Die Märkte werden in der kommenden Woche vor allem auf die neuen Konjunkturdaten schauen, die zur Veröffentlichung anstehen. Doch auch die Berichtsaison wartet noch mit einigen großen Namen auf. Neben Facebook und Yahoo wird auch Amazon seine Quartalszahlen veröffentlichen. dapd

In der kommenden Woche liegt der Fokus auch weiterhin auf neuen Konjunkturdaten. Nach dem starken Ifo-Index aus Deutschland wird weiterhin auf gute Nachrichten von der Wirtschaftsfront gelauert. Denn immerhin sorgte der Ifo für einen Ausbruch des Dax aus seiner Handelsspanne seit Januar. Das deutsche Börsenbarometer sprang auf ein neues Jahres- und damit zugleich auf ein Fünfjahreshoch.

Um den Dax noch weiter zu treiben, sollten auch aus anderen Ländern positive Schlagzeilen kommen. Denn bislang bleibt allein Deutschland der Stabilitätsanker in Europa. Während sich in Spanien die Rezession vertieft, die britische Wirtschaft im vierten Quartal schrumpft und in Frankreich die Einkaufsmanagerindizes einbrechen, nimmt die deutsche Wirtschaft wieder Fahrt auf. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Januar nicht nur besser aus als erwartet, sondern erreichte auch den höchsten Stand seit Juli 2012. "Dies ist der dritte Anstieg in Folge - die Anzeichen einer konjunkturellen Trendwende in Deutschland verstärken sich", kommentiert Viola Julien, Marktstrategin von der Helaba.

Deutlicher US-BIP-Rückgang für das 4. Quartal erwartet.

Dummerweise steht Deutschland damit allein: Denn mit dem Ifo-Index wird die Divergenz zum zweiten Kernland Europas, Frankreich, noch größer. "Der Unterschied zwischen deutschen und französischen Daten ist noch niemals so groß gewesen", warnt Jan von Gerich, Chef-Rentenanalyst von Nordea. Die zunehmende Kluft zwischen Deutschland und dem Rest Europas scheint auch für Mario Draghi ein Thema zu sein. Trotz der Verbesserung seit Auflegung des Anleihe-Kaufprogramms durch die EZB halte die Fragmentierung in der Eurozone an, warnt der EZB-Präsident. Erst diese Woche hatte der IWF seine Wachstumsprognose gesenkt. Der Währungsfonds erwartet nun, dass die Eurozone auch 2013 in der Rezession bleibt.

Einkaufsmanagerindex und US-Arbeitsmarktbericht

Im Fokus stehen daher Konjunkturdaten wie das BIP aus Spanien am Mittwoch, die Industrieproduktion aus Japan am Donnerstag und der offiziellen Einkaufsmanagerindex aus China am Freitag. In den USA stehen am Montag die Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter zur Veröffentlichung an. Am Mittwoch werden die ADP-Arbeitsdaten einen Vorgeschmack auf den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht für Januar am Freitag liefern. Mit dem US-BIP für das erste Quartal und den wichtigen US-Indizes der Chicago-Einkaufsmanager und dem ISM-Industrie-Index stehen weitere Schwergewichte an. Die US-Notenbank wird zudem am Mittwoch über ihr weiteres Vorgehen beim Anleihekauf berichten.

Aber auch die Berichtssaison drängt stärker in den Vordergrund. Ihren Höhepunkt in Europa wird sie erst am 25. Februar erreichen. "Das gibt dem Markt die Chance, sich von seiner Mono-Fokussierung auf Makrodaten zu lösen und zu sehen, was jetzt tatsächlich mit der Profitabilität der Unternehmen passiert", heißt es dazu von den Analysten der schweizerischen Investmentbank UBS.

Für besonders spannend halten sie die Entwicklung von Umsätzen und Gewinnmargen. Während das Momentum bei den Umsätzen etwas zurückgehe, seien die Margen besser ausgefallen, als viele am Markt erwartet hätten. Dies habe bereits das dritte Quartal gezeigt, als mehr Unternehmen mit ihren Margen überraschten als mit ihren Umsätzen. Nun komme der etwas belastendere Euro-Kurs im vierten Quartal hinzu, andererseits gäbe es Entspannung bei den Rohstoffpreisen.

Augenmerk auf Verwendung von Cash-Beständen

Besonderes Augenmerk richten die Analysten daher auf die Verwendung von Cash-Beständen bei den Unternehmen. Schließlich hätten die Firmen einen aggressiven Schuldenabbau betrieben. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zum EBITDA sei vom 1,54-fachen auf das 1,04-fache zurückgefallen. Zum Teil seien sogar hohe Liquiditätsbestände aufgebaut worden. Daher stelle sich die Frage, was damit geschehe.

Analysten werden daher ein besonderes Augenmerk darauf richten, ob die hohen Barreserven der Unternehmen für höhere Investitionen verwendet werden oder an die Investoren zurückfließen - sei es über Aktienrückkaufprogramme oder Dividenden. Vorsichtig stehen sie daher Sektoren gegenüber, bei denen das Gewinnmomentum zurückgeht und gleichzeitig die Bewertung hoch ist. Die Gefahr dafür sehen sie in den Sektoren Nahrungsmittel, Chemie und Getränke. Mit dem britischen Johnny-Walker-Hersteller Diageo steht dazu am Donnerstag gleich ein Prüfstein an.

Zudem berichten im Wochenverlauf konjunkturempfindliche Unternehmen wie Caterpillar und Boeing. Aus Deutschland lassen sich Deutsche Bank, Software AG und Infineon in die Bücher schauen. Im Blick stehen auch die spanischen Banken BBVA und Santander. Unter den Ölriesen legen Exxon, Chevron und Royal Dutch Shell ihre Geschäftszahlen vor. Gut besetzt ist auch die Pharma- und Chemiebranche mit Pfizer, Roche, AstraZeneca, Merck und Dow Chemical. Dazu gesellen sich bekannte US-Internetgrößen wie Facebook, Yahoo und Amazon. Auch ein Börsenneuling lässt sich wieder in Deutschland blicken. Am Freitag steht die Erstnotiz die LEG Immobilien in Frankfurt an.

Kontakt zum Autor: michael.denzin@dowjones.com