KAIRO - Bei den nach Todesurteilen wegen der Fußballkrawalle von Port Said aufgeflammten Ausschreitungen sind mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Zudem wurden Hunderte weitere verletzt, wie der Direktor der örtlichen Krankenhäuser, Abdel-Raham Farah, am Samstag mitteilte. Unter den Todesopfern waren demnach auch zwei Fußballer, die beide erschossen wurden.

Präsident Mohammed Mursi sagte seine geplante Reise nach Äthiopien ab und berief stattdessen ein Treffen mit hochrangigen Generälen ein. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsapparats sagte, das Militär werde mobilisiert, um die Lage in Port Said zu beruhigen.

Zuvor hatte ein Gericht 21 der 73 Angeklagten im Zusammenhang mit den blutigen Fußballtragödie vom vergangenen Februar zum Tode verurteilt. Das Urteil für die übrigen Beschuldigten soll am 9. März verkündet werden.

Familien der Opfer von den Ultras Al Ahli im Gerichtssaal reagieren auf die Todesurteile. dapd

Nach dem Richterspruch randalierten wütende Protestierende vor einem Gefängnis der Hafenstadt Port Said und forderten die Freilassung der Häftlinge. Dabei wurden zwei Polizisten erschossen. Die Sicherheitskräfte setzten ihrerseits scharfe Munition, Gummigeschosse und Tränengas ein, wie aus ihren Reihen verlautete. Dabei wurden 14 weitere Menschen getötet.

Bei den Zusammenstößen zwischen Anhängern der Vereine Al Masri und Al Ahli im Stadion von Port Said waren am 1. Februar 2012 mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. In den darauf folgenden Tagen wurden bei Unruhen im ganzen Land weitere Menschen getötet.

Westerwelle reagiert besorgt

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte besorgt auf die neue Gewaltwelle. Deutschland sei bereit, den langen und auch schwierigen Transformationsprozess in Ägypten tatkräftig zu unterstützen, teilte er in Berlin mit. «Der Besuch von Präsident (Mohammed) Mursi in Berlin in wenigen Tagen ist eine sehr gute Gelegenheit, darüber intensiv zu beraten.»

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