Dem einstigen Vorzeigekonzern der deutschen Solarbranche droht nun ebenfalls der Untergang. Die Solarworld AG und ihr schillernder Chef Frank Asbeck planen drastische Schuldeneinschnitte, um überhaupt überleben zu können. Zudem muss das operative Geschäft umgebaut werden. Investoren sind geschockt - die Solarworld-Aktie bricht zum Handelsauftakt um 25 Prozent ein.

Die dramatische Ankündigung dürfte für die Mehrzahl der Beobachter überraschend kommen. Solarworld-Chef Asbeck hatte sich trotz des heftigen Gegenwinds für die Branche zuletzt noch recht optimistisch gezeigt. Die Ankündigung vom Donnerstagabend spricht aber eine andere Sprache - dem einstigen Sonnenpionier Solarworld droht der Kollaps.

Es seien "gravierende Einschnitte" bei den Schulden notwendig, heißt es in der Mitteilung des Bonner Konzerns. Betroffen seien vor allem die Anleihen und Schuldscheindarlehen. Grundsätzlich bestehe aber eine "positive Fortführungsprognose".

Der deutsche Solarmodulhersteller Solarworld steckt in großen Schwierigkeiten. Uwe Lein/dapd

Die Reaktion am Markt ist eindeutig. Das sind "sehr, sehr schlechte Nachrichten", heißt es von Analysten der DZ Bank. Selbst wenn das Unternehmen langfristig überleben sollte, was Analyst Sven Kürten angesichts der Finanzprobleme für zweifelhaft hält, dürften die aktuellen Aktienbesitzer davon nicht besonders stark profitieren.

Die Solarworld-Aktie kommt zum Wochenausklang entsprechend massiv unter die Räder. Seit Jahresbeginn kannte die Aktie eigentlich nur eine Richtung: Die nach oben. Unter anderem hatte eine Großinvestition des bekannten Investors Warren Buffett in die Solarbranche für Hoffnung gesorgt. Nun geht die Aktie aber in die Knie.

Wie die gesamte Solarindustrie hat Solarworld mit einbrechenden Preisen für Solaranlagen zu kämpfen. Die chinesische Konkurrenz macht es den heimischen Herstellern schwer. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres schrieb das Unternehmen bereits tiefrote Zahlen, die Umsätze halbierten sich. Nach den miserablen Zahlen hatten die Bonner schon einen "deutlichen" Verlust und einen signifikanten Umsatzrückgang für das Gesamtjahr angekündigt.

Besonders schlecht lief es zuletzt auf dem Heimatmarkt. Hier musste Solarworld trotz eines kräftigen Zuwachses bei Neuinstallationen das Geschäft bei Solarparks und großen Freiflächen in Deutschland der chinesischen Konkurrenz überlassen. Erst vorletzte Woche hat Solarworld 350 Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 3.000 Mitarbeiter.

Zum Stichtag 30. September hatte Solarworld Schulden in Höhe von 1,04 Milliarden Euro. Davon betrug das Anleihevolumen 543 Millionen Euro. Die emittierten Schuldscheindarlehen wiesen eine Größenordnung von 354 Millionen Euro auf.

Die Krise auf dem Solarmarkt hat schon zahlreiche Unternehmen aus der Branche in die Insolvenz getrieben, darunter den einstigen Börsenliebling und Dax-Kandidaten Q-Cells. Das raue Umfeld und die starke chinesische Konkurrenz dürften dem einstigen Sonnenkönig Asbeck aber die Lust am Solargeschäft verdorben haben.

Künftig spielt vor allem in den USA, China und Japan die Musik im Solargeschäft. Der einstige Sonnenpionier Solarworld wird davon kaum profitieren - für den Zell- und Modulhersteller sieht es auch im Ausland düster aus. Solarworld konzentriert sich weitgehend auf das Privatkundengeschäft. Großanlagen, wie sie beispielsweise auch aus Gründen der amerikanischen Solarförderung vornehmlich entstehen, gehören nicht dazu. Zwar ist das Unternehmen mit einer eigenen Produktion in den USA vertreten, bislang aber mit wenig Erfolg. "Solarworld ist seit Jahren in den USA verlustreich", hatte vor einigen Wochen Alexander Drews vom Analysehaus Montega im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland gesagt.

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