Deutschlands größter Industriekonzern Siemens hat im laufenden Geschäftsjahr noch einige Herausforderungen vor sich, auch wenn sich nach dem ersten Quartal ein leichter Silberstreif am Horizont abzeichnet.

In den drei Monaten von Oktober bis Dezember wurden neue Aufträge im Wert von 19,14 Milliarden Euro gebucht, das sind 3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Zahl kommt besondere Bedeutung zu, gibt sie doch eine Indikation für die künftige Umsatzentwicklung.

Immerhin, bei den neuen Aufträgen schneidet Siemens etwas besser ab, als von den Analysten erwartet. Zudem liegt der Auftragseingang erstmals seit drei Quartalen wieder über dem Umsatz.

Siemens muss weiter sparen dapd

Siemens-Boss Peter Löscher spricht zwar von einem "soliden Start" in das Geschäftsjahr, das am 30. September endet. Von der Weltwirtschaft, die für den Erfolg des Industriekonglomerats so wichtig ist, erwartet sich Löscher jedoch "keinen Rückenwind". "Die Stimmung in Europa hat sich in der zweiten Hälfte von 2012 zwar ein Stück weit beruhigt, doch die Wirtschaftsleistung der Eurozone wird aller Voraussicht nach noch einmal zurückgehen. Die Prognosen der Konjunkturforscher für die USA sind noch sehr verhalten," sagte Löscher auf einer Pressekonferenz in München, wo sich am Vormittag auch die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen.

Siemens hält am Ausblick für das Gesamtjahr jedoch fest: Bei einem "moderaten" Auftragswachstum soll sich der Umsatz weiter dem Niveau des vergangenen Geschäftsjahres von 78,3 Milliarden Euro annähern. Der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten soll 4,5 bis 5 Milliarden Euro betragen.

Nettogewinn sinkt deutlich

Im Dezember-Quartal stieg der Umsatz um 2 Prozent auf 18,13 Milliarden Euro. Der Nettogewinn ging auf 1,2 nach zuletzt 1,4 Milliarden Euro zurück. Auch hier war am Markt weniger erwartet worden. Die Marge im operativen Geschäft stieg von 9,0 auf 9,3 Prozent.

Um 2014 eine Marge von 12 Prozent zu erreichen, hat der Industriekonzern im vergangenen Jahr ein 6 Milliarden Euro schweres Sparprogramm aufgelegt. Das kostet aber auch: Mit 50 Millionen Euro wurde im ersten Quartal erst ein Bruchteil der Gesamtkosten von 1 Milliarde Euro gebucht, ein Zeichen dafür, dass die Maßnahmen erst langsam in Angriff genommen werden können.

Verteilt auf die vier Sektoren des Konglomerates wird der Löwenanteil, nämlich 400 Millionen Euro bei der Industrie anfallen. 300 Millionen Euro sind es bei der Energie und 240 Millionen beim Sektor Infrastruktur und Städte. Im Gesundheitswesen fallen die Belastungen mit 80 Millionen Euro indes bescheiden aus.

Sorgenkinder bleiben vor allem die Sektoren Infrastructure & Cities sowie Industry. Hier gingen die Auftragseingänge um 7 beziehungsweise 1 Prozent zurück. Auch die Margen schrumpften. Dagegen konnte der Konzern in den Bereichen Energie und Healthcare die Margen steigern.

Hohe Belastungen wegen ICE-Zügen und Solar-Ausstieg

Belastet hat im abgelaufenen Quartal insbesondere die verspätete Auslieferung der ICE-Züge an die Deutsche Bahn und der Ausstieg aus dem Solar-Geschäft, in das man erst vor ein paar Jahren teuer eingestiegen war. Insgesamt summierten sich die Belastungen im Quartalsausweis auf über 200 Millionen Euro, gleichwohl weniger als im Vorjahr.

Gute Nachrichten gab es auch außerhalb des Kerngeschäfts, der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks, ein Joint Venture mit der finnischen Nokia, spülte 51 Millionen Euro in die Siemens-Kasse, im Vorjahresquartal lieferte das Joint Venture keinen Ergebnisbeitrag.

Insgesamt bleibt Siemens aber wieder einmal hinter Konkurrenten wie dem US-Mischkonzern General Electric zurück. Dieser hatte unlängst einen leichten Anstieg bei den Aufträgen vermeldet, nachdem diese zwei Quartale in Folge zurückgegangen waren. Der Umsatz legte um 7,5 Prozent, das Ergebnis um 12 Prozent zu. Auch der französische Wettbewerber Alstom überzeugte mit seinen in dieser Woche vorgelegten Zahlen. Der niederländische Wettbewerber Philips legt seine Zahlen erst am Dienstag vor.

Löscher gestand ein, dass Siemens in den zurückliegenden Quartalen "an Boden verloren hat. Dass wir aufholen wollen, ist unzweifelhaft," fügte Löscher hinzu.

Analyst Heino Ruland von Ruland Research sieht in den vorgelegten Zahlen keinen Grund, in Euphorie auszubrechen. Per Saldo seien zwar niedrige Erwartungen übertroffen und das Vorjahresquartal teils übertroffen worden: "Aber die Quartalsvergleiche sind hier schlecht", sagt Ruland: "Das Vorjahresquartal war schlecht gelaufen und das jetzige sieht dadurch nicht besser aus".

Kontakt zum Autor: ursula.quass@dowjones.com und archibald.preuschat@dowjones.com