Aktionäre haben angefangen, am Kurs von Apple-Chef Tim Cook zu zweifeln. Sie fragen sich auch, ob der Konzern, der die PC-Industrie und die Handy-Revolution anstieß, seine Strahlkraft verloren hat. Reuters

Technologiegigant Apple AAPL -0,12% Apple Inc. U.S.: Nasdaq $99,06 -0,12 -0,12% 02 Okt. 2014 12:31 Volumen (​15 Min. verzögert) : 23,49 Mio. KGV 15,85 Marktkapitalisierung 593,88 Milliarden $ Dividendenrendite 1,90% Umsatz/Mitarbeiter 2.214.380 $ verkauft weiterhin rekordverdächtig viele iPhones und Tabletcomputer, aber seine Gewinne halten nicht Schritt. Hohe Ausgaben für Produktneuheiten, mit denen das Unternehmen hofft, die wachsende Konkurrenz abzuschütteln, haben die Erträge gedrückt.

Verschreckte Anleger ließen den Aktienkurs des Konzerns am Mittwoch nach Börsenschluss um 10 Prozent abstürzen. Auf einen Schlag vernichteten sie dabei fast 47 Milliarden US-Dollar von Apples Börsenkapital. Das ist in etwa so viel wie der Wert der Technologiekonzerne Dell, Nokia NOK1V.HE -1,66% Nokia Corp. Finland: Helsinki 6,50 -0,11 -1,66% 02 Okt. 2014 18:29 Volumen (​15 Min. verzögert) : 28,10 Mio. KGV 11,02 Marktkapitalisierung 24,75 Milliarden € Dividendenrendite 4,00% Umsatz/Mitarbeiter 266.889 € und Research in Motion zusammen.

"Das ist phänomenal": Apple-Chef Tim Cook glaubt an den Erfolg seiner Produkte. Agence France-Presse/Getty Images

Anleger und Analysten sind erfolgsverwöhnt: Mehrere Jahre lang wuchs der Konzern im Turbogang und stieg zum wertvollsten Unternehmen der USA auf. Nun aber blieben die Gewinne ausgerechnet im Weihnachtsquartal hinter den Erwartungen zurück und schüren die Angst, dass der Tech-Riese aus dem Silicon Valley an Schwung und an Nachfrage verlieren könnte.

Das künftige Wachstum werde weiterhin langsam sein, sagen die Apple-Vorstände voraus. Sie gehen davon aus, dass die Umsätze im laufenden Quartal um 7 Prozent steigen werden, nachdem sie im Weihnachtsquartal, dem ersten des neuen Apple-Geschäftsjahres, um 18 Prozent zugelegt haben.

Hat das Kult-Telefon seinen Zenit schon erreicht?

Der gerade veröffentlichte Quartalsbericht galt als einer der wichtigsten seit Jahren für das Unternehmen, vor allem wegen anhaltender Gerüchte, die Nachfrage nach dem neuesten Kult-Telefon iPhone 5 könnte ihren Zenit schon überschritten haben. Schon vor dem Berichtstermin war der Apple-Kurs in Mitleidenschaft gezogen worden; er sank von mehr als 700 Dollar je Aktie im September auf weniger als 500 Dollar je Aktie Mitte Januar. Nachbörslich fiel das Papier am Mittwochabend um weitere 10,8 Prozent auf 458,48 Dollar.

Ende vergangenen Jahres warnte Apple bereits, dass der aggressive Zeitplan, mit dem das Unternehmen seine Produkte – darunter neue iPhones, iPads, iPods und ein neuer iMac-Computer – noch vor den Feiertagen in die Läden katapultierte, die Gewinne schmälern würde. Grund dafür waren auch höhere Produktionskosten, die erst im Laufe der Zeit sinken, wenn die Herstellungsabläufe perfektioniert sind.

Apple verkündete selbst, dass das Tempo der Markteinführung so hoch sein würde wie nie zuvor: Das neue iPhone 5 etwa sollte bis Ende 2012 in mehr als 100 Ländern erhältlich sein.

Kleiner und billiger: Apples iPad Mini (l) und das reguläre iPad. REUTERS

Im Telefongespräch mit Analysten bezog sich Apple-Chef Tim Cook genau auf diesen Wust an neuen Produkten und erklärte, das Unternehmen befinde sich in einer der innovativ ergiebigsten Phase seiner Geschichte. Die Konzerningenieure würden Produkte entwickeln, die Kunden nicht nur einfach kaufen, sondern lieben würden. „Das ist einfach phänomenal", jubelte Cook.

Er mahnte Anleger zur Vorsicht über Berichte, dass das Unternehmen seine Fertigungsaufträge zurückschraube. Apple beziehe Teile von verschiedenen Zulieferern, sagte Cook, und die Herstellungseffizienz variiere dabei. Man dürfe nicht einfach anhand von bruchstückhaften Informationen auf das Gesamtgeschäft schließen.

Analysten hatten sich mehr versprochen

Nach Unternehmensangaben wurden im Weihnachtsquartal 47,8 Millionen iPhones verkauft. Im Jahr davor waren es im selben Zeitraum 37 Millionen gewesen. Die Zahl lag dennoch unterhalb dessen, was Analysten erwartet hatten. Das Berichtsquartal begann kurz nach der Einführung des neuen iPhone 5 und des neuen Kartendienstes. Auch das Marktdebüt des iPad Mini, einem kleineren Tabletcomputer mit ebenfalls kleinerem Preis, fällt in das Weihnachtsquartal.

