WELLINGTON—Die Milchindustrie Neuseelands, dem weltgrößten Exporteur von Molkereiprodukten, wird erneut von einem Giftskandal erschüttert. In Molkereiprodukten des Landes sind geringe Mengen der Chemikalie Dicyandiamid (DCD) aufgetaucht.

Milchkühe auf einer Farm südlich der neuseeländischen Stadt Auckland. Associated Press

Verseuchte Milch

Juni 2005: Nestlé entschuldigt sich dafür, dass der Jod-Anteil in Säuglingsmilch in China die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte überschreitet. Der Konzern behauptet, es habe keine Gesundheitsgefährdung bestanden.

November 2005: Italienische Prüfer finden in Babymilch der Marke Nestlé und des holländischen Herstellers Numico Rückstände einer Chemikalie von den Etiketten der Packungen.

2008: In China kommt ans Licht, dass Säuglingsmilch von 22 Produzenten – darunter der vom neuseeländischen Milchunternehmen Fonterra maßgeblich finanzierte Konzern Sanlu – mit Melamin gestreckt wurde. 300.000 Kinder erkrankten an der Giftmilch, mindestens sechs starben.

Dezember 2011: Gesundheitsprüfer der Regierung finden die krebserregende Substanz Aflatoxin in Milch des chinesischen Unternehmens Mengniu; der Hersteller vernichtet die Milch und nennt verschimmeltes Viehfutter als Ursache

Juni 2012: Prüfer finden ein Reinigungsmittel in der Milch der chinesischen Gruppe Bright Dairy & Food und lösen eine Rückrufaktion aus

Juni 2012: Prüfer finden „ungewöhnlich" hohe Mengen an Quecksilber in Milchpulver der chinesischen Inner Mongolia Yili Industrial Group und lösen eine Rückrufaktion aus

Juli 2012: Prüfer finden Aflatoxin in Säuglingsmilch des chinesischen Produzenten Hunan Ava Dairy und lösen eine Rückrufaktion aus

Die beiden größten neuseeländischen Düngerhersteller stoppten daraufhin den Verkauf des Mittels. Bauern nutzen die Chemikalie auf ihren Feldern, um zu verhindern, dass gesundheitsgefährdende Düngerrückstände in Flüsse und Seen geschwemmt werden.

Zwar gibt es keine festen internationalen Standards für den Höchstwert von DCD-Rückständen in Lebensmitteln, aber die Substanz ist in hohen Dosen tödlich. Die neuseeländische Regierung bekundete am Donnerstag ihre Sorge über mögliche Schäden für die immense Milchindustrie des Landes, die nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums jährlich Molkereiprodukte im Wert von 14,6 Milliarden neuseeländischen Dollar (rund 9,1 Milliarden Euro) in alle Welt exportiert.

Im Jahr 2008 war die größte Milchkooperative des Landes, Fonterra Co-Operative Group, massiv in die Schlagzeilen geraten. Damals war ans Licht gekommen, dass der chinesische Fonterra-Betrieb Sanlu Säuglingsnahrung mit giftigem Melamin streckte, um den Proteinanteil in Milch künstlich zu steigern. Mindestens sechs Kinder starben an dem gepanschten Milchpulver, rund 300.000 erkrankten. Fonterra hielt einen Anteil von 43 Prozent an dem inzwischen aufgelösten Skandal-Unternehmen Sanlu.

Die neuseeländische Regierung kündigte wegen des Vorfalls eine Untersuchung zur Verwendung von DCD an.

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