BERLIN – Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras sieht sein Land trotz aller Schwierigkeiten auf einem guten Weg. „Ich sehe das Glas halb voll, die Dinge werden besser gehen", betonte Samaras bei einem Besuch in Berlin. „Wir liefern, und Europa hilft", sagte Samaras am Dienstag. In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach der griechische Ministerpräsident, sein Land tue alles Erforderliche, um das Vertrauen der Europäischen Union und der Märkte zurückzuerlangen. „Wir möchten das Bestmögliche tun, um Liquidität zu gewährleisten", sagte Samaras.

Angela Merkel und Antonis Samaras am Dienstag in Berlin. Timur Emek/dapd

Um sein Land auf den richtigen Weg zu bringen, würden „systematische Maßnahmen" ergriffen und entsprechende Gesetzentwürfe eingebracht. Er verwies darauf, dass er „von vornherein klarstellen möchte", dass sein Land große Anstrengungen unternommen und Opfer gebracht habe. Vor allem unter der hohen Arbeitslosigkeit, insbesondere der Jugend, leide Griechenland. Mehr als die Hälfte aller jungen Griechen unter 26 Jahre sind ohne Arbeit.

Merkel betonte, dass sie mit Samaras über die anstehenden Aufgaben innerhalb der EU beraten wolle. Dabei verwies sie darauf, dass eine stärkere wirtschaftliche Koordinierung verabredet werden müsse. Sie wolle sich zugleich über die Fortschritte bei der Umsetzung des Reformprogrammes in Griechenland informieren, sagte die Kanzlerin. Außerdem wolle sie Samaras berichten, welche wirtschaftliche Lage in Deutschland zu erwarten sei. „Denn auch wir müssen alles daransetzen, Wirtschaftswachstum und damit Sicherheit für Arbeitsplätze zu garantieren", unterstrich Merkel.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobte die Reformanstrengungen in Griechenland. In Griechenland sei viel Positives passiert, sagte Schäuble nach Angaben eines Konferenzteilnehmers an einer Veranstaltung der Tageszeitung Die Welt. Schäuble verwies in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung der Lohnstückkosten in Griechenland. Alle Zeichen in Griechenland sprächen für einen Fortschritt der Reformen, betonte Schäuble nach Angaben des Konferenzteilnehmers.

Insgesamt sieht der deutsche Finanzminister beachtliche Fortschritte seit Beginn der europäischen Schuldenkrise. Europa brauche vor allem eines und das sei „mehr Wettbewerbsfähigkeit". Deshalb dürften jetzt keine Fehlanreize gesetzt werden. Eine Alternative zum europäischen Weg gibt es nach Auffassung von Schäuble nicht.

Das heiße in der Konsequenz aber auch, dass manchmal zweitbeste Lösungen akzeptiert werden müssten. Maßnahmen müssten gleichwohl genau überlegt werden wie etwa die Ausgestaltung der Bankenunion. Schäuble plädierte nochmals für eine Stärkung des EU-Währungskommissars und eine intensivere Einbeziehung des Europäischen Parlaments.

—Mitarbeit: Andreas Kißler

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