Der Graphitspezialist SGL Carbon findet eine neuen Chefaufseher. Die Quandt-Erbin und SGL Großaktionärin Susanne Klatten soll mit Ablauf der Hauptversammlung Ende April Aufsichtsratschefin werden. Das erklärten zwei mit der Thematik vertraute Personen dem Wall Street Journal Deutschland. "Es sieht wohl so aus, dass es auf Frau Klatten hinausläuft", sagten die Informanten.

In Frage für den Posten kämen auch noch ThyssenKrupp-Vorstandsmitglied Edwin Eichler und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Voith GmbH Hubert Lienhard, hieß es. Der Platz wird frei, weil der langjährige Vorsitzende des Kontrollgremiums, der frühere BASF-Vorstand Max Dietrich Kley, aus Altersgründen für das Amt nicht mehr zur Verfügung steht. Kleys Mandat läuft zur Hauptversammlung Ende April 2013 aus.

Der Graphitspezialist SGL Carbon hat bald eine neue Chefaufseherin. Die Quandt-Erbin Susanne Klatten soll auf der Hauptversammlung Ende April zur Aufsichtsratsvorsitzenden ernannt werden. dapd

Klatten ist dem Unternehmen bereits eng verbunden und sitzt als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende schon heute in dem Gremium. Zudem ist sie Großaktionären bei SGL und hält über ihr Beteiligungsvehikel Skion laut Internetseite von SGL 26,87 Prozent am Unternehmen. Weitere 15,7 Prozent sind laut der Website im Besitz des Autobauers BMW, bei dem Klatten ebenfalls Miteigentümerin ist.

Als Zulieferer, unter anderem für extrem leichte Autokarosserien aus Karbon, ist der Wiesbadener MDAX-Konzern für die großen Autokonzerne ein interessanter Partner. BMW arbeitet bereits seit Jahren mit SGL zusammen, unter anderem bei Elektrofahrzeugen, wo die Wiesbadener die ultraleichte Karosserie aus Karbon liefern.

Anfang 2011 ist auch der Konkurrent aus Wolfsburg, die Volkswagen AG , bei SGL eingestiegen. Er hält eigenen Angaben zufolge mittlerweile 9,9 Prozent an dem Graphitspezialisten. Auch mit VW arbeitet SGL seit mehr als 10 Jahren zusammen und liefert etwa Karbonteile für Audi oder Bremsscheiben für Porsche. Volkswagen ist bislang im Aufsichtsrat von SGL nicht vertreten.

Nachfolgersuche läuft schon länger

Ein Nachfolger für Kley wird bereits seit längerem gesucht. Als mögliche Kandidaten waren im vergangenen Jahr der Chef des Schweizer Spezialchemieherstellers Clariant und frühere SGL-Vorstand Hariolf Kottmann sowie Franz-Josef Kortüm, früherer Chef des Zulieferers Webasto gehandelt worden. Diese Gerüchte hatten sich allerdings nicht bestätigt.

Stühlerücken gibt es mit Ablauf der Hauptversammlung aber nicht nur an der Aufsichtsratsspitze. Es laufen die Mandate von insgesamt zehn Aufsichtsratsmitgliedern, sechs Arbeitnehmervertretern und vier Anteilseignervertretern aus. Auf der Aufsichtsratssitzung am 12. März sollen die Personen benannt werden, die der Hauptversammlung zur Wahl am 30. April vorgeschlagen werden.

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