SEOUL – Nordkorea hat nach zwei Tagen Kampfrhetorik in Richtung USA auch verbal gegen Südkorea geschossen. Man werde „physische Gegenmaßnahmen" ergreifen, sollte der südliche Nachbar die internationalen Sanktionen unterstützen, die wegen der angekündigten jüngsten Raketentests verhängt worden sind.

„Sanktionen bedeuten Krieg und wären eine Kriegserklärung gegen uns", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Ministeriums, das für die Beziehungen mit dem zweiten koreanischen Staat zuständig ist.

In dem Papier wird die südkoreanische Regierung dafür verantwortlich gemacht, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Dienstag Strafmaßnahmen gegen nordkoreanische Firmen und Einzelpersonen verlängert hat. Südkoreas Regierung sei „eine Marionette für eine Gruppe von Verrätern", heißt es in der Mitteilung Nordkoreas.

Nordkoreas Machthaber Kim-Jong-un droht dem Süden mit Krieg. Associated Press

Eine Sprecherin des Ministeriums für die Einheit in Seoul, das für die Zusammenarbeit mit dem Norden zuständig ist, sagte, es gebe seitens der Regierung keine direkte Antwort auf das jüngste Statement aus Pjöngjang.

Die südkoreanische Armee reagierte am Freitag mit einer Übung auf die Ankündigung aus dem Norden, bald wieder eine Langstreckenrakete zu testen. Hier eine Einheit nahe der demilitarisierten Zone von Yanggu. Associated Press

„Die Regierung [in Seoul] hat klar gemacht, dass Nordkorea damit aufhören soll, derartige Drohungen auszusprechen und weitere Provokationen zu unternehmen", sagte die Sprecherin des Ministeriums. Nordkorea hat den Süden schon öfter mit einem Militärschlag gedroht, den Worten bisher aber glücklicherweise nie Taten folgen lassen.

Am Mittwoch und Donnerstag hatte Nordkorea in Reaktion auf die jüngsten Entschließungen des Weltsicherheitsrates gedroht, eine weitere Atombombe testweise zu zünden. Die „radikale" Offensive richte sich „gegen die USA, den Erzfeind der Koreaner." Allerdings hat das Land bisher keine Rakete gestartet, die in der Lage wäre die USA zu erreichen. Pjöngjang äußert sich fast täglich in Erklärungen gegen die USA.

Es wäre dann das dritte Mal, dass die kommunistische Diktatur ein Massenvernichtungsmittel erprobt, aber der erste Test, seit Kim Jong-un die Macht vor zwei Jahren von seinem Vater übernahm.

Regierungsvertreter von Nachbarstaaten und der USA haben die Regierung in Pjöngjang aufgefordert, auf weitere Atomwaffentests zu verzichten. Selbst China, traditionell ein Verbündeter von Nordkorea, stützte die Resolution im Sicherheitsrat.

Diplomaten und andere Beobachter vermuten schon länger, dass Nordkorea einen weiteren Test vorbereitet und zwar seit dem vergangenen März, als das Land – gerade zwei Wochen nach Abschluss einer Vereinbarung mit den Amerikanern, humanitäre Hilfe der USA ins Land zu lassen – Pläne verkündete, eine weitere Langstreckenrakete zu zünden, ebenfalls gegen ein internationales Verbot.

Vertreter des südkoreanischen Verteidigungsministeriums erklärten vor wenigen Tagen, Nordkorea sei jederzeit in der Lage, eine Atombombe an einem weit entfernten Ort im Nordosten des Landes zünden, wo es ähnliche Tests bereits in den Jahren 2006 und 2009 gab.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte allerdings am Mittwoch, er habe keine Hinweise darauf, dass ein Bombentest unmittelbar bevorstehe. Man dürfe aber nicht zu sicher sein. „Offen gesagt haben sie die Möglichkeit, diese Tests in einer Weise durchzuführen, die es sehr schwer machen, zu überprüfen, ob sie sie machen oder nicht", sagte Panetta nach Medienberichten.

Die vorherigen Tests waren durch die Auswertung seismischer Aufzeichnungen in Südkorea und Japan ans Licht gekommen.

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