Real Madrid um Superstar Cristiano Ronaldo spielt in Europa eine Ausnahmerolle - besonders was das Geld betrifft. Associated Press

Das „Finale dahoam" ging für den FC Bayern München gründlich daneben. Ein Pfostenschuss von Bastian Schweinsteiger besiegelte im letztjährigen Endspiel der Champions League die Niederlage gegen den FC Chelsea. Doch in der Geldrangliste des Klubfußballs lassen die Bayern die Londoner noch hinter sich: Erneut Rang vier in der „Football Money League" – und ein neuer Vereinsrekord.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte beleuchtet bereits im 16. Jahr die Kräfteverhältnisse im Klubfußball, schaut auf das operative Fußballgeschäft und lässt dabei Transfererlöse unberücksichtigt. Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen belegen: Für die Bayern war die titellose Saison 2011/12 rein wirtschaftlich die Krönung. Die Erlöse des deutschen Rekordmeisters kletterten um 47 Millionen Euro auf 368 Millionen. Präsident Uli Hoeneß kann sich über das mit Abstand beste Geschäftsjahr freuen.

Auch Dortmund und Schalke haben sich etabliert im Konzert der ganz Großen: Im Ruhrgebiet haben sich die Kräfteverhältnisse jedoch analog zum sportlichen Erfolg gedreht: Champions-League-Rückkehrer Borussia Dortmund BVB.XE +1,16% Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA Germany: Xetra 4,82 +0,06 +1,16% 16 Sept. 2014 17:12 Volumen (​15 Min. verzögert) : 117.738 KGV 25,74 Marktkapitalisierung 438,01 Millionen € Dividendenrendite 2,08% Umsatz/Mitarbeiter 487.290 € machte im Umsatzranking einen der größten Sprünge aller Klubs – von Platz 16 auf 11. Der nationale Doublegewinner münzte die Siege auf dem Platz in kommerziellen Erfolg um: Mit knapp 51 Millionen Euro Umsatzzuwachs, ein Plus von 37 Prozent, kam der BVB am Ende auf 189 Millionen Euro.

Von oben kamen den Dortmunder die Schalker entgegen, die im Vorjahr noch Rang zehn innehatten: Schalke 04 – in der vergangenen Saison ohne Champions-League-Ticket – sackte um fast 28 Millionen Euro ab, belegte aber mit 175 Millionen Euro Umsatz immerhin noch Rang 14. Fast phänomenal, dass der Hamburger SV das Bundesliga-Top-Quartett komplettiert. Der Traditionsverein konnte seinen 18. Rang mit 121 Millionen Euro Umsatz verteidigen, obwohl sportlich nur mit Ach und Krach der Abstieg in die zweite Liga vermieden wurde.

Wenn Karsten Hollasch, Leiter der deutschen Sportbusiness-Gruppe bei Deloitte, auf das frische Umsatzranking blickt, sieht er „in der Spitze einmal mehr die üblichen Verdächtigen". Dank ihrer immensen TV-Erlöse ist das spanische Duo Real Madrid (513 Millionen Euro) und der FC Barcelona (483 Millionen) nicht nur der restlichen Primera División enteilt – auch der Drittplatzierte Manchester United MANU +0,12% Manchester United Ltd. Cl A U.S.: NYSE $16,05 +0,02 +0,12% 16 Sept. 2014 11:26 Volumen (​15 Min. verzögert) : 15.578 KGV 67,91 Marktkapitalisierung 2,63 Milliarden $ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 947.007 $ (396 Millionen) kann nur noch hinterherwinken. War Manchester früher noch achtmal in Folge der Umsatzkrösus, so sind die Madrilenen seit 2004/05 der ungestörte Seriensieger der Football Money League.

Der wichtigste Grund für den Wachwechsel ist kein sportlicher: Während in Italien, Deutschland, England und Frankreich die Fernsehgelder von den Ligen zentral eingenommen und unter den Vereinen verteilt werden, kommt die in Spanien praktizierte Fernseh-Eigenvermarktung durch die Klubs dem Spitzenduo zugute. Madrid erlöste 199 Millionen Euro allein aus TV-Deals, Barcelona 180 Millionen – das ist einsame Spitze in Europa.

Zum Vergleich: Bayern München hatte mit 81 Millionen Euro aus Medienerlösen nicht einmal die Hälfte dessen zur Verfügung. „Insgesamt haben die deutschen Klubs bei den Medienerlösen noch eine vergleichsweise schwache Position", sagt Hollasch. Besserung ist schon in Sicht: Der von der Deutschen Fußball Liga neu verhandelte nationale TV-Vertrag, gültig ab der Spielzeit 2013/14, spült rund die Hälfte mehr in die Kassen der Bundesligaklubs.

Den Münchenern gelang es, in einer anderen Umsatzkategorie eine Schallmauer zu durchbrechen: Bei den kommerziellen Erlösen, zu denen Sponsoringverträge und der Verkauf von Fanartikeln zählen, haben sie als erster und einziger Verein die 200-Millionen-Euro-Marke geknackt. „Unternehmerisch ist das die größte Leistung", sagt Hollasch. „Die Bayern steigern ihren Umsatz auf ganz solide Art: Über lukrative Sponsorenverträge, erfolgreiches Merchandising und die Vergrößerung der Fanbasis."

