Rhön-Klinikum will nach der gescheiterten Übernahme durch Fresenius im vergangenen Jahr zumindest vorerst alleine den Weg zurück in die Erfolgsspur schaffen. Aufgabe sei es, nach zwei Gewinnwarnungen im letzten Jahr wieder den Anschluss an den Wettbewerb zu finden, sagte Martin Siebert, der seit Januar amtiernde Chef des MDax-Konzerns bei einem Pressegespräch in Frankfurt. "Wir wollen weiter am Wettbewerb um die Marktführerschaft teilhaben", sagte der Manager. Die Übernahme und Integration von verlustträchtigen Kliniken werde auch in Zukunft das treibende Kerngeschäft des Unternehmens sein.

Finanzvorstand Jens-Peter Neumann, der im Oktober vom Aufsichtsrat in den Vorstand entsandt wurde, bezeichnete das Unternehmen als "voll handlungsfähig". Ab Freitag wird sich der ehemalige Investmentbanker auf einer Roadshow den Fragen institutioneller Investoren stellen. Derzeit hat Rhön-Klinikum aber auch damit begonnen, Gespräche mit den wichtigsten großen strategischen Aktionären, zu denen Asklepios, Fresenius, Sana und BBraun gehören, zu führen. "Wir werden bis Ende Februar mit allen geredet haben", sagte Neumann. "Die Gespräche laufen bisher sehr gut, offen und konsensorientiert", sagte er. Dabei werde ausgelotet, ob es Möglichkeiten gebe, miteinander weiterzukommen.

Die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells von Rhön-Klinikum und sein Erfolg sei nicht notwendig mit der Frage verbunden, dass es zu einer Großfusion mit einem Wettbewerber komme, sagte Neumann. Unterschiedliche Gestaltungsvarianten seien hier denkbar.

Ein Schild weist den Weg zu einem Rhön-Klinikum in Bayern. dapd

Im vergangenen Jahr war die Übernahme von Rhön-Klinikum durch den Gesundheitskonzern Fresenius gescheitert, weil Wettbewerber wie Asklepios und das Medizintechnikunternehmen BBraun kurz vor Ablauf der Offerte bei Rhön-Klinikum eingestiegen waren, um die Großfusion zu verhindern. Um Durchgriff bei Rhön-Klinikum zu bekommen, wollte Fresenius 90 Prozent des Aktienkapitals erzielen. Die Satzung von Rhön-Klinikum schreibt für alle wichtigen Entscheidungen eine Zustimmungsquote von 90 Prozent vor. Mittlerweile haben alle wichtigen Wettbewerber Anteile an Rhön-Klinikum erworben.

Trotz der neuen Aktionäre an Bord sieht sich Rhön-Klinikum nicht in seiner Handlungsfähigkeit beeinträchtigt. "Wir brauchen die Zustimmung der Investoren im Moment nicht", sagte Neumann. Dies wäre etwa für eine Eigenkapitalbeschaffung nötig. Das Unternehmen sei derzeit aber aus der Sicht seiner Investoren eher überkapitalisiert, sagte er. Rhön-Klinikum sei gut und sehr konservativ finanziert und verfüge über hohe unbenutzte Liquiditätsreserven, ergänzte er. Der finanzielle Spielraum betrage mehrere 100 Millionen Euro ohne mit Banken in weitere Vertragsverhandlungen gehen zu müssen.

Das Ziel, bundesweit eine flächendeckende Versorgung zu schaffen, hat Rhön-Klinikum noch nicht aufgegeben. Voraussetzung dafür wäre eine stabile Partnerschaft, sagte Siebert. Sie setzt aber seiner Ansicht nach nicht zwingend eine wechselseitige finanzielle Beteiligung oder einen kompletten Zusammenschluss mit einem Partner voraus. "Ein solcher Weg wäre aber natürlich wesentlich belastbarer", meinte er.

Unabhängig von diesen Gesprächen will das Management jetzt aber den Konzern zügig weiterentwickeln und Adjustierungen vornehmen. Beschäftigen will sich das Management unter anderem mit dem Ausbau der medizinischen Versorgung auf höchstem Niveau. In den Griff bekommen will der Konzern zudem die drängenden Probleme an der Uniklinik Giessen-Marburg, die den Konzerngewinn im vergangenen Jahr stark belastet hatten. "Die Uniklinik liegt wie ein Wackerstein im Portfolio", sagte Siebert. Hier müsse Rhön-Klinikum nun eine Herkulesaufgabe bewältigen.

Doch nicht nur die Uniklinik sondern auch andere Häuser machen Rhön-Klinikum derzeit wenig Freude. "Wir haben ein großes Spektrum an Kliniken gerade aus dem Altbestand, die ganz hervorragend dastehen, wir haben aber auch einige die zurückgefallen sind", sagte Siebert. Auch die Übernahme der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden drückt auf das Ergebnis bei Rhön-Klinikum. Die HSK sei aber kein Problemfall, betonte der Manager. Finanzvorstand Neumann erwartet im Gesamtjahr bei HSK eine schwarze Null.

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