Am Mittwochabend werden wir genau wissen, wie viele Macs Apple AAPL +1,12% Apple Inc. U.S.: Nasdaq $101,23 +1,12 +1,12% 30 Sept. 2014 11:51 Volumen (​15 Min. verzögert) : 21,89 Mio. KGV 16,29 Marktkapitalisierung 599,45 Milliarden $ Dividendenrendite 1,85% Umsatz/Mitarbeiter 2.214.380 $ zwischen Oktober und Dezember 2012 verkauft hat. Soviel ist jedoch bereits sicher: Es hätten vermutlich viel mehr sein können. Schuld daran sind vor allem zwei Gründe: Zum einen hat Apple sich beim iMac viel Zeit mit der Einführung neuer Modelle gelassen. Zum anderen kann das Unternehmen offensichtlich die Nachfrage nach den neuen Geräten nicht einmal ansatzweise befriedigen.

Sowohl im Apple Store Deutschland als auch in den USA wird die Lieferzeit für die neuen Geräte momentan mit zwei bis drei Wochen beim kleineren Modell mit 21,5 Zoll-Bildschirm und mit drei bis vier Wochen bei der größeren Variante mit 27 Zoll-Bildschirm angegeben. Diese Zahlen gelten jedoch nur für die Standardausführungen. Wer mehr Speicher oder einen schnelleren Prozessor verbaut haben möchte, muss eventuell noch länger warten.

Als Grund für die schlechte Verfügbarkeit hat die DigiTimes in einem Bericht Probleme mit der Display-Laminierung beim Zulieferer LG Display genannt. Dadurch sei die Produktion bei den 27-Zoll-Modellen auf 100.000 pro Monat begrenzt. Quellen zufolge soll das Modell mit 21,5 Zoll-Bildschirm jedoch im Plan liegen. Bis zu 400.000 Einheiten würden demnach pro Monat ausgeliefert. Weiter hieß es, dass die Probleme spätestens im Februar behoben sein sollen.

Doch bis dahin herrscht vor allem in den Regalen von Apple-Händlern wie Gravis, Cyberport und Cancom gähnende Leere. „Die Lage ist angespannt", sagte Gravis-Geschäftsführer Jörg Mugke dem Wall Street Journal Deutschland. „Wir haben momentan keine Geräte vorrätig, die Lieferzeit beträgt je nach Modell bis zu vier Wochen." Die Nachfrage sei hoch und viele Kunden reagierten enttäuscht, dass sie so lange warten müssten. Ähnlich sieht es auch bei der Konkurrenz aus. Cyberport nennt auf seiner Website ein Verfügbarkeitsdatum Mitte Februar, bei Cancom ist von einer „Lieferung in ca. 2-3 Wochen" die Rede. Ein Unternehmenssprecher sagte jedoch, dass es bei den 27 Zoll-Modellen wesentlich länger dauern könne.

In den zehn Apple Stores in Deutschland waren am Montag ebenfalls nicht alle Modelle erhältlich. In der Hamburger Filiale am Jungfernstieg, in der Rosenstraße in München, im CentrO in Oberhausen und im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach war am Nachmittag die günstigere Version des 27 Zoll-Gerätes ausverkauft. Im Rhein Center in Köln-Weiden konnte man keine genauen Angaben machen, und in Sindelfingen sah es besonders düster aus. Dort hieß es auf Nachfrage, mit Ausnahme der mittleren 27-Zoll-Variante mit 3,2 Prozessor sei kein Modell mehr vorrätig, und in dieser Woche sei auch nicht mehr mit einer neuen Lieferung zu rechnen.

Apple-Produkte im Wandel der Zeit

Doch die schlechte Verfügbarkeit der neuen Modelle ist nur ein Grund, warum die Verkaufszahlen der Macs diesmal enttäuschen dürften. Ebenfalls verantwortlich sind die über 1.000 Tage, die Apple sich Zeit gelassen hat, einen neuen iMac vorzustellen. Zwar gab es beim letzten Modell immer wieder kleinere Veränderungen – zuletzt spendierte man im Mai 2011 neue Prozessoren, Grafikchips und eine Facetime-HD-Kamera. Doch das Design stand in seiner Form bereits seit Oktober 2009 fest. Darum rechneten nicht nur Branchenkenner bereits länger mit einem großen Update.

In der Vergangenheit hatte sich Apple immer zwischen einem und drei Jahren Zeit gelassen, um ein neues Modell herauszubringen. Es war also abzusehen, dass eher früher als später mit einem weiteren und komplett überarbeiteten iMac zu rechnen sei. Auch Privatkunden und Großabnehmer hielten sich wegen dieser Erwartungshaltung schon längere Zeit zurück – immer in der Hoffnung, dass bald mit einem großen Update zu rechnen sei. Bei Cancom "war in den Monaten vor der offiziellen Ankündigung des neuen iMac schon eine Kaufzurückhaltung spürbar", teilte das Unternehmen mit.

Diese Verzögerungstaktik der Kunden stellt ein großes Problem für Apple dar. Bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen im Oktober hatte Apple-Chef Tim Cook erklärt, dass man unter diesem Phänomen leiden würde. „Es zeigt sich deutlich, dass sich die Kunden bei Gerüchten über neue Produkte mit dem Kauf zurückhalten", erklärte er damals, und fügte hinzu, dass man beim iMac mit einem „signifikanten Fehlbestand" rechne.

Offiziell erhältlich ist der iMac mit 21,5 Zoll-Display seit dem 30. November. Das teilte Apple drei Tage vor Verkaufsstart in einer Pressemitteilung mit. Beim größeren Modell sprach man etwas schwammig von „im Dezember". Von der Vorgängerversion unterscheidet sich der neue iMac vor allem durch die flachere Bauweise, das Fehlen eines CD/DVD-Laufwerks und eine neue Speichermöglichkeit – Fusion Drive genannt. Dabei wird ein Flash-Speicher mit einer normalen Festplatte kombiniert. Somit sollen Dateien intelligent verwaltet und dadurch die Lese- und Schreibleistung „optimiert" werden – wie es auf den zugehörigen Produktseiten von Apple heißt.

Im vierten Quartal 2012 hatte Apple 4,9 Millionen Macs verkauft – ein Prozent mehr als noch zwölf Monate zuvor. Doch schon damals zeichnete sich ab, dass die Desktop-Verkäufe zurückgehen. Statt der 1,28 Millionen iMacs, Mac Pros und Mac minis wurden damals nur noch 970.000 Geräte abgesetzt. Der Zuwachs insgesamt wurde nur erreicht, weil man bei Notebooks zulegen konnte. Es bleibt also spannend. Erst heute Abend werden wir genau wissen, wie viele Computer Apple im vierten Quartal verkauft hat.

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