Dublin--Nach Irlands Erfolg bei der Refinanzierung eines Teils seines riesigen Schuldenbergs bei der EZB hofft die Regierung, bei den Finanzministern auch einen neuen Zeitplan für die Rückzahlung des 67,5 Milliarden Euro schweren Rettungspaketes durchsetzen zu können. Vielleicht schon Anfang März. Experten sind der Ansicht, dass dies dem Land helfen würde, den Rettungsschirm wie geplant zum Jahresende zu verlassen.

Nach mehr als einjährigen Verhandlungen war Dublin am 7. Februar zunächst eine Vereinbarung mit der EZB gelungen, wonach das Land die Zahlungen aus einem Schuldschein über bis zu 31 Milliarden Euro strecken kann, die Irland auf dem Höhepunkt der Krise zur Stabilisierung seiner damals zahlungsunfähigen Kreditinstitute erhalten hatte.

Die Vereinbarung hatte dazu geführt, dass die Renditen irischer Staatsanleihen auf das niedrigste Niveau seit Ausbruch der tiefen Immobilien- und Bankenkrise vor fünf Jahren gefallen sind. Trotz der nach wie vor sehr hohen Verschuldung, die die Rettung des Bankensystems dem Land eintrug, kann sich die Regierung nun wieder zu annehmbaren Konditionen am Markt Geld besorgen.

Irland hat in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 64 Milliarden Euro in sechs Banken gepumpt, um deren Zusammenbruch zu verhindern. Das entspricht etwa 40 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Ende 2010 brauchte das Land Hilfskredite von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds im Gesamtvolumen von 67,5 Milliarden Euro, um selbst überleben zu können.

Beobachter halten die mit der EZB ausgehandelte Verschiebung der Schuldenrückzahlung für eine gute Basis, um eine vergleichbare Vereinbarung zu den Rettungskrediten des Jahres 2010 zu bekommen. Wenn das gelänge, würde das Zweifel beseitigen, dass das kleine Land sich aus eigener Kraft refinanzieren kann, auch in konjunkturell schwierigen Zeiten.

Nach mehr als fünf Jahren Krise setzt Irland darauf, dass sich die Nachfrage nach seinen Exportgütern verstärkt. Im besten Fall würde dies eine moderate wirtschaftliche Erholung nach sich ziehen. Im Laufe des Jahres besteht überdies die Chance, dass die irische Inlandsnachfrage nicht weiter schrumpft. Allerdings kämpfen die irischen Haushalte nach wie vor mit hohen Immobilienkrediten, die Arbeitslosigkeit ist mit 14,6 Prozent nach wie vor enorm hoch. Solange die Konjunktur der wichtigsten Handelspartner schwach ist, bleibt Irland ökonomisch anfällig für Schocks.

Gelänge eine Verschiebung bei der Rückzahlung der Hilfskredite, könnten Investoren relativ sicher sein, dass Irland in Kürze kein zweites Rettungspaket benötigt. Insgesamt würde es für das Land einfacher, mit einer Schuldenlast von insgesamt 200 Milliarden Euro zurechtzukommen, die sich zu mehr als 120 Prozent der Wirtschaftsleistung summiert.

Nach einer Lösung mit der EU könnte Irland wohl auch auf eine Neuverhandlung der IWF-Programmkredite im Volumen von 22,5 Milliarden Euro hoffen. Irland wäre dann nicht mehr gezwungen in kurzer Frist große Mengen neue Staatsanleihen zu platzieren, was den Renditedruck zusätzlich mindern würde, sagte Conall Mac Coille, Chefvolkswirt bei Davy Stockbrokers.

„Entscheidend war der Deal zur Promissory Note bei der EZB", sagte Mac Coille. „Danach ist ein Deal mit den EU-Finanzministern deutlich wahrscheinlicher geworden. Wenn wir den bekommen, dann werden die Kurse irischer Staatsanleihen wie verrückt abgehen."

Am Dienstag rentierte eine achtjährige Irlandanleihe mit Laufzeit bis 2020 laut Tradeweb bei 3,616 Prozent und damit deutlich unter den 4,14 Prozent, die vor dem Deal mit der EZB verlangt worden waren. Vor einem Jahr, im Februar 2012, erzielten irische Staatsanleihen sogar 9,12 Prozent Rendite.

Irland will Einigung im März

Nach dem Rettungsfahrplan muss Irland bis 2023 rund 43 Milliarden Euro tilgen, sagte Mac Coille. Irlands Regierung hat einen neuen Tilgungsfahrplan deshalb zur Top-Priorität gemacht. Ministerpräsident Enda Kenny erklärte in der vergangenen Woche, er erwarte auf dem Finanzministertreffen im März Aussagen zu den Chancen, die Tilgung der Rettungskredite für Irland und Portugal zu strecken, „so wie dies auch Griechenland zugestanden worden ist".

Dabei hat Schuldenverwaltung der Regierung, die National Treasury Management Agency, schon ausreichend vorgesorgt, um die Staatsfinanzierung bis ins nächste Jahr abzusichern, wenn das Land dabei erstmalig nach vier Jahren wieder vollkommen auf sich allein gestellt ist.

Im vergangenen Sommer ist die Schuldenagentur erstmalig seit dem Rettungspaket wieder an den Finanzmarkt gegangen. Vergangenen Monat gelang es erneut, langfristige Verbindlichkeiten am Markt zu platzieren. In Kürze ist eine weitere zehnjährige Anleihe mit bis zu 3 Milliarden Euro Gesamtvolumen geplant. Wenn sie erfolgreich verkauft wird, hätte Irland schon mehr als die Hälfte der für dieses Jahr geplanten Schuldenaufnahme von 10 Milliarden Euro hinter sich gebracht.

Ryan McGrath, ein leitender Anleihehändler bei Dolmen Securities, glaubt, dass die Regierung in der Anfangszeit nach dem Rettungspaket danach trachtet, soviel Druck wie möglich bei der Refinanzierung abzubauen. Er ist zuversichtlich, dass es Regierungschef Kenny gelingen wird, den europäischen Finanzministern eine solche Vereinbarung abzuhandeln. „Damit rechne ich im nächsten Monat", sagte er.

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