichen dafür, dass sich Bergbaukonzerne wieder mit Hedging-Geschäften gegen Kursverluste absichern. Associated Press

Nun aber gibt es Anzeichen dafür, dass das Hedging wiederkehrt – und das leitet sich nicht allein von diesem einen gewagten Analystenbericht her. Die Bank Société Générale etwa führe bereits eifrig Gespräche mit mittelgroßen Goldkonzernen über Hedgingstrategien, erzählt Robin Bhar, der die Metallmarktforschung bei Société Générale leitet. Und der Bergbaukonzern Petropavlovsk, der an der Londoner Börse gelistet ist, hat für fast die Hälfte seiner erwarteten Goldproduktion im zweiten Halbjahr 2013 feste Preise vereinbart.

Ein plötzliches Interesse an solchen Versicherungen ist ein schlechtes Zeichen. Goldminenbetreibern sind chronisch mit Fremdkapital unterversorgt, das ist ihr Problem. Investoren halten die Aktien der Bergbaukonzerne vor allem deshalb, weil sie überdurchschnittliche Gewinne erwarten können, wenn der Goldpreis steigt. Aber wenn die Kosten im Bergbau schneller steigen als der Preis, dann wachsen die Gewinnspannen nicht. Aus dem Grund ist die Branche in den Jahren zwischen 2007 und 2012 nur um 16 Prozent gewachsen, obwohl der Goldpreis sich zeitgleich fast verdreifacht hat.

Der durchschnittliche Goldpreis sinkt schneller

Umgekehrt können Goldpreise auch wesentlich schneller abstürzen, als die Kosten für Arbeitskräfte und Anlagen sinken. Bei der Bekanntgabe seiner Ergebnisse in der vergangenen Woche teilte Barrick Gold mit, dass seine gesamten Kosten für den Abbau von Gold in der ersten Hälfte dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 64 US-Dollar je Feinunze oder 4,6 Prozent auf 1.323 Dollar gesunken sind. Aber der durchschnittliche Goldpreis sank viel schneller: um 128 Dollar oder 7,8 Prozent auf 1.523 Dollar (aktuell liegt der Goldpreis bei 1.286 Dollar).

In den Kosten ist auch eine beträchtliche Summe für Kapitalinvestitionen berücksichtigt, die laufenden Kosten sind also niedriger. Bei Barrick betrugen sie im ersten Halbjahr 558 Dollar je Feinunze. Doch die Ausgaben können nicht ewig aufgeschoben werden: Die Minen müssen instandgehalten werden. Und in diesem Bereich gibt es Anlass zur Sorge: Die Betriebskosten sind nur um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen.

In diesem Umfeld ist das Hedging verführerisch. Doch für die größten Bergbaukonzerne scheint es dennoch nicht ratsam. Vor kurzem haben 61 Prozent der Investoren bei einer Umfrage von J.P. Morgan gesagt, dass sie dagegen seien, dass die Unternehmen einen Festpreis für Gold vereinbaren.

Um ihr Wachstum zu finanzieren, kann das Hedging für Firmen sinnvoll sein – Banken vergeben eher Kredite, wenn der Cashflow stabil ist. Deshalb haben in den 1990er Jahren viele Bergbauunternehmen darauf zurückgegriffen. Doch heute ist das anders. Als Barrick vergangene Woche Abschreibungen auf Vermögenswerte in Höhe von 8,7 Milliarden Dollar verkündete, teilte das Unternehmen mit, dass es nicht plane, neue Minen zu bauen.

Wer heute einen festen Goldpreis vereinbart, dürfte damit seinem Ziel entgegenwirken. Es würde so aussehen, als gingen die Bergbaukonzerne davon aus, dass die Preise sogar noch tiefer in den Keller gehen. Das würde mit einem breiteren Markttrend einhergehen: Aus börsengehandelten Fonds, die mit wertvollen Metallen – vor allem Gold – besichert sind, sogenannten ETFs, floss laut der Citigroup im Juli bereits den siebten Monat in Folge Geld ab. Würden viele Unternehmen sich durch Hedging absichern, würde das die Goldpreise weiter unter Druck setzen, was wiederum das Hedging befeuern und einen weiteren Absturz auslösen würde – ein Teufelskreis.

Hinzu kommt: Indem sie sich gegen Preisschwankungen absichern, würden die Bergbaufirmen ihr Hauptproblem betonen – weil die ETFs als Alternative bereitstehen und die Unternehmen viel sparen und wenig investieren, gibt es für Investoren kaum Gründe, ihre Aktien zu kaufen.

Diejenigen, die Anleihen von Bergbaufirmen halten, würden eine Absicherung des Cashflows sicher begrüßen. Die seit langem leidenden Inhaber von Wertpapieren dagegen weniger.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de