ZÜRICH--Aufregung in der Schweiz um die Millionenabfindung für Novartis NOVN.VX +0,84% Novartis AG Switzerland: SWX Europe CHF89,85 +0,75 +0,84% 30 Sept. 2014 11:36 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,12 Mio. KGV 24,81 Marktkapitalisierung 238,96 Milliarden CHF Dividendenrendite 2,73% Umsatz/Mitarbeiter 378.979 CHF -Verwaltungsratschef Daniel Vasella: Der Konzern hat dem scheidenden Manager ein Abfindungspaket in Höhe von maximal 72 Millionen Franken geschnürt. Die Summe dürfte den Unterstützern der "Abzockerinitiative" Auftrieb geben, einem Referendum, das den Aktionären eines Konzerns weitreichende Kompetenzen über die Vergütung von Vorständen einräumen soll.

Novartis-Verwaltungsratschef Daniel Vasella könnte bis zu 72 Millionen Franken als Abfindung erhalten. Reuters

Vasella teilte in einem Statement via E-Mail mit, dass der Novartis-Verwaltungsrat eine Abfindung beschlossen hat, deren Wert sich über sechs Jahre auf maximal 72 Millionen Franken belaufen wird. Im Gegenzug darf sich Vasella nicht in den Dienst eines Novartis-Rivalen stellen.

"Für Novartis war es sehr wichtig, dass ich davon absehe, mein Wissen und mein Know-how Konkurrenten zur Verfügung zu stellen" so Vasella. Wenn er seinen Verpflichtungen nachkomme, werde Novartis jährliche Zahlungen leisten. Er sagte weiter, er werde die Einkünfte an karitative Einrichtungen spenden.

Dennoch dürften die Zahlungen an Vasella eine Debatte in der Schweiz über eine Volksabstimmung befeuern, die am 3. März landesweit ansteht. Wenn das Referendum Erfolg hat, werden die Aktionäre eidgenössischer Unternehmen weitgehende Kompetenzen über die Bezahlung von Topmanagern erhalten. So soll in der Landesverfassung ein Veto-Recht für Aktionäre in Vergütungsfragen festgeschrieben werden.

Der Vorschlag, auch bekannt als Abzockerinitiative, geht zurück auf Thomas Minder, Politiker und Chef eines familiengeführten Zahnpasta-Herstellers. Außerdem steht ein Gegenvorschlag der Schweizer Regierung zur Abstimmung. Dieser geht nicht so weit wie Minders Initiative, sondern sieht für die Aktionäre ein nicht-bindendes Mitspracherecht vor.

Topmanager fürchten die Initiative

Diese Art von Mitbestimmung ist ein relativ seltenes Phänomen. In Großbritannien gab es solche Abstimmungen erstmals 2003, sie wurden nach und nach auch von den Niederlanden, Australien, Schweden und Norwegen übernommen. Die USA übernahmen das sogenannte Say-on-Pay 2010 als Teil neuer Richtlinien an der Wall Street. Unter dem "Dodd-Frank-Act" sind Unternehmen verpflichtet, eine nicht-bindende Abstimmung über die Vorstandsvergütung mindestens alle drei Jahre durchzuführen.

Der Vorschlag von Minder hat bei den wirtschaftsfreundlichen Parteien und bei Topmanagern heftigen Widerstand hervorgerufen. Sie fürchten, dass die Schweiz ihren Rang als eine der wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsstandorte einbüßt, wenn die Initiative so durchgeht. Sie argumentieren, dass das Land in dem Fall nicht mehr in der Lage wäre, Topmanager anzulocken.

Die Schweizer Wirtschaft gilt laut Weltwirtschaftsforum als die wettbewerbsfähigste der Welt, das International Institute for Management Development in Lausanne stuft sie auf Platz drei hinter Honkong und den USA ein.

Nachdem der goldene Fallschirm für Vasella bekanntgeworden ist, hat die Minder-Initiative an Zuspruch gewonnen. Der Tagesanzeiger zitiert eine Umfrage des der Zeitung SonntagsBlick, wonach 57 Prozent der Stimmberechtigten die Initiative unterstützen - mehr noch als vor Vasellas Abfindung.

Die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte im schweizerischen Fernsehen, sie sei "sprachlos" angesichts des Vasella-Abfindungspakets. Regionalpolitiker This Jenny der konservativen SVP sagte, dieses Paket würde die Zustimmung zur Minder-Initiative noch steigern.

Vasella hatte im Januar verkündet, als Verwaltungsratschef von Novartis zurückzutreten und das Unternehmen im Februar zu verlassen. Er hatte Novartis über lange Jahre mit aufgebaut und entscheidend geprägt. Der Konzern teilte mit, Vasella werden Novartis auch weiterhin beratend unterstützen.

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