Das ist Europas Fußball-Elite

An anderen Stellschrauben wie den Spieltagseinnahmen oder den TV-Erlösen könne das Bayern-Management nur mit Mühe drehen. Im Gegensatz zum FC Barcelona und Real Madrid, die ihre Fernsehdeals selbst machen. Dafür droht in Spanien – abgesehen vom Duell der beiden Topklubs – Langeweile. „In Spanien leidet der sportliche Wettbewerb, die anderen Klubs können praktisch nicht um den Titel mitspielen – anders als in Deutschland", sagt Hollasch. „In spannenden Ligen mit hoher Leistungsdichte ist es wie bei den Rocky-Filmen: Der Underdog muss auch mal den Favoriten umhauen können."

Neben Madrid und Barcelona ist dann auch kein weiterer spanischer Verein mehr in den Top 20 vertreten, nachdem in diesem Jahr Valencia abrutschte. Während England mit sieben Vereinen die größte Gruppe stellt, Italien mit fünf Klubs stark gegenhält und Deutschland vier dicke Umsatzträger einbringt, halten aus Frankreich nur Marseille und Lyon die Umsatz-Eliteklasse.

Karsten Hollasch, Leiter der deutschen Sportbusiness-Gruppe bei Deloitte: "Die Bayern steigen ihren Umsatz auf ganz solide Art." Deloitte

Frankreichs Hauptstadtverein Paris St. Germain, der derzeit durch die massive Unterstützung von Investoren aus Katar mit teuren Transfers angreift, ist ein Kandidat, den Hollasch und sein Kollege Jan Kremer in naher Zukunft im Deloitte-Ranking erwarten. „Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass sich die getätigten hohen Investitionen in den Spielerkader in sportlichem Erfolg bezahlt machen und der Club daneben auch im kommerziellen Bereich seine Hausaufgaben macht", erklärt Hollasch.

Wie das Aufpumpen eines Vereins mit Investorengeld funktionieren kann, demonstriert Manchester City. Als Shooting-Star hat sich der englische Meister und Königsklassen-Debütant im Deloitte-Ranking von Platz zwölf auf Position sieben vorgearbeitet. Um ganze 116 Millionen Euro wuchs der Umsatz auf nun 286 Millionen Euro. „In sportlicher Hinsicht haben sich die millionenschweren Investitionen in den Spielerkader der Citizens durch Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan in 2011/12 ausgezahlt", schreiben die Deloitte-Autoren. Die hoch dotierten Kooperationsverträge etwa mit Emirates Airlines ließen die kommerziellen Erlöse sprichwörtlich explodieren.

Die Effizienz-Tabelle der Bundesliga

Doch auch die Autoren der Studie lassen Zweifel durchblicken, ob der Kurs von Manchester City nachhaltig ist. Es könnte als wettbewerbsverzerrendes Finanz-Doping gelten und vom europäischen Fußballverband Uefa geahndet werden: „Vor dem Hintergrund eines kumulierten operativen Verlusts in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro innerhalb von vier Jahren bleibt abzuwarten, ob die Citizens ab der Spielzeit 2013/14 die Financial-Fairplay-Anforderungen der Uefa erfüllen können, beziehungsweise ob die Uefa selbst dem etwaigen Ausnutzen von Schlupflöchern im Regelungswerk – beispielsweise in Form von Sponsorenverträgen, die offenkundig über dem tatsächlich anzunehmenden Marktwert liegen – wirksam begegnen wird", heißt es in der Studie. Macht die Uefa mit ihren Drohungen ernst, könnte ein Ausschluss von den europäischen Wettbewerben folgen.

Eines erscheint sicher: Das aktuelle Ranking belegt auch in den Augen der Deloitte-Experten, dass sich eine Spitzengruppe von kräftig wachsenden Vereinen finanziell abkoppelt vom Rest. „Die zwanzig Klubs generierten gemeinsam 4,8 Milliarden Euro Umsatz – und damit über ein Viertel der Gesamterlöse des europäischen Fußballmarktes", sagt Hollasch. „Viele Spitzenklubs konnten signifikante Erlössteigerungen vermelden, so dass die Kluft zwischen armen und reichen Klubs weiter auseinandergegangen ist." In Zahlen: Die kumulierten Zuwächse der Top 20 betrugen 435 Millionen Euro, ein Plus von 10 Prozent. Allein diese Mehreinnahmen entsprechen dem Komplettumsatz von vier durchschnittlichen Klubs der Fußball-Bundesliga.

Wie festbetoniert haben sich die ersten sechs Ränge gegenüber dem Vorjahr nicht verschoben – es handelt sich auch um jene sechs Klubs, die sportlich in Europa den Ton angeben: Diese sechs Vereine verfügen über die sechs höchsten Klub-Koeffizienten, einen Punktwert, den die Uefa aus dem Erfolg über einen Fünfjahreszeitraum bildet. Hier lautet die Reihenfolge: Barcelona vor München und Manchester United, dann folgen Real Madrid, Chelsea und Arsenal London.

Droht so eine Zweiklassengesellschaft im europäischen Klubfußball, der am Ende gar in einer paneuropäischen Superliga münden könnte? Gerade die hohen Prämien und TV-Einnahmen aus der Champions League verstetigen den Trend: Wachsende finanzielle Ungleichheiten manifestieren sich in Europa über kurz oder lang auch in sportlicher Hinsicht. Spaniens Liga demonstriert das Phänomen auf nationalem Level bereits eindrucksvoll. Hollasch: „Für Real und Barca könnte eine paneuropäische Superliga interessant sein – ihnen gehen im Heimatmarkt die Gegner aus."

Thomas Mersch und Stefan Merx sind Gründer des Pressebüros JP4 und der Seite jp4sport.biz. Für das Wall Street Journal Deutschland schreibt JP4 über Sport-Business-Themen.