In der Schlacht um den US-Haushalt nähert sich ein weiteres entscheidendes Datum. Anleger stellt das vor die Frage, ob die Sorge vor Ausgabenkürzungen der amerikanischen Regierung eine Korrektur auslösen wird. Potenzial für Gewinnmitnahmen ist gegeben, schließlich liegen viele internationale und vor allem amerikanische Indizes auf oder im Bereich mehrjähriger Höchststände.

Am 1. März treten Ausgabenkürzungen im US-Rüstungs- und Inlandsbudget in Kraft, falls die Führer der Parteien im Kongress und das Weiße Haus bis dahin kein Abkommen schließen, das die automatischen Kürzungen verhindert. Insgesamt würden dann im Fiskaljahr, das am 30. September endet, 85 Milliarden Dollar weniger ausgegeben. Die Einschnitte sind Teil eines größeren Programms, mit dem die Staatsausgaben binnen neun Jahren um rund eine Billion Dollar verringert werden sollen.

Händler an der New York Stock Exchange: Die drohenden erneuten fiskalischen Verwerfungen ängstigen die Anleger bisher nicht. Associated Press

Einige Volkswirte haben davor gewarnt, dass die drohenden Kürzungen das Wachstum in der weltgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr drücken würden. Der Kandidat für das Amt des Finanzministers, Jack Lew, hatte vergangene Woche in einer Anhörung vor dem Senat erklärt, die automatischen Haushaltsbeschränkungen würden „der Erholung selbstverursachte Wunden zufügen und viel zu viele Arbeitsplätze und Unternehmen in Gefahr bringen".

Weil der Senat noch bis zum 25. Februar Sitzungspause hat und Demokraten und Republikaner weit von einer gemeinsamen Lösung entfernt sind, wächst die Sorge, dass die unklare Lage in Washington den US-Aktien einen schärferen Rückschlag bescheren könnte.

Die Volatilität müsste steigen, tut sie aber nicht

Im Moment „scheint dem Aktienmarkt dieses Thema gleichgültig zu sein", sagt Tim Speiss, der als Chef des Vermögensverwalters Eisner Amper 700 Millionen Dollar an Einlagen verwaltet.

Er erinnert an die scharfen Verwerfungen am Markt im Juli und August 2011, als die Abgeordneten um den Haushalt stritten, was letztlich zum Verlust des Top-Ratings AAA bei Standard & Poor's führte. Er habe seinen Kunden gesagt, dass sie mit einer höheren Volatilität und regelmäßigen 100-Punkte-Ausschlägen in die eine oder andere Richtung rechnen müssten. „Aber bisher ist davon nichts zu sehen", sagt Speiss. Der Markt habe zwar zuletzt einige richtungslose Tage erlebt, bleibe aber grundsätzlich auf dem Aufwärtspfad, fügt er hinzu.

Für den S&P 500 war die vergangene Woche die siebte in Folge, die er mit Gewinnen beendete. Es ist die längste Erfolgsstrecke seit Januar 2011 und der Index kletterte dabei auf den höchsten Stand seit Oktober 2007. Speiss warnt aber, dass der Markt heftige Umschwünge sehen könnte, wenn bis Mitte März in Washington in Sachen Haushalt nichts passieren sollte.

Für Rüstungsunternehmen sei das Thema sehr wichtig, es sei aber kein Wegbereiter für eine Korrektur am Gesamtmarkt, meint Jim Paulson, Anlagestratege beim Wells Capital Management. Die Wall Street habe sich in diesem Jahr bereits durch Washingtons Kampf um die Steuern hindurchgeboxt und die Anleger hätten sich über alle Sorgen "hinweggesetzt", angefangen von der Furcht, dass sich die US-Wirtschaft abschwächt, über eine harte Landung in China bis zu Sorgen vor „einem Zusammenbruch des Euro und, natürlich, der Fiskalklippe".

Jetzt, da die jüngsten Daten gezeigt haben, dass sich die Erholung am amerikanischen Immobilienmarkt fortsetzt und die Wirtschaft in China und anderen Schwellenländern verbessert, gehe das Haushaltsthema in Washington weiter, aber "das Umfeld für Anleger hat sich in den 60 bis 90 Tagen deutlich verändert".

Anleger wollen nicht noch eine Rally verpassen

Paulsen meint, dass die Anleger auch deswegen bereit seien, trotz der jüngsten Krise in Washington am Markt zu bleiben, weil sie keine Rally mehr verpassen wollten: "In den vergangenen vier Jahren sind wir von einem Weltuntergang in den nächsten gestürzt." 2010 und 2011 habe es im Zuge katastrophaler Nachrichten jeweils große Ausverkäufe am Aktienmarkt gegeben. „Die Leute haben verkauft und anschließend zugesehen, wie sich der Markt erholt und auf neue Höchststände steigt", sagt er. „Das hat viele Leute mit ihren Anlagen in Probleme gestürzt."

Eine Umfrage unter Fondsmanagern, die die Bank of America BAC +0,50% Bank of America Corp. U.S.: NYSE $16,09 +0,08 +0,50% 29 Aug. 2014 16:04 Volumen (​15 Min. verzögert) : 48,61 Mio. NACHBÖRSLICH $16,04 -0,05 -0,31% 29 Aug. 2014 19:59 Volumen (​15 Min. verzögert) : 1,50 Mio. KGV 24,75 Marktkapitalisierung 168,36 Milliarden $ Dividendenrendite 1,24% Umsatz/Mitarbeiter 395.876 $ Merrill Lynch vergangene Woche veröffentlichte, zeigt, dass die Geldverwalter Aktien nach den bisherigen Gewinnen in diesem Jahr für aussichtsreich und 13 Prozent der Befragten den Aktienmarkt nach wie vor für unterbewertet halten.

Diese Männer fluten die Welt mit Geld:

Die Märkte mögen anfällig für schlechte Nachrichten sein, "aber die Bewertungen legen nahe, dass jegliche Korrekturen kurz und flach sein dürften", sagt Michael Hartnett, Chef-Anlagestratege bei Bank of America Merrill Lynch Global Research.

Adam Hewison, Co-Gründer und Finanzanalyst des Informationsunternehmens INO geht davon aus, dass Washington „das Problem vor sich herschiebt, aber einige Halb-Antworten geben wird". Das werde reichen, damit sich der Kursanstieg fortsetzt.

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