Für Kurseuphorie sorgt seit Jahresbeginn die Aktie von Solarworld. In den ersten fünf Handelstagen im neuen Jahr ist sie um fast 70 Prozent nach oben geschossen. Investitionspläne des US-Investors Warren Buffett für die Solarindustrie in den USA und die Aussicht auf EU-Strafzölle auf Solarmodule aus China treiben den Kurs nach oben. Der durchschnittliche tägliche Börsenumsatz hat sich in der ersten Handelswoche im Januar im Vergleich zum Dezember fast verdoppelt.

Händler sprechen denn auch von einem "Umkippen der Stimmung" für das Papier, das im Frühjahr 2012 unter die Räder gekommen war. "Damit steigt aber auch die Gefahr einer plötzlichen, scharfen Kurskorrektur", warnt ein Frankfurter Händler. Institutionelle Investoren seien in der Aktie schon länger nicht mehr engagiert. Der Börsen-Flow werde fast ausschließlich von "spekulationsfreudigen Privatanlegern" dominiert. Für große Investoren gelte die Faustregel, dass Unternehmen ab einem Börsenwert von einer Milliarde Euro "investierbar" sind. Solarworld ist an der Börse gegenwärtig nur 156 Millionen Euro wert.

Analysten warnen vor einer Bullenfalle

Am Montag, als die Aktie seit Jahresbeginn bereits um 56 Prozent gestiegen war, warnte Sven Kürten von der DZ Bank vor einer "Bullenfalle". Denn die Investitionspläne Warren Buffets hätten für Solarworld überhaupt keine Bedeutung. Und die Aussagen von Solarworld-CEO Frank Asbeck, dass ab Mai oder Juni EU-Strafzölle auf chinesische Importe greifen dürften, deckten sich nur mit den Erwartungen am Markt, seien also nichts Neues.

Gegen Solarworld spreche vielmehr, dass die Gefahr einer neuen Runde von Subventionskürzungen durch die Politik zuletzt wieder gestiegen sei, warnte Kürten. Auch habe die Bundesnetzagentur für November und Dezember schwache Zahlen zu den Neuinstallationen von Solaranlagen veröffentlicht.

"Nach unserem Dafürhalten ist der jüngste Höhenflug (der Aktie) ausschließlich der besseren Stimmung zu verdanken", sagte der Analyst. Solche Bullenfallen habe es in den vergangenen Jahren in der Solarbranche immer wieder gegeben. Kürten bestätigt daher seine Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 0,50 Euro. Vom gegenwärtigen Kurs der Aktie entspräche das einem Einbruch von rund 70 Prozent.

Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com