Immer neue Anbieter von Internet-TV drängen ins Wohnzimmer. Die Kabel- und Satellitenbetreiber in den USA reagieren – sie setzen auf Technologien, um ihre Benutzeroberflächen aufzuhübschen, und so die Kunden vom Wechseln abzubringen.

Bei der weltgrößten Messe für Konsumerelektronik, der CES in Las Vegas, hat jetzt der drittgrößte Kabelbetreiber der USA, Cox Communications, eine neue Set-Top-Box vorgestellt. Zusammen mit der neuen Hardware, die an den Fernseher angeschlossen wird, kommt eine iPad-App. Beides wurde in Zusammenarbeit mit dem weltgrößten Netzwerk-Ausrüster Cisco Systems entwickelt.

Cox erklärte, der Pay-TV-Betreiber plane, noch in diesem Jahr Videodienste wie Netflix in die Box und die iPad-App zu integrieren. So sollen die Kunden bald Fernsehkanäle und Online-Videoportale vom Sofa aus über ein und dasselbe System ansteuern können, statt ständig vom Fernseher zum Internet und zurück wechseln zu müssen.

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Andere Anbieter auf dem Markt für Bezahlfernsehen, der in den USA enorm groß ist, planen ähnliche Neuerungen, um ihre Nutzer an Bord zu halten – so etwa Dish Network und Comcast. CMCSA +0,37% Comcast Corp. Cl A U.S.: Nasdaq $54,72 +0,20 +0,37% 29 Aug. 2014 16:00 Volumen (​15 Min. verzögert) : 6,32 Mio. NACHBÖRSLICH $54,73 +0,01 +0,02% 29 Aug. 2014 16:23 Volumen (​15 Min. verzögert) : 437.289 KGV 19,00 Marktkapitalisierung 141,04 Milliarden $ Dividendenrendite 1,64% Umsatz/Mitarbeiter 495.066 $ Denn Videostream-Anbieter wie Netflix, Amazons Rundumpaket Prime und die Apps und Websites von Fernsehsendern bauen ihr Angebot an Online-Videos aus und machen den alteingesessenen Kabelbetreibern so Konkurrenz.

Auch versuchen Kabel- und Satellitenbetreiber immer mehr, sich auf Kunden einzustellen, die von den Bedienungsoberflächen der Set-Top-Boxen wenig halten und stattdessen den Fernseher lieber über das Smartphone, Tablet, die Spielkonsole, oder per App ansteuern wollen.

Doch noch gibt es kaum Programmführer und Benutzeroberflächen, die Internetvideo und Bezahlfernsehen aus einer Hand anbieten. So müssen die Konsumenten immer noch die Fernbedienung und das Gerät wechseln.

Die integrierte Set-Top-Box von Cox soll das ändern – sie dürfte im Monat fünf bis zehn US-Dollar kosten, zusätzlich zum Kabelfernsehen. Steve Necessary, bei Cox Vizechef der Videosparte, sagte, „nicht jede App der Welt" werde auf der Box auftauchen – beliebte Online-Videodienste und Musik-Apps wie Pandora hingegen schon. Die Partnerschaften sollen im Laufe des Jahres kommen, so Cox.

Comcast – der größte Kabelbetreiber der USA – bringt gerade ähnliche Dienste auf den Markt, und zwar durch seine Set-Top-Box X1. Noch sind aber keine Online-Video-Dienste damit verknüpft – und es ist zunächst auch nicht geplant, so Comcast.

Auch Konkurrent Dish ist nicht untätig. Am Montag hat der Kabelbetreiber die nächste Generation seines digitalen Videorekorders Hopper vorgestellt. Der benutzt internetbasierte Technologie, um den Kunden mehr Auswahl zu geben. Ein neues webbasiertes Feature soll es den Abonnenten erlauben, den gesamten Content des Betreibers über jedes Gerät überall auf der Welt zu sehen. So lange er eine Internet-Verbindung hat und das Geld für den Hopper in die Hand nimmt. Allerdings kann nur eine Person pro Haushalt und Zeitpunkt die Anwendung – entwickelt von der Firma Sling – benutzen. „Unsere Inhalte übers Internet anzubieten, dürfte in der Zukunft sehr wichtig werden", sagt Vivek Khemka, der bei Dish Vizepräsident für Produktmanagement ist.

Mit der neuen Hopper-Box können die Kunden laut Dish auch DVR-Inhalte aufs iPad überspielen, so dass sie etwa während eines Fluges Filme ohne Internetanschluss schauen können. Zwar hat Dish nicht mit den Besitzern der Inhalte verhandeln. Aber Comcast hat einen ähnlichen Dienst für manche Sendungen herausgebracht. Mit manchen Sendern hat der Betreiber Abkommen getroffen – so etwa Stars vom Konzern Liberty Media und Showtime von CBS. Allerdings ist der beliebte Sender HBO von Time Warner nicht auf der Liste. Bei Comcast darf jede Show von drei Geräten heruntergeladen werden.

Cox und Dish wollen ihre Boxen auch sozial machen. So ist bei Cox eine Funktion für persönliche Empfehlungen integriert, die für bis zu acht Menschen im Haushalt Profile anlegt und ihnen Sendungen empfiehlt – sowohl im freien Fernsehen als auch im Pay-TV und bei Videostreams Dritter im Web. Dish hat eine ähnliche Funktion im Angebot.

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