Gut 13 Milliarden Euro hat Apple in seinem ersten Geschäftsquartal verdient, das im Dezember zu Ende ging. Das ist nur wenig mehr als vor Jahresfrist. Sorgen, dass Apples Wachstumstempo verflacht, schickten die Aktie auf Talfahrt, sie gab nachbörslich knapp zehn Prozent nach.

Ob Apple sein Wachstum aufrechthalten kann, hängt immer stärker davon ab, ob der Konzern in China, dem weltgrößten Markt für Smartphones, Erfolg haben wird.

Bei den Quartalszahlen am Mittwochabend enttäuschten nicht nur die Ergebnisse. Auch die Verkaufszahlen für das iPhone, die sowohl den Absatz des iPhone 5 als auch den älterer Modelle beinhalten, lagen am unteren Ende der Analystenerwartungen. Deutlich schlechter als erwartet war der Ausblick des Unternehmens für das laufende zweite Quartal – auch wenn Apple dafür bekannt ist, stets sehr konservative Prognosen zu geben.

Chinesische Kunden betrachten im vergangenen Oktober in einem Apple-Store in Peking das neue iPhone 4S. Kann Apple in China schnell genug wachsen und gegen die billigere Konkurrenz bestehen? Getty Images

Einige Analysten sagen schon länger, dass Apple eine aggressivere Strategie für die Schwellenländer brauche, wenn es das Wachstumstempo beibehalten will. Das gilt besonders für China, wo der Markt für Smartphones schneller wächst als irgendwo sonst. Besonders hoch ist in China die Nachfrage nach günstigen Telefonen, die auf Googles Betriebssystem Android laufen und von chinesischen Handyherstellern oder vom Apple-Rivalen Samsung aus Südkorea verkauft werden.

Apple dagegen sagt, dass man schon jetzt in China stark wachse. Während der Analystenkonferenz nach Vorlage der Quartalszahlen erklärte Vorstandschef Tim Cook, Apples Umsatz in der Region Greater China – dazu werden neben dem chinesischen Festland auch Hongkong, Macao und Taiwan gezählt – sei im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar gestiegen. Apples gesamter Quartalsumsatz betrug 54,5 Milliarden Dollar.

"Beim iPhone war das Wachstum außerordentlich", sagte Cook weiter. Es habe im dreistelligen Prozentbereich gelegen. Er erklärte, das Unternehmen habe seine Vertriebskanäle in China mit hoher Geschwindigkeit ausgebaut, unter anderem sei die Zahl der Apple-Stores erhöht worden. "Wir sind noch nicht da, wo wir hin müssen, wir sind noch nicht mal in der Nähe – aber wir machen großartige Fortschritte", sagte Cook.

Ein wichtiges Puzzlestück, das Apple in China noch fehlt, ist China Mobile. Der führende Mobilfunkanbieter des Landes verkauft bisher keine iPhones. Anfang des Monats hatte sich Cook in Peking mit China-Mobile-Chef Xi Guohua getroffen und über eine Kooperation gesprochen. Das schürte Hoffnung, dass der weltgrößte Mobilfunkbetreiber bald das iPhone ins Programm nehmen könnte. Das Wall Street Journal hatte kürzlich zudem berichtet, dass Apple an einer Günstig-Variante des iPhone arbeitet, das in diesem Jahr auf den Markt kommen könnte.

Eine mögliche Herausforderung für Apple in China könnte darin bestehen, dass die billigen Telefone auf Basis von Android qualitativ immer besser werden. Eine Untersuchung des asiatischen Finanzdienstleisters CLSA kam im November zu dem Ergebnis, dass Smartphones mit einem Verkaufspreis von 1.000 Yuan (rund 120 Euro) mit höher-auflösenden Bildschirmen, besseren Kameras und stärkeren Prozessoren ausgestattet waren als Geräte zum gleichen Preis ein Jahr zuvor. "Die beängstigende Schlussfolgerung hieraus ist, dass diese Telefone sich in Sachen Qualität nicht großartig von den hochpreisigen Smartphones unterscheiden", heißt es in der Studie von CLSA.

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