Wie Apple mitteilte, verkaufte es 22,9 Millionen iPads – rund 48 Prozent mehr als im Vorjahr, und damit hatten Analysten auch im Großen und Ganzen gerechnet.

Die Nachfrage für das neue 7,9 Zoll große Tablet, das im November in die Läden kam, habe das Angebot übertroffen und die Lager leergeräumt, sagte Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer im Interview. „Wir haben alles, was wir hergestellt haben, verkauft. Die Kunden lieben es", sagte er.

Aber die jüngsten Zahlen rücken Apples potenzielle Schwächen in den Vordergrund. So sei das iPhone, das mehr als die Hälfte des gesamten Konzerngewinns ausmacht, im Verkauf lediglich genauso schnell gewachsen wie die restliche Branche, sagte Gene Munster, Analyst bei der US-Investmentbank Piper Jaffray. Das sei ungewöhnlich, sagte der Experte. Normalerweise wachse Apple stets schneller als andere und hole sich frische Marktanteile in den Quartalen, in denen Produktneuheiten wie das iPhone 5 herauskommen.

„Das ist die Bestätigung eines Trends", sagte Munster und verwies darauf, dass ein Großteil des Branchenwachstums inzwischen aus den Schwellenländern kommt, wo billigere Smartphones beliebter sind.

Apple-Produkte im Wandel der Zeit

Im Weihnachtsquartal machte Apple nach eigenen Angaben einen Gewinn von 13,08 Milliarden Dollar, im Vorjahr waren es 13,06 Milliarden gewesen. Weil aber mehr Aktien als im Vorjahr im Umlauf sind, betrug der Gewinn je Anteilsschein nur 13,81 US-Dollar statt 13,87 Dollar je Aktie im Vorjahr. Der Umsatz stieg auf 54,5 Milliarden Dollar, nach 46,3 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Damit mehren sich die Anzeichen, dass die Flitterwochen für Cook zu Ende sind. Er übernahm im August 2011 das Ruder im Konzern und das iPhone 4S war seine erste große Produkteinführung. Sie erfolgte nur einen Tag vor dem Tod des Apple-Gründers Steve Jobs.

Seitdem hat Cook versucht, das Unternehmen mit ruhiger Hand zu führen. Er begann auf Drängen der Aktionäre, Dividenden auszuschütten, kaufte Aktien zurück und initiierte Spendenprogramme an Organisationen wie das Rote Kreuz.

Außerdem hat er dem Konzernmanagement seinen Stempel aufgedrückt, indem er Scott Forstall entließ – einen langjährigen Gefolgsmann von Jobs, der schon im Unternehmen arbeitete, bevor Cook selbst 1997 dazu stieß. Forstall leitete das so genannte iOS-Team, dessen Entwickler die Software für mobile Geräte wie das iPhone und das iPad bereitstellen.

Erzrivale Samsung 005930.SE -1,30% Samsung Electronics Co. Ltd. S. Korea: KRX KRW1.141.000 -15.000 -1,30% 02 Okt. 2014 15:00 Volumen (​20 Min. verzögert) : 254.655 KGV 5,95 Marktkapitalisierung 190.736,79 Milliarden KRW Dividendenrendite 0,09% Umsatz/Mitarbeiter N/A zieht an Apple spielend vorbei

Die Aktionäre unterstützten Cook anfangs in seinen Bestrebungen; von seinem Amtsantritt bis zu Einführung des iPhone 5 verdoppelte sich der Aktienkurs des Unternehmens fast. Jetzt aber haben viele angefangen, an seinem Kurs zu zweifeln. Sie fragen sich auch, ob der Konzern, der die PC-Industrie und die Handy-Revolution anstieß, seine Strahlkraft verloren hat.

Bei Apple wird sich das Wachstum verlangsamen, Konkurrent Nokia kommt langsam wieder auf Touren. Die Quartalszahlen der beiden Technologiekonzerne zeigen überraschend gegenläufige Entwicklungen.

Die Konkurrenz ist gewachsen, und vor allem der südkoreanische Technologiekonzern Samsung ist mit seinen Galaxy-Smartphones und -Tablets zum starken Rivalen geworden. Die Koreaner haben es geschafft, zahlreiche Telefoneigenschaften zu entwickeln, mit denen sie sich von Apples iPhone abheben. Zudem sind sie preislich absolut konkurrenzfähig.

In den drei Monaten bis Ende November erreichten Samsungs Geräte auf dem amerikanischen Mobilvertragsmarkt einen Anteil von fast 27 Prozent, belegen die Marktforscher von Comscore. Das ist ein Zuwachs von mehr als einem Viertel gegenüber dem Sommer. Apple dagegen kam im November auf einen Marktanteil von 18,5 Prozent. Im Vorquartal waren es 17,1 Prozent gewesen.

Der amerikanische Technologieriese aber scheint sich schon auf einen Gegenschlag vorzubereiten. Wie das Wall Street Journal Anfang des Monats berichtete, arbeitet Apple an einer preisgünstigeren iPhone-Version, die im Laufe des Jahres herauskommen könnte.